Mangan macht das Lila, nicht Lithium
Die Farbe des Lepidoliths beruht auf Mangan, das als Spurenelement in die Oktaederschicht eingebaut ist und durch Absorption im grünen und gelben Spektralbereich den rosa bis violetten Eindruck erzeugt. Die weit verbreitete Behauptung, das Lithium sei für die Farbe verantwortlich, hält keiner Prüfung stand: Es existiert farbloser und blassgelber Lepidolith mit hohem Lithiumgehalt, und rosa gefärbte Glimmer treten auch ohne nennenswertes Lithium auf. Der Farbeindruck hängt zusätzlich stark von der Korngröße ab. Grobblättrige Kristalle wirken in der Durchsicht blass und fast farblos, feinschuppige Aggregate dagegen kräftig lila, weil das Licht an Tausenden Spaltflächen gestreut wird und den Weg durch viele farbige Schichten nimmt. Deshalb sehen Trommelsteine aus feinkörnigem Material meist satter aus als eine große Einzelplatte. Der Pleochroismus ist schwach und reicht von nahezu farblos bis blassrosa oder blassviolett.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Lepidolith, feinschuppig | kräftig lilarosa bis flieder | Standardware für Trommelsteine; Farbe wirkt durch Streuung an vielen Spaltflächen satt |
| Lepidolith, grobblättrig (Bücher, Rosetten) | blass rosa bis fast farblos in der Durchsicht | Sammlermaterial; einzelne Blättchen sind kaum gefärbt, das Aggregat wirkt heller |
| Lepidolith mit Quarz (Lepidolith-Quarzit) | lila mit weißen und grauen Partien | durch Quarzanteil härter und schleifbar; Material für Cabochons, Platten und Kugeln |
| Rubellit in Lepidolith | rote bis rosa Turmalinkristalle im lila Glimmer | bekannteste Handelsform; Minas Gerais, Afghanistan, Kalifornien; Preisspitze des Materials |
| Lepidolith mit Elbait, grün und mehrfarbig | lila mit grünen bis zweifarbigen Turmalinen | seltener als Rubellitstufen, bei Sammlern gesucht |
| Farbloser bis blassgelber Lepidolith | farblos, weiß, grau, blassgelb | manganarm, trotz teils hohem Lithiumgehalt; bestätigt, dass Mangan die Farbe trägt |
| Lilalith, Lithionglimmer (historisch) | rosa bis violett | alte Bezeichnungen aus der Literatur des 19. Jahrhunderts, heute nur auf Sammleretiketten |
Das Farbspektrum von Rosé bis Flieder
Handelsüblich ist ein Band von blassem Rosé über Lilarosa und Mauve bis zu kräftigem Flieder mit leicht gräulichem Unterton. Seltener, aber belegt sind farblose, weiße, graue und blassgelbe Varianten; tiefe, gesättigte Violetttöne sind die Ausnahme und meist auf feinschuppige, dicht gepackte Aggregate beschränkt. Viele Stücke sind nicht einfarbig, sondern zeigen eine Wolkenzeichnung aus helleren und dunkleren Lagen, dazu silbrige Reflexe von den Spaltflächen, die je nach Lichteinfall aufblitzen. Dieser Glitzereffekt ist kein Fehler, sondern das eigentliche optische Merkmal des Materials. Weiße Quarz- und Feldspatadern durchziehen viele Platten, schwarze Punkte stammen meist von Turmalin oder Manganoxid. Eine Fluoreszenz ist beschrieben: Unter UV-Licht zeigen manche Stücke eine mittelstarke cremeweiße bis blassgelbe Reaktion, gelegentlich auch gelb. Verlassen Sie sich darauf nicht als Bestimmungsmerkmal, sie tritt unregelmäßig auf.
Varietäten, Verwachsungen und Handelsnamen
Echte Varietäten im mineralogischen Sinn kennt der Lepidolith kaum, wohl aber feste Handelsformen. „Rubellit in Lepidolith“ bezeichnet rote bis rosa Elbaitkristalle, die im lila Glimmerbett stecken – die bekannteste und teuerste Erscheinungsform, vor allem aus Minas Gerais und aus Afghanistan. „Lepidolith mit Quarz“ oder Lepidolith-Quarzit meint quarzdurchsetztes Material, das durch den Quarzanteil härter und schleifbar wird und deshalb für Cabochons und Platten verwendet wird. Historische Namen wie Lilalith, Lithionglimmer oder Lithionit tauchen in alter Literatur und auf Sammleretiketten auf. Gelegentlich wird stark violettes Material als „Lavendelglimmer“ angeboten. Vorsicht bei der Abgrenzung: Rosa Muskovit (Rosa-Muskovit, „Fuchsit“ ist dagegen grün) sieht fast identisch aus und enthält kein Lithium. Auch gefärbter Glimmer kommt vor. Eine sichere Trennung gelingt nur über Chemie oder Flammenfärbung, bei der Lithium karminrot brennt.
