Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lepidolith Lexikon · Farben & Varietäten

Lepidolith – Farben & Varietäten

Lepidolith

Mangan macht das Lila, nicht Lithium

Die Farbe des Lepidoliths beruht auf Mangan, das als Spurenelement in die Oktaederschicht eingebaut ist und durch Absorption im grünen und gelben Spektralbereich den rosa bis violetten Eindruck erzeugt. Die weit verbreitete Behauptung, das Lithium sei für die Farbe verantwortlich, hält keiner Prüfung stand: Es existiert farbloser und blassgelber Lepidolith mit hohem Lithiumgehalt, und rosa gefärbte Glimmer treten auch ohne nennenswertes Lithium auf. Der Farbeindruck hängt zusätzlich stark von der Korngröße ab. Grobblättrige Kristalle wirken in der Durchsicht blass und fast farblos, feinschuppige Aggregate dagegen kräftig lila, weil das Licht an Tausenden Spaltflächen gestreut wird und den Weg durch viele farbige Schichten nimmt. Deshalb sehen Trommelsteine aus feinkörnigem Material meist satter aus als eine große Einzelplatte. Der Pleochroismus ist schwach und reicht von nahezu farblos bis blassrosa oder blassviolett.

Varietät Farbe Bemerkung
Lepidolith, feinschuppigkräftig lilarosa bis fliederStandardware für Trommelsteine; Farbe wirkt durch Streuung an vielen Spaltflächen satt
Lepidolith, grobblättrig (Bücher, Rosetten)blass rosa bis fast farblos in der DurchsichtSammlermaterial; einzelne Blättchen sind kaum gefärbt, das Aggregat wirkt heller
Lepidolith mit Quarz (Lepidolith-Quarzit)lila mit weißen und grauen Partiendurch Quarzanteil härter und schleifbar; Material für Cabochons, Platten und Kugeln
Rubellit in Lepidolithrote bis rosa Turmalinkristalle im lila Glimmerbekannteste Handelsform; Minas Gerais, Afghanistan, Kalifornien; Preisspitze des Materials
Lepidolith mit Elbait, grün und mehrfarbiglila mit grünen bis zweifarbigen Turmalinenseltener als Rubellitstufen, bei Sammlern gesucht
Farbloser bis blassgelber Lepidolithfarblos, weiß, grau, blassgelbmanganarm, trotz teils hohem Lithiumgehalt; bestätigt, dass Mangan die Farbe trägt
Lilalith, Lithionglimmer (historisch)rosa bis violettalte Bezeichnungen aus der Literatur des 19. Jahrhunderts, heute nur auf Sammleretiketten

Das Farbspektrum von Rosé bis Flieder

Handelsüblich ist ein Band von blassem Rosé über Lilarosa und Mauve bis zu kräftigem Flieder mit leicht gräulichem Unterton. Seltener, aber belegt sind farblose, weiße, graue und blassgelbe Varianten; tiefe, gesättigte Violetttöne sind die Ausnahme und meist auf feinschuppige, dicht gepackte Aggregate beschränkt. Viele Stücke sind nicht einfarbig, sondern zeigen eine Wolkenzeichnung aus helleren und dunkleren Lagen, dazu silbrige Reflexe von den Spaltflächen, die je nach Lichteinfall aufblitzen. Dieser Glitzereffekt ist kein Fehler, sondern das eigentliche optische Merkmal des Materials. Weiße Quarz- und Feldspatadern durchziehen viele Platten, schwarze Punkte stammen meist von Turmalin oder Manganoxid. Eine Fluoreszenz ist beschrieben: Unter UV-Licht zeigen manche Stücke eine mittelstarke cremeweiße bis blassgelbe Reaktion, gelegentlich auch gelb. Verlassen Sie sich darauf nicht als Bestimmungsmerkmal, sie tritt unregelmäßig auf.

Varietäten, Verwachsungen und Handelsnamen

Echte Varietäten im mineralogischen Sinn kennt der Lepidolith kaum, wohl aber feste Handelsformen. „Rubellit in Lepidolith“ bezeichnet rote bis rosa Elbaitkristalle, die im lila Glimmerbett stecken – die bekannteste und teuerste Erscheinungsform, vor allem aus Minas Gerais und aus Afghanistan. „Lepidolith mit Quarz“ oder Lepidolith-Quarzit meint quarzdurchsetztes Material, das durch den Quarzanteil härter und schleifbar wird und deshalb für Cabochons und Platten verwendet wird. Historische Namen wie Lilalith, Lithionglimmer oder Lithionit tauchen in alter Literatur und auf Sammleretiketten auf. Gelegentlich wird stark violettes Material als „Lavendelglimmer“ angeboten. Vorsicht bei der Abgrenzung: Rosa Muskovit (Rosa-Muskovit, „Fuchsit“ ist dagegen grün) sieht fast identisch aus und enthält kein Lithium. Auch gefärbter Glimmer kommt vor. Eine sichere Trennung gelingt nur über Chemie oder Flammenfärbung, bei der Lithium karminrot brennt.

Häufige Fragen

Ist kräftiges Violett ein Qualitätsmerkmal?
Ja, innerhalb des Materials schon. Je satter und gleichmäßiger der Fliederton und je stärker der silbrige Glitzer der Spaltflächen, desto höher liegt der Preis. Beachten Sie aber, dass die Sättigung stark von der Korngröße abhängt: Feinschuppige Aggregate wirken kräftiger als grobblättrige Kristalle gleicher Chemie. Sehr dunkles, gleichmäßiges Violett ohne jeden Glimmerglanz sollte Sie misstrauisch machen – dort ist Färbung möglich.
Wie unterscheide ich Lepidolith von rosa Muskovit?
Mit bloßem Auge kaum. Rosa Muskovit ist ebenso blättrig, ebenso weich und ähnlich gefärbt, enthält aber kein Lithium. Praktisch hilft die Flammenprobe: Ein Splitter in der Flamme färbt diese bei Lithium karminrot. Sauber ist nur die chemische Analyse. Im Handel ist die Verwechslung selten von Belang, weil beide Materialien ähnlich verarbeitet und ähnlich bepreist werden – für die korrekte Deklaration zählt sie trotzdem.
Wird Lepidolith gefärbt?
Meist nicht, denn das natürliche Lila ist gerade das Verkaufsargument. Blasses oder gräuliches Material wird aber gelegentlich nachgetönt, häufig in einem Arbeitsgang mit der Kunstharztränkung. Anzeichen sind ein gleichmäßiges, unnatürlich intensives Violett ohne Wolkenzeichnung, Farbkonzentration in Rissen und ein Farbabrieb an einer verdeckten Stelle mit Aceton. Verlangen Sie im Zweifel die Angabe zu Färbung und Stabilisierung schriftlich.