Cabochon, Platte, Objekt
Charoit wird fast ausschließlich in undurchsichtigen Formen geschliffen. Der Standard ist der flach bis mittelhoch gewölbte Cabochon in Oval, Rund, Kissen oder Freiform. Daneben sind plane Platten für Intarsien, Inlays und Manschettenknöpfe verbreitet sowie größere Objekte wie Schalen, Kugeln, Buchstützen und Fliesen. Facettierte Charoite existieren, sind aber eine Spielerei: Weil das Material bestenfalls durchscheinend ist, bringt das Facettieren keinen Lichtgewinn, sondern zerschneidet nur die Faserzeichnung in unruhige Felder. Wer Charoit facettiert kauft, zahlt Schleifarbeit, die dem Stein nichts hinzufügt. Für die Wirkung entscheidend ist stattdessen die Orientierung des Rohstücks. Der Schleifer muss zuerst herausfinden, in welche Richtung die Faserbündel laufen, und die Platte danach ausrichten. Diese Entscheidung fällt vor dem ersten Sägeschnitt und lässt sich später nicht korrigieren. Üblich sind Kalibermaße von 10 mal 14 bis 18 mal 25 Millimetern; kleinere Formate lohnen sich selten, weil die Zeichnung dann nicht mehr lesbar ist. Für Intarsienarbeiten werden Platten von drei bis sechs Millimetern Stärke gesägt, dünner wird das spröde Material beim Zuschnitt unbeherrschbar.
Die Faserrichtung und der Katzenaugeneffekt
Der Seidenglanz des Charoits entsteht durch Reflexion an parallel liegenden Faserbündeln. Damit daraus ein wandernder Lichtstreifen wird, muss der Cabochon so orientiert sein, dass die Fasern parallel zur Unterseite verlaufen und quer zur Längsachse der Wölbung. Genau wie beim Chrysoberyll-Katzenauge gilt: Die Wölbungsachse steht senkrecht auf der Faserrichtung. Schleift man versehentlich längs der Fasern, verschwindet der Streifen, und der Stein sieht nur streifig aus. Da Charoit sein Gefüge oft innerhalb weniger Zentimeter ändert, muss der Schleifer die Zone mit paralleler Faserlage im Rohstück erst identifizieren, meist an angeschliffenen Probeflächen. Der Ausbeuteverlust ist entsprechend hoch. Aus einem Kilogramm Rohmaterial entstehen häufig nur wenige Cabochons mit echter Chatoyanz. Das erklärt den deutlichen Preissprung zwischen guter Handelsware und chatoyanter Spitzenware. Wichtig ist auch die Wölbungshöhe: Ein zu flacher Cabochon bündelt das Licht nicht ausreichend und zeigt statt eines scharfen Streifens nur einen breiten Schimmer. Bewährt hat sich eine mittlere Wölbung, deren Höhe etwa einem Viertel der kurzen Achse entspricht.
Sägen, Schleifen, Polieren
Charoit ist mit Mohs 5 bis 6 weich genug, um zügig zu schleifen, und zugleich spröde genug, um beim Sägen aufzureißen. Die gute Spaltbarkeit nach drei Richtungen und der splittrige Bruch bedeuten, dass Sie beim Trennschnitt wenig Vorschub und viel Kühlwasser brauchen. Dünne Platten unter vier Millimetern brechen leicht. Beim Vorschleifen arbeiten Sie mit feineren Körnungen als bei Achat, weil grobe Diamantscheiben Fasern ausreißen und Gruben hinterlassen. Das Polieren gelingt gut mit Zinnoxid oder Ceroxid auf Leder oder Filz, bei niedriger Drehzahl und mäßigem Druck. Zu viel Reibungswärme ist kritisch, denn Charoit enthält Kristallwasser: Er kann matt werden oder feine Spannungsrisse bekommen. Wärmen Sie den Stein nicht mit Dopwachs über der Flamme auf, sondern nutzen Sie Kaltkleber. Poröse Zonen mit Karbonatanteil nehmen die Politur schlechter an und bleiben stumpf.
