Das letzte Restschmelzstadium im Granitpegmatit
Lepidolith entsteht ganz am Ende der Kristallisation granitischer Schmelzen. Lithium, Caesium, Rubidium, Fluor, Bor und Phosphor passen schlecht in die frühen Minerale eines Granits und reichern sich deshalb in der Restschmelze an. Erstarrt diese in Spalten und Taschen, entstehen komplexe Pegmatite vom LCT-Typ, benannt nach Lithium, Caesium und Tantal. Erst wenn die Lithiumkonzentration hoch genug ist, kristallisiert Lepidolith – oft in großen, geschlossenen Massen, die Hohlräume auskleiden oder ganze Pegmatitzonen ausfüllen. Daneben tritt das Mineral in Greisen auf, also in hydrothermal umgewandelten Granitdächern, sowie in Hochtemperatur-Quarzgängen. Die Bildungstemperaturen liegen im Bereich einiger hundert Grad, das Milieu ist fluorreich und sauer. Weil diese Zonen meist klein und unregelmäßig sind, wird Lepidolith klassisch von Hand abgebaut; nur die chinesischen Lagerstätten werden großtechnisch gewonnen. Für Sie erklärt das, warum Stufen so unterschiedlich aussehen.
Kristallchemie: eine Schicht, zwei Endglieder, viele Polytype
Der Bau folgt dem Glimmerschema: Zwei Schichten aus eckenverknüpften Silicium-Sauerstoff-Tetraedern schließen eine Oktaederschicht ein, in der Lithium und Aluminium sitzen. Zwischen diesen Dreierpaketen liegt Kalium, deutlich schwächer gebunden als alles andere im Gitter. Genau dort spaltet das Mineral. In der Polylithionit-Trilithionit-Serie ändert sich das Verhältnis von Lithium zu Aluminium in der Oktaederschicht und, gekoppelt daran, der Aluminiumanteil in den Tetraedern: Polylithionit trägt vier Silicium pro Formeleinheit, Trilithionit nur drei plus ein Aluminium. Die Stapelfolge der Pakete kann variieren, weshalb die Polytype 1M, 2M2 und 3T unterschieden werden. Hinzu kommt der Einbau von Fluor anstelle von Hydroxid, der bei Lepidolith hoch ist. Rubidium und Caesium vertreten Kalium in den Zwischenschichten – der Grund, warum Bunsen und Kirchhoff 1861 aus 150 Kilogramm Lepidolith das Element Rubidium isolieren konnten.
Paragenese, Typlokalität und die Erstbeschreibung von 1792
Lepidolith tritt fast nie allein auf. Typische Begleiter sind Elbait und dessen rote Varietät Rubellit, Quarz, blättriger Albit (Cleavelandit), Kalifeldspat, Morganit, Spodumen, Petalit, Amblygonit, Topas, Beryll und Kassiterit. Die Kombination aus rotem Rubellit in feinschuppigem, lila Glimmer ist die bekannteste Handelsform überhaupt und stammt vor allem aus Minas Gerais und Afghanistan. Beschrieben und benannt wurde das Mineral 1792 durch den Berliner Chemiker Martin Heinrich Klaproth, den Entdecker von Uran, Zirconium und Titan. Der Name verbindet die griechischen Wörter lepidos für Schuppe und lithos für Stein und beschreibt damit genau das, was man in der Hand hält. Als Typlokalität gilt der Pegmatit von Rožná im Bezirk Žďár nad Sázavou in der mährischen Region Vysočina, heute Tschechien. Ältere Literatur führt das Material auch unter Namen wie Lilalith oder Lithionglimmer.
