Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Dioptas Lexikon · Farben & Varietäten

Dioptas – Farben & Varietäten

Dioptas

Idiochromatisch: die Farbe steckt in der Formel

Dioptas gehört zu den idiochromatischen Mineralen, also zu jenen, deren Farbe von einem wesentlichen Bestandteil der chemischen Formel herrührt und nicht von einer Verunreinigung. Kupfer ist in Cu6Si6O18 · 6 H2O fest eingebaut. Zweiwertiges Kupfer absorbiert breit im roten und gelben Spektralbereich und lässt Grün und Blaugrün durch; dasselbe Ion färbt Malachit, Türkis und Chrysokoll. Weil der Kupfergehalt nicht schwankt, ist auch die Farbe des Dioptas bemerkenswert konstant. Sie reicht von einem tiefen Smaragdgrün bis ins Blaugrüne und wirkt in dickeren Kristallen fast schwarzgrün, weil die Absorption mit der Weglänge zunimmt. Der Strich ist grün, was unter Mineralen selten ist und die Bestimmung erleichtert. Ein Pleochroismus ist vorhanden, aber schwach ausgeprägt; er zeigt sich als Wechsel zwischen einem helleren und einem dunkleren Grün.

Varietät Farbe Bemerkung
Klare Einzelkristalle, Tsumeb-Typtiefes Smaragdgrün, durchsichtighöchste Transparenz, meist auf weißem Calcit, die gesuchteste Erscheinungsform
Kongo-Material (Mindouli, Renéville)Smaragdgrün bis Blaugrün, glänzenddicht besetzte Drusen und Krusten, oft große Flächen mit vielen Kristallen
Kaokoveld-MaterialGrün mit leuchtend blauem Begleiterhäufig mit Shattuckit und Plancheit vergesellschaftet, starker Farbkontrast
Altyn-Tübe-MaterialSmaragdgrün auf bräunlicher MatrixTyplokalität, Kristalle in Quarzit und Kalkstein, historischer Sammlerwert
Drusige und traubige Aggregatemattes bis mittleres Gründurchscheinend bis undurchsichtig, liefert das Material für Cabochons
Mikrokristalline Vorkommen (Arizona)kräftig grün, sehr kleinnur Mikrokristalle, ausschließlich für Mikromount-Sammler interessant

Glanz, Doppelbrechung und optischer Eindruck

Der Glanz des Dioptas reicht vom Glasglanz bis fast an den Diamantglanz heran und liegt damit über dem der meisten Silikate. In Verbindung mit der hohen Farbsättigung entsteht der Eindruck, den Sammler meinen, wenn sie von der Leuchtkraft des Minerals sprechen. Optisch ist Dioptas einachsig positiv mit Brechungsindizes von etwa 1,652 bis 1,710 und einer sehr hohen Doppelbrechung von rund 0,052. Blicken Sie durch einen facettierten Stein oder einen klaren Kristall, erscheinen hintere Kanten deutlich doppelt; das ist kein Fehler, sondern ein sicheres Bestimmungsmerkmal. Die Dispersion von 0,036 liegt ebenfalls hoch, kommt bei der dunklen Eigenfarbe aber kaum zur Geltung. Charakteristisch ist außerdem, dass man in unversehrten Kristallen die inneren Spaltflächen als schimmernde Ebenen erkennt, worauf der Name zurückgeht. Ein kurzer Blick durch die Lupe genügt daher meist schon, um Dioptas von den übrigen grünen Steinen zu trennen.

Verwechslungen im grünen Bereich

Verwechselt wird Dioptas vor allem mit Smaragd, mit Chromturmalin, mit Tsavorith und, bei derbem Material, mit Malachit. Alle lassen sich mit einfachen Mitteln trennen. Smaragd hat eine Härte von 7,5 bis 8 und einen farblosen Strich, Dioptas nur Härte 5 und einen grünen Strich. Chromturmalin und Tsavorith sind ebenfalls deutlich härter. Malachit ist mit Härte 3,5 bis 4 weicher, zeigt Bänderung statt Kristallflächen und braust als Carbonat in verdünnter Salzsäure auf. Ein weiteres Merkmal ist die hohe Doppelbrechung, die bei Dioptas zu sichtbaren Doppelbildern führt, während Smaragd und Tsavorith davon nichts zeigen. Handelsübliche Behandlungen sind für Dioptas nicht bekannt. Synthetische Kristalle wurden hergestellt, spielen im Schmuckhandel jedoch keine Rolle. Lassen Sie sich bei teurer Ware die Bestimmung schriftlich bestätigen und bestehen Sie auf einer präzisen Fundortangabe, denn sie ist bei diesem Mineral ein wesentlicher Teil des Preises.

Häufige Fragen

Woher kommt das Grün des Dioptas?
Vom Kupfer, das nicht als Spurenelement, sondern als fester Bestandteil der chemischen Formel enthalten ist. Man nennt solche Minerale idiochromatisch, im Gegensatz zu allochromatischen wie Smaragd, dessen Grün von eingelagerten Chromspuren stammt. Weil der Kupfergehalt nicht variiert, ist die Farbe des Dioptas sehr konstant. Sie reicht von tiefem Smaragdgrün bis Blaugrün und wirkt in dicken Kristallen fast schwarzgrün.
Kann man Dioptas mit bloßem Auge von Smaragd unterscheiden?
Oft schon am Habitus: Dioptas bildet kurze, gedrungene sechsseitige Kristalle mit zugespitzten rhomboedrischen Enden, Smaragd lange, ebenflächig abgeschlossene Prismen. Sicher wird die Sache durch die Härte, denn Dioptas lässt sich mit einer Stahlnadel ritzen, Smaragd nicht, und durch den Strich, der bei Dioptas grün und bei Smaragd farblos ist. Bei klaren Steinen verraten außerdem die Doppelbilder die hohe Doppelbrechung des Dioptas.
Wird Dioptas behandelt oder gefärbt?
Nein, gebräuchliche Behandlungen sind nicht bekannt. Der Stein ist von Natur aus kräftig gefärbt, eine Farbverbesserung wäre sinnlos, und seine Empfindlichkeit gegen Hitze schließt die üblichen Verfahren ohnehin aus. Synthetischer Dioptas wurde im Labor hergestellt, hat aber keine Bedeutung für den Schmuckhandel. Vorsicht ist eher bei falsch etikettierter Ware geboten, etwa bei Chrysokoll oder gefärbtem Material, das als Dioptas angeboten wird.