Dioptas ist ein wasserhaltiges Kupfersilikat von einem Grün, das dem Smaragd nahekommt und ihn an Leuchtkraft oft übertrifft. Im 18. Jahrhundert hielt man die Kristalle aus Altyn-Tübe in Kasachstan tatsächlich für Smaragde, bis die Härteprüfung den Irrtum aufdeckte.
Dioptas – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate, Ringsilikate (Cyclosilikate), Strunz 9.CJ.30 |
| Chemische Formel | Cu6Si6O18 · 6 H2O, vereinfacht CuSiO3 · H2O |
| Kristallsystem | trigonal, Raumgruppe R-3 |
| Mohs-Härte | 5 |
| Dichte | 3,28 bis 3,35 g/cm³ |
| Brechungsindex | nω 1,652 bis 1,658, nε 1,704 bis 1,710; einachsig positiv |
| Doppelbrechung | 0,051 bis 0,053; Dispersion 0,036 |
| Glanz | Glasglanz bis fast Diamantglanz |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach dem Rhomboeder {10-11}, in drei Richtungen |
| Bruch | muschelig, sehr spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Farben | Smaragdgrün, Tiefgrün, Blaugrün; Strich grün |
| Wichtigste Fundorte | Altyn-Tübe, Karaganda (Kasachstan, Typlokalität), Tsumeb und Kaokoveld-Plateau (Namibia), Mindouli, Renéville, Kimbedi und Mfouati (Republik Kongo), Christmas Mine und Mammoth-St. Anthony Mine (Arizona), Malpaso Quarry (Argentinien) |
| Behandlungen | keine gebräuchlichen Behandlungen bekannt; synthetische Kristalle existieren, spielen im Schmuckhandel aber keine Rolle |
| Erstbeschreibung | 1797 durch René Just Haüy, der das Mineral als eigene Spezies erkannte und benannte; Typlokalität Altyn-Tübe in Kasachstan |
Der Smaragd, der keiner war
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts stießen Kupferbergleute in der Grube Altyn-Tübe in der heutigen Region Karaganda in Kasachstan auf Hohlräume in Quarzgängen, die mit Tausenden glänzender, durchsichtiger, smaragdgrüner Kristalle gefüllt waren. Die Bergleute hielten den Fund für Smaragd, und die Stücke gingen zur Prüfung nach Moskau. Dort fiel der Irrtum auf: Die Kristalle ließen sich mit dem Messer ritzen, ihre Härte lag bei 5 statt der 8 des Smaragds. 1797 erkannte der französische Mineraloge René Just Haüy das Material als eigene Spezies und gab ihm den Namen Dioptas, gebildet aus den griechischen Wörtern für „durch“ und „sehen“. Gemeint sind die Spaltflächen, die man im unversehrten, durchsichtigen Kristall durchschimmern sieht. Der Name beschreibt damit genau die Eigenschaft, die Dioptas bis heute für Schmuckzwecke fast unbrauchbar macht.
Kupfer als Farbträger, nicht als Verunreinigung
Bei den meisten grünen Edelsteinen stammt die Farbe von Spurenelementen: Chrom im Smaragd, Vanadium im Tsavorith, Nickel im Chrysopras. Beim Dioptas ist das anders. Kupfer ist hier kein Fremdatom, sondern fester Bestandteil der Formel Cu6Si6O18 · 6 H2O. Das Mineral ist damit idiochromatisch, also aus sich selbst heraus gefärbt, und die Farbe schwankt entsprechend wenig. Das Ergebnis ist ein sehr kräftiges, tiefes Smaragd- bis Blaugrün, das in der Durchsicht dunkler wirkt als bei einem Smaragd gleicher Größe und deshalb in dickeren Kristallen fast schwarzgrün erscheinen kann. Auch der Strich ist grün, was bei Mineralien selten ist und bei der Bestimmung hilft. Die Kombination aus hoher Farbsättigung und einem Glanz, der an Diamantglanz heranreicht, erklärt, warum Dioptas seit über zweihundert Jahren zu den begehrtesten Sammlermineralen gehört.
Warum Dioptas fast nie facettiert wird
Zwei Eigenschaften machen Dioptas zu einem Albtraum für den Schleifer. Erstens die Härte von nur 5, die etwa dem Zahnschmelz entspricht: Ein solcher Stein zerkratzt im Alltag zwangsläufig. Zweitens, und das wiegt schwerer, die vollkommene Spaltbarkeit nach dem Rhomboeder, die in drei Richtungen gleichzeitig wirkt. Der Kristall ist damit von inneren Trennflächen durchzogen, an denen er bei geringstem Druck, bei Erschütterung oder bei Temperaturwechsel aufreißt. Dazu kommt ausgeprägte Sprödigkeit. Facettierte Dioptase existieren, sie sind aber Kuriositäten für Sammler und überschreiten selten ein bis zwei Karat. Cabochons aus derbem, durchscheinendem Material können etwa 15 Karat erreichen. Der weitaus größte Teil des Dioptas bleibt deshalb unbearbeitet: Eine gute Kristallstufe ist mehr wert und schöner als alles, was man daraus schleifen könnte. Wer dennoch einen geschliffenen Dioptas möchte, sollte ihn als Sammlerkuriosität verstehen und nicht als Gebrauchsstein.
Der Markt: Stufen statt Steine
Dioptas wird im Wesentlichen als Mineralstufe gehandelt, nicht als Schmuckstein. Die Preise richten sich nach Größe, Farbe, Glanz, Erhaltung der Kristallspitzen und vor allem nach der Fundstelle. Kleine Stufen aus dem Kaokoveld beginnen im niedrigen vierstelligen Dollarbereich, gute Kabinettstücke aus der Republik Kongo erreichen mehrere Tausend Dollar, Spitzenstufen aus Tsumeb liegen je nach Größe im gleichen Bereich oder darüber. Geschliffene Ware ist demgegenüber fast preiswert: Cabochons liegen bei rund 8 bis 11 Euro je Karat, facettierte Steine bei etwa 25 bis 60 Euro je Karat, Spitzenstücke bei 100 bis 200 Euro je Karat. Rohmaterial kostet nur Bruchteile davon, ist aber praktisch nie schleifwürdig. Wenn Sie Dioptas kaufen, kaufen Sie in aller Regel ein Objekt für die Vitrine. Vergleichen Sie vor dem Kauf mehrere Angebote, denn die Preise für vergleichbare Stufen gehen zwischen den Händlern weit auseinander.
Alle Themen im Überblick
Kurz gefasst
Kaufen Sie Dioptas als Mineralstufe, nicht als Schmuckstein. Eine Gruppe glänzender, unbeschädigter Kristalle auf hellem Calcit oder auf Shattuckit zeigt mehr von diesem Mineral als jeder geschliffene Stein, und sie ist die wertstabilere Anschaffung. Achten Sie auf unversehrte Kristallspitzen, auf kräftigen Glanz und auf eine klare Fundortangabe. Wenn Sie ihn dennoch tragen möchten, wählen Sie einen Anhänger mit Zargenfassung und legen Sie ihn nur zu besonderen Gelegenheiten an. Ringe sind bei diesem Material keine Option.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Dioptas stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
