Cabochon, Kugel und Trommelstein: die drei Standardformen
Weil Dumortierit-Quarz undurchsichtig bis durchscheinend ist, kommt ein Facettenschliff für die Handelsware nicht in Frage. Facetten leben von Lichtdurchtritt und Rückreflexion; in einem undurchsichtigen Stein erzeugen sie nur ein unruhiges Muster. Die Standardformen sind deshalb der Cabochon, die gebohrte Kugel für Ketten, der Trommelstein und größere Freiformen für Dekoration und Kunsthandwerk. Cabochons werden in den üblichen Kalibermaßen geschliffen, vom kleinen Oval mit 8 mal 10 Millimetern bis zu Platten von 30 Millimetern und mehr. Weil das Material in großen, gleichmäßigen Blöcken vorliegt, ist die Ausbeute hoch und der Verschnitt gering, was den niedrigen Preis erklärt. Bei der Orientierung achtet der Schleifer darauf, die strähnige Zeichnung quer über die Wölbung laufen zu lassen, damit sie sichtbar bleibt. Ein Schnitt parallel zur Faserlage erzeugt dagegen flächige, langweilige Stücke.
Der seltene Fall: facettierter Dumortierit
Durchsichtiger Dumortierit existiert, ist aber eine Seltenheit. Er kommt aus Minas Gerais in Brasilien in grünblauen Tönen und aus Sri Lanka in rotbraunen Tönen; die fertigen Steine bleiben in aller Regel unter ein bis zwei Karat. Solche Stücke gehen ausschließlich an Sammler seltener Facettensteine und erreichen Preise, die mit dem Niveau der derben Ware nichts zu tun haben. Der Schleifer muss dabei zwei Dinge beachten. Erstens den starken Pleochroismus: Je nach Ausrichtung erscheint der Stein tiefblau, rotviolett oder nahezu farblos, und die Tafel muss so gelegt werden, dass die kräftigste Farbe in Blickrichtung liegt. Zweitens die deutliche Spaltbarkeit nach {100} und die Absonderung nach {001}, die bei einem echten Einkristall durchaus zum Problem werden. Ein dritter Sonderfall sind Bergkristalle mit blauen Dumortieritnadeln, die facettiert werden, um das Einschlussmotiv zu zeigen.
Politur: wo die Arbeit liegt
Der kritische Arbeitsschritt bei Dumortierit ist nicht das Formgeben, sondern die Politur. Das Material besteht aus Quarz mit eingelagerten Fasern unterschiedlicher Härte, und diese Kombination neigt zur Unterpolitur: Die weicheren Partien werden stärker abgetragen als die härteren, sodass eine feine Welligkeit entsteht, die im Streiflicht als Orangenhaut sichtbar wird. Abhilfe schafft ein langsamer, gestufter Aufbau über Diamantpasten bis 50000 Körnung und eine Endpolitur auf Leder oder Zinn mit Ceroxid. Die Härte von Mohs 7 macht den Vorgang zeitaufwendiger als bei Lapislazuli oder Sodalith, die mit 5 bis 6 deutlich weicher sind. Bei stark faserigem Material kann außerdem die Oberfläche aufreißen, wenn zu hoher Druck anliegt. Poröse Stücke werden vor dem Schleifen gelegentlich mit Kunstharz stabilisiert; darüber sollte der Händler Auskunft geben können.
