Chaponost: die Typlokalität ohne Marktbedeutung
Der Ursprungsort liegt in Frankreich. Ferdinand Gonnard beschrieb das Mineral 1881 aus Chaponost in der Region Rhône, westlich von Lyon, wo es in metamorph überprägtem, aluminiumreichem Gestein auftritt. Die Fundstelle liefert keine schleifbare Ware und ist ausschließlich für Sammler von Belegstücken interessant. Französisches Material zeigt unter kurzwelligem UV eine blaue Fluoreszenz, was es von manchen anderen Herkünften unterscheidet. Für Sie als Käufer ist die Typlokalität eine Randnotiz, erklärt aber den Namen und den wissenschaftlichen Rang des Minerals. Ein zweites historisches Vorkommen mit eigener Bedeutung ist Dehesa in Kalifornien, dessen Material unter kurzwelligem UV blauweiß bis violett leuchtet. Auch dieses Vorkommen spielt im Handel keine Rolle mehr. Die gesamte heutige Versorgung des Schmuckmarkts stammt aus Lagerstätten, die erst Jahrzehnte nach der Erstbeschreibung entdeckt wurden.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Chaponost, Rhône | Frankreich | Typlokalität, Erstbeschreibung 1881 durch Gonnard, blaue Fluoreszenz unter KW-UV, kein Handelsmaterial |
| Serra do Espinhaço, Vaca Morta, Bahia | Brasilien | Bergkristall mit blauen und farblosen Dumortieritnadeln, 2015 vom GIA beschrieben |
| Minas Gerais | Brasilien | grünblaues, selten facettierfähiges Material, Steine meist unter 2 Karat |
| Zentrales Hochland | Madagaskar | derbe, gleichmäßig tiefblaue Ware für Cabochons, Kugeln und Objekte |
| Diverse Pegmatitgebiete | Namibia | derbes blaues Material, ergänzt das brasilianische und madagassische Angebot |
| Diverse Vorkommen | Mosambik | übliche Herkunft der Trommelsteine im deutschen Handel |
| Rochester- und Oreana-Distrikt | USA (Nevada) | violettes bis rotviolettes Material aus hydrothermal ausgelaugtem Gestein, Sammlerware |
| Dehesa, Kalifornien | USA | historisches Vorkommen, blauweiße bis violette Fluoreszenz unter KW-UV |
Bahia und die Serra do Espinhaço: die brasilianische Quelle
Brasilien ist der wichtigste Lieferant. Für Dumortierit-Quarz ist der Bundesstaat Bahia maßgeblich, konkret die Serra do Espinhaço im Umfeld des Steinbruchs Vaca Morta. Das GIA hat dieses Material 2015 untersucht und dabei nadelige, in Phantomebenen angeordnete Dumortieriteinschlüsse in Bergkristall beschrieben, teils tiefblau, teils farblos. Solche Stücke gehen als Einschlusssteine in den Sammler- und Designerschmuck und werden nach Motiv bewertet, nicht nach Karat. Aus Minas Gerais stammt daneben das seltene grünblaue, tatsächlich facettierfähige Material; die Steine bleiben in der Regel unter ein bis zwei Karat. Brasilianische Ware ist auch die Basis für den größten Teil der Cabochons und Kugeln im europäischen Handel. Die Versorgung ist stabil, das Material kommt in großen Blöcken aus Steinbrüchen und ist nicht an einen einzelnen schwankenden Grubenbetrieb gebunden.
Madagaskar, Namibia, Mosambik und Nevada
Madagaskar liefert derbes, gleichmäßig tiefblaues Material, das sich hervorragend zu Cabochons, Kugeln und kleinen Objekten verarbeiten lässt und zusammen mit Brasilien den Großteil des Angebots ausmacht. Namibia steuert ebenfalls derbe blaue Ware bei. Mosambik hat sich als Herkunft für Trommelsteine etabliert; deutsche Händler weisen es bei dieser Warengruppe regelmäßig als Ursprung aus. In den Vereinigten Staaten sind die Distrikte Rochester und Oreana in Nevada die klassischen Fundgebiete für violettes Material, hinzu kommen Vorkommen in Arizona und Kalifornien; amerikanische Ware geht überwiegend an Sammler. Weitere belegte Länder sind Peru, Sri Lanka, Russland, Österreich, Italien, Norwegen, Polen, Kanada und Indonesien. Für Ihren Einkauf zählen praktisch nur Brasilien, Madagaskar, Namibia und Mosambik; alles andere begegnet Ihnen allenfalls auf Mineralienbörsen.
