Blau durch Ladungstransfer zwischen Eisen und Titan
Die blaue Farbe des Dumortierits entsteht nicht durch ein einzelnes Farbion, sondern durch einen Intervalenz-Ladungstransfer zwischen zweiwertigem Eisen und vierwertigem Titan, die beide in benachbarten Aluminiumpositionen sitzen. Beim Sprung eines Elektrons von Fe zu Ti wird Licht im gelbroten Bereich absorbiert, sodass Blau und Violett übrig bleiben. Dieser Mechanismus ist derselbe, der auch Saphir und blauen Kyanit färbt, und er ist ausgesprochen wirkungsvoll: schon geringe Gehalte reichen für eine kräftige Farbe. Eine Untersuchung des GIA an brasilianischem Material aus Bahia hat 2015 einen aufschlussreichen Befund geliefert: In farblosen Dumortieritnadeln lag der Magnesiumgehalt mit rund 1070 ppma etwa zehnmal so hoch wie in blauen Nadeln mit 127 ppma. Magnesium unterdrückt offenbar den Fe-Ti-Ladungstransfer und damit die Farbe. Wo im selben Kristall blaue und farblose Nadeln nebeneinander sitzen, ist also die Magnesiumverteilung der Grund.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Dumortierit-Quarz | tiefblau bis violettblau, strähnig | die eigentliche Handelsware: Quarz oder Quarzit mit dichten Dumortieritnadeln, Mohs 7 |
| Derber blauer Dumortierit | gleichmäßig tiefblau | faseriges Aggregat aus Madagaskar und Namibia, für Cabochons und Kunsthandwerk |
| Violetter Dumortierit | violett bis rotviolett | Rochester- und Oreana-Distrikt in Nevada, überwiegend Sammlermaterial |
| Rotbrauner Dumortierit | rotbraun bis bräunlich | Sri Lanka, selten durchsichtig und facettierbar, Steine meist unter 2 Karat |
| Grünblauer Dumortierit | grünblau | Minas Gerais in Brasilien, Quelle des raren facettierfähigen Materials |
| Bergkristall mit Dumortieritnadeln | farblos mit blauen Nadelbüscheln | Bahia, Serra do Espinhaço nahe Vaca Morta, als Einschlussstein facettiert oder als Cabochon |
| Farblose Nadelvariante | farblos bis blassblau | hoher Magnesiumgehalt unterdrückt den Fe-Ti-Ladungstransfer, 2015 vom GIA beschrieben |
Vom Violett Nevadas bis zum Rotbraun Sri Lankas
Das Farbspektrum reicht weiter, als der Ruf des Steins vermuten lässt. Am häufigsten sind tiefblaue und violettblaue Töne, wie sie brasilianisches, madagassisches und namibisches Material zeigt. Aus den Distrikten Rochester und Oreana in Nevada stammt ausgeprägt violettes bis rotviolettes Material, das unter Sammlern einen eigenen Ruf genießt. Rotbraune und rosafarbene Varianten sind aus Sri Lanka und aus Pegmatiten beschrieben; hier tritt Eisen in anderer Wertigkeit auf und der Ladungstransfer entfällt. Grünblaue Töne kennt man aus Minas Gerais in Brasilien, wo auch das seltene facettierfähige Material herkommt. Der Pleochroismus ist stark ausgeprägt: Ein durchsichtiger Kristall wechselt je nach Blickrichtung zwischen tiefblau, rotviolett und nahezu farblos. Bei der derben Handelsware mittelt sich dieser Effekt über die vielen zufällig orientierten Fasern heraus, weshalb Sie ihn an einem Cabochon nicht beobachten können.
Handelsnamen und was dahintersteckt
Echte Varietätsnamen besitzt Dumortierit nicht. Was Ihnen begegnet, sind Materialbezeichnungen. „Dumortierit-Quarz“ ist die korrekte und im Fachhandel übliche Bezeichnung für Quarz mit dichten Dumortieriteinschlüssen; auch „Blauquarz“ wird dafür verwendet, allerdings unscharf, denn Blauquarz kann ebenso durch Einschlüsse von Krokydolith oder durch Lichtstreuung an feinsten Partikeln entstehen. Vorsicht ist bei der Bezeichnung „Blauer Aventurin“ geboten, die im Handel gelegentlich für Dumortierit-Quarz auftaucht, obwohl Aventurin einen Glitzereffekt durch Glimmerplättchen voraussetzt. Irreführend sind außerdem Fantasienamen, die eine Verwandtschaft zu Lapislazuli oder Saphir suggerieren. Eine tatsächliche Verwechslungsgefahr besteht mit dem verwandten Mineral Holtit, das Antimon und Tantal enthält und optisch kaum zu unterscheiden ist. Für den Schmuckkäufer ist das ohne Belang, für Sammler von Pegmatitmineralen dagegen relevant; die Klärung erfolgt über Raman-Spektroskopie oder chemische Analyse.
