Magnesit ist ein Magnesiumcarbonat, das als weiße, braun geaderte Masse aus Serpentinitgebieten kommt und blau gefärbt einen großen Teil des Türkis-Imitat-Marktes füllt. Daneben liefert eine einzige Lagerstätte in Brasilien durchsichtige Kristalle mit einer der höchsten Doppelbrechungen, die in der Edelsteinkunde vorkommen.
Magnesit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Carbonate ohne fremde Anionen, Calcit-Gruppe; Mischkristallreihe mit Siderit (FeCO3) |
| Chemische Formel | MgCO3, mit Eisen, Mangan, Cobalt und Nickel als üblichen Fremdbestandteilen; theoretisch 28,83 Prozent Magnesium, 14,25 Prozent Kohlenstoff, 56,93 Prozent Sauerstoff |
| Kristallsystem | trigonal, Raumgruppe R-3c (Nr. 167), Punktgruppe -3 2/m; Kristalle meist rhomboedrisch, seltener tafelig oder prismatisch, bis etwa 30 Zentimeter |
| Mohs-Härte | 3,5 bis 4,5; kryptokristalline Knollenware wird im Handel meist mit 4 angegeben |
| Dichte | 3,00 g/cm³ gemessen, 3,010 g/cm³ berechnet; eisenreichere Varietäten bis 3,2 g/cm³ |
| Brechungsindex | nEpsilon 1,509, nOmega 1,700; einachsig negativ. An derber Ware liefert das Refraktometer meist nur eine unsichere Spotlesung nahe 1,50 |
| Doppelbrechung | 0,191, einachsig negativ; damit höher als bei Calcit (0,172) und einer der größten Werte unter den Schmucksteinen |
| Glanz | Glasglanz auf Kristallflächen, Perlmutterglanz auf Spaltflächen; matt bis kreidig an poröser Knollenware, nach Politur seidig |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach dem Rhomboeder {10-11}, also in drei Richtungen; spröde |
| Bruch | muschelig bis uneben, bei kryptokristallinem Material splittrig-erdig |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend bei Kristallen aus Brumado, undurchsichtig bei der gesamten Handelsware |
| Farben | farblos, weiß, grauweiß, creme, blassgelb, braun, rosa bis lilarosa; Handelsware fast immer weiß mit braunen bis rotbraunen Adern, sehr häufig blau oder bunt gefärbt |
| Wichtigste Fundorte | Brumado und Serra das Éguas (Bahia, Brasilien) für Kristalle; Veitsch, Breitenau am Hochlantsch und Sunk bei Hohentauern (Steiermark) sowie Radenthein (Kärnten) in Österreich; Haicheng und Dashiqiao (Liaoning, China); Eskişehir und Kütahya (Türkei); Kunwarara (Queensland, Australien); Mount Brussilof (British Columbia, Kanada) |
| Behandlungen | Färben ist die Standardbehandlung, vor allem Blau als Türkis-Imitat, daneben Grün, Rot, Violett und Gelb; zusätzlich Stabilisieren und Versiegeln mit Kunstharz oder Wachs; naturweiße Ware wird nur poliert |
| Erstbeschreibung | 1803 an Material aus Mähren beschrieben; Abraham Gottlob Werner führte es als Talcum carbonatum, also reine Talkerde. Den heutigen Namen prägte Dietrich Ludwig Gustav Karsten 1808 nach dem Magnesiumgehalt |
MgCO3: ein Carbonat mit extremer Doppelbrechung
Magnesit ist Magnesiumcarbonat, MgCO3, und gehört damit in dieselbe Strukturfamilie wie Calcit. Er kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R-3c, besitzt eine vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit in drei Richtungen und eine Mohs-Härte von 3,5 bis 4,5. Die Dichte liegt bei 3,00 g/cm³, bei eisenreichen Varietäten bis 3,2 g/cm³. Optisch ist Magnesit ein Extremfall: Die Brechungsindizes betragen 1,509 und 1,700, daraus ergibt sich eine Doppelbrechung von 0,191. Das ist mehr als bei Calcit und einer der höchsten Werte, die Ihnen an einem geschliffenen Stein überhaupt begegnen. In einem facettierten Magnesit sehen Sie deshalb jede Hinterfacette doppelt; große Steine wirken verschwommen und wie mit einem Schleier belegt. Für die Handelsware spielt das keine Rolle, denn die ist dicht, feinkörnig und undurchsichtig. Dort zählen andere Eigenschaften: Porosität, weiße Grundfarbe und ein Netz brauner Adern.
Magnesit oder Howlith? Der Test dauert zehn Sekunden
Kein anderer Punkt ist beim Kauf so wichtig. Magnesit und Howlith sehen einander zum Verwechseln ähnlich: beide weiß, beide kreidig, beide von einem Adernetz durchzogen, beide werden blau gefärbt als Türkis-Ersatz verkauft. Chemisch haben sie nichts gemeinsam. Magnesit ist ein Carbonat, MgCO3; Howlith ein Calciumborosilikat der Formel Ca2B5SiO9(OH)5. Drei Merkmale trennen sie zuverlässig. Erstens die Dichte: Magnesit liegt bei rund 3,0 g/cm³ und fühlt sich in der Hand spürbar schwerer an als Howlith mit 2,53 bis 2,59 g/cm³. Zweitens die Adern: Bei Magnesit sind sie meist braun bis rotbraun, bei Howlith grau bis schwarz. Drittens die Säure: Ein Tropfen warmer, verdünnter Salzsäure lässt Magnesit aufbrausen, Howlith reagiert nicht. Im Handel werden beide laufend vertauscht, und zwar überwiegend zulasten des Magnesits: Ein großer Teil der als Howlith verkauften Trommelsteine ist in Wahrheit Magnesit.
Aus dem Serpentinit und aus dem Seebecken
Magnesit entsteht überall dort, wo kohlendioxidreiche Lösungen auf magnesiumreiches Gestein treffen. Der häufigste Weg ist die Verdrängung: In Serpentiniten und Peridotiten zersetzen CO2-haltige Wässer das Silikatgefüge und hinterlassen Magnesit in Adern, Nestern und Stockwerken, begleitet von Talk, Antigorit und Chlorit. Genau aus diesem Milieu stammt die kryptokristalline, knollige Ware mit den braunen Adern, die Sie als Trommelstein kaufen; die Türkei liefert davon große Mengen. Der zweite Weg ist sedimentär: In abflusslosen Becken über ultramafischem Untergrund fällt Magnesit als Knollenlage aus, so im australischen Kunwarara, wo die Knollen von einem Millimeter bis zu einem halben Meter messen. Der dritte Weg führt über Metamorphose und Verdrängung von Karbonatgestein zum grobkristallinen Spatmagnesit, wie ihn die österreichische Steiermark seit dem 19. Jahrhundert liefert. Nur der vierte Fall, Brumado in Brasilien, bringt klare Kristalle hervor.
Was Magnesit kostet und wo er herkommt
Magnesit ist weltweit ein Massenrohstoff. China fördert rund 19 Millionen Tonnen jährlich und hält damit etwa 70 Prozent des Weltmarktes; Österreich liegt mit 669.400 Tonnen (2023) auf Rang fünf. Der weitaus größte Teil geht in Magnesiumoxid und feuerfeste Steine für Hochöfen, Zement- und Glasöfen. Der Schmucksteinmarkt ist dagegen ein Nebengeschäft, entsprechend niedrig sind die Preise. Blau gefärbte Trommelsteine von 8 bis 12 Millimetern kosten im deutschen Einzelhandel etwa 2,99 Euro je 100 Gramm, und 100 Gramm entsprechen rund 170 bis 180 Steinen. Cabochons und Perlenstränge bleiben meist unter 10 Euro, naturweißes Rohmaterial wird nach Handelsangaben mit deutlich unter einem Euro je Karat gehandelt. Teuer wird Magnesit nur als Sammlerstufe: Kristallgruppen aus Brumado werden international ab etwa 110 Euro gehandelt, ästhetische Stufen mit Uvit, Hämatit oder Florencit erreichen 500 bis über 5.000 Euro.
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Kurz gefasst
Magnesit ist ein ehrlicher, preiswerter Schmuckstein, solange er unter seinem richtigen Namen verkauft wird. Kaufen Sie ihn für Ketten, Anhänger und Ohrschmuck, nicht für Alltagsringe, und verlangen Sie beim gefärbten Material die Angabe „gefärbter Magnesit“ statt Türkis oder Howlith. Naturweiße Ware mit klarem Adernetz und dichter, polierfähiger Grundmasse ist die bessere Wahl als blasse Färbung. Wer Kristalle sammelt, kommt an Brumado nicht vorbei: Dort liegt die einzige Quelle durchsichtiger Magnesite, und diese Stufen halten ihren Wert.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Magnesit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
