Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lepidolith Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Lepidolith – Entstehung & Mineralogie

Lepidolith

Das letzte Restschmelzstadium im Granitpegmatit

Lepidolith entsteht ganz am Ende der Kristallisation granitischer Schmelzen. Lithium, Caesium, Rubidium, Fluor, Bor und Phosphor passen schlecht in die frühen Minerale eines Granits und reichern sich deshalb in der Restschmelze an. Erstarrt diese in Spalten und Taschen, entstehen komplexe Pegmatite vom LCT-Typ, benannt nach Lithium, Caesium und Tantal. Erst wenn die Lithiumkonzentration hoch genug ist, kristallisiert Lepidolith – oft in großen, geschlossenen Massen, die Hohlräume auskleiden oder ganze Pegmatitzonen ausfüllen. Daneben tritt das Mineral in Greisen auf, also in hydrothermal umgewandelten Granitdächern, sowie in Hochtemperatur-Quarzgängen. Die Bildungstemperaturen liegen im Bereich einiger hundert Grad, das Milieu ist fluorreich und sauer. Weil diese Zonen meist klein und unregelmäßig sind, wird Lepidolith klassisch von Hand abgebaut; nur die chinesischen Lagerstätten werden großtechnisch gewonnen. Für Sie erklärt das, warum Stufen so unterschiedlich aussehen.

Kristallchemie: eine Schicht, zwei Endglieder, viele Polytype

Der Bau folgt dem Glimmerschema: Zwei Schichten aus eckenverknüpften Silicium-Sauerstoff-Tetraedern schließen eine Oktaederschicht ein, in der Lithium und Aluminium sitzen. Zwischen diesen Dreierpaketen liegt Kalium, deutlich schwächer gebunden als alles andere im Gitter. Genau dort spaltet das Mineral. In der Polylithionit-Trilithionit-Serie ändert sich das Verhältnis von Lithium zu Aluminium in der Oktaederschicht und, gekoppelt daran, der Aluminiumanteil in den Tetraedern: Polylithionit trägt vier Silicium pro Formeleinheit, Trilithionit nur drei plus ein Aluminium. Die Stapelfolge der Pakete kann variieren, weshalb die Polytype 1M, 2M2 und 3T unterschieden werden. Hinzu kommt der Einbau von Fluor anstelle von Hydroxid, der bei Lepidolith hoch ist. Rubidium und Caesium vertreten Kalium in den Zwischenschichten – der Grund, warum Bunsen und Kirchhoff 1861 aus 150 Kilogramm Lepidolith das Element Rubidium isolieren konnten.

Paragenese, Typlokalität und die Erstbeschreibung von 1792

Lepidolith tritt fast nie allein auf. Typische Begleiter sind Elbait und dessen rote Varietät Rubellit, Quarz, blättriger Albit (Cleavelandit), Kalifeldspat, Morganit, Spodumen, Petalit, Amblygonit, Topas, Beryll und Kassiterit. Die Kombination aus rotem Rubellit in feinschuppigem, lila Glimmer ist die bekannteste Handelsform überhaupt und stammt vor allem aus Minas Gerais und Afghanistan. Beschrieben und benannt wurde das Mineral 1792 durch den Berliner Chemiker Martin Heinrich Klaproth, den Entdecker von Uran, Zirconium und Titan. Der Name verbindet die griechischen Wörter lepidos für Schuppe und lithos für Stein und beschreibt damit genau das, was man in der Hand hält. Als Typlokalität gilt der Pegmatit von Rožná im Bezirk Žďár nad Sázavou in der mährischen Region Vysočina, heute Tschechien. Ältere Literatur führt das Material auch unter Namen wie Lilalith oder Lithionglimmer.

Häufige Fragen

In welchem Gestein finde ich Lepidolith?
Vor allem in komplexen Granitpegmatiten vom LCT-Typ, also in den lithium-, caesium- und tantalreichen Restschmelzen granitischer Intrusionen. Daneben kommt Lepidolith in Greisen vor, den hydrothermal umgewandelten Dachbereichen von Zinngraniten, sowie in Hochtemperatur-Quarzgängen. In normalen Graniten, Gneisen oder Sedimenten suchen Sie ihn vergeblich. Die Zonen sind meist klein und unregelmäßig begrenzt, weshalb der Abbau außerhalb Chinas überwiegend von Hand erfolgt.
Was ist der Unterschied zu Zinnwaldit?
Beide sind Lithiumglimmer und beide sind nach IMA keine gültigen Arten. Lepidolith liegt in der Polylithionit-Trilithionit-Serie, Zinnwaldit dagegen zwischen Siderophyllit und Polylithionit und enthält deutlich Eisen. Das sieht man: Zinnwaldit ist silbergrau, bräunlich oder grünlich, nicht lila. Zinnwaldit wurde 1845 in Zinnwald beziehungsweise Cínovec im Erzgebirge beschrieben und tritt dort zusammen mit Lepidolith, Topas, Kassiterit und Wolframit auf.
Wer hat Lepidolith zuerst beschrieben?
Martin Heinrich Klaproth im Jahr 1792. Der Berliner Chemiker prägte den Namen aus griechisch lepidos, Schuppe, und lithos, Stein. Als Typlokalität gilt der Pegmatit von Rožná in Mähren. Der Fund war wissenschaftlich folgenreich: Aus Lepidolith isolierten Robert Bunsen und Gustav Kirchhoff 1861 das Element Rubidium, das im Gitter das Kalium vertritt. Lithium selbst wurde bereits 1817 aus Petalit nachgewiesen.