Woher das Violett kommt
Die violette Farbe des Charoits gilt als nicht abschließend geklärt. Als Ursache wird überwiegend Mangan angenommen, das als Spurenelement in der Struktur nachgewiesen ist; daneben werden Eisen und Titan als beteiligte Elemente diskutiert. Charoit ist damit ein allochromatisches Material: Die Grundsubstanz aus Kalium, Kalzium und Silizium wäre für sich farblos, erst die eingebauten Übergangsmetalle erzeugen den Farbeindruck. Verstärkt wird der Eindruck durch die Struktur. Die feinen Fasern streuen das Licht, wodurch die Farbe tiefer und satter wirkt, als es die reine Absorption erwarten ließe. Im polarisierten Licht zeigt Charoit einen deutlichen Pleochroismus zwischen rosa und farblos. Praktisch bedeutet das für Sie: Der gleiche Stein kann je nach Betrachtungsrichtung deutlich unterschiedlich kräftig aussehen. Ein guter Schleifer nutzt diesen Effekt und richtet die Platte so aus, dass die kräftigste Richtung in der Ansicht liegt.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Chatoyant-Qualität (Silky Charoite) | Violett mit seidigem Lichtstreifen | Faserbündel über größere Fläche parallel; höchste Handelsstufe |
| Sirenewy Kamen (Fliederstein) | Hell- bis mittelviolett | Russischer Lagerstättenname, im Handel für hellere, klare Ware |
| Charoit mit Tinaksit | Violett mit orangegelben Stäbchen | Gesuchte Paragenese, farblicher Kontrast, gilt als Echtheitsindiz |
| Charoit mit Ägirin | Violett mit schwarzen Nadeln und Flecken | Sehr häufig; hoher Anteil senkt Helligkeit und Preis |
| Charoit mit Mikroklin | Violett mit graugrünen Feldern | Nimmt dem Violett die Klarheit, bei guter Zeichnung dennoch dekorativ |
| Grey Charoite (Handelsbegriff) | Graulila, matt | Unterste Handelsstufe, kaum Seidenglanz, geringer Wert |
| Royal Russianite (Imitat) | Gleichmäßiges Violett | Kunststoffhaltiges Imitat, vom GIA dokumentiert, kein Naturmaterial |
Das Spektrum von Flieder bis Aubergine
Charoit deckt einen Farbbereich vom hellen, fast pastelligen Flieder über klares Mittelviolett bis zu einem dunklen Purpur ab, das ins Bräunliche kippen kann. Als braunviolette und hellbraune Varianten sind auch Stücke beschrieben, die von den Sammlern kaum gesucht werden. Der Handel bevorzugt ein mittleres bis helles, gesättigtes Violett, weil dort die Faserzeichnung am besten zur Geltung kommt. Sehr dunkle Ware wirkt trotz höherer Farbsättigung flau, weil der Seidenglanz im dunklen Grund untergeht. Graustichige Stücke, im Handel oft als Grey Charoite bezeichnet, sind der untere Rand der Skala. Zu beachten ist die Wechselwirkung mit den Begleitmineralen: Ein hoher Anteil an schwarzem Ägirin senkt die Gesamthelligkeit, ein hoher Anteil an graugrünem Mikroklin nimmt dem Violett die Klarheit. Die schönsten Steine zeigen Violett auf mindestens siebzig Prozent der Fläche.
Handelsnamen und was dahintersteckt
Im deutschsprachigen Handel läuft der Stein fast ausschließlich als Charoit. Der russische Lagerstättenname Sirenewy Kamen, übersetzt Fliederstein, wird gelegentlich für hellere Ware verwendet. Chatoyant Charoite oder Silky Charoite bezeichnet Material mit parallel gelagerten Faserbündeln und Katzenaugeneffekt; das ist eine echte Qualitätsangabe, keine Marketingfloskel. Vorsicht ist bei Phantasienamen geboten. Royal Russianite war der Handelsname eines kunststoffhaltigen Imitats, das vom GIA untersucht und dokumentiert wurde. Auch Bezeichnungen wie Lilac Stone oder Siberian Purple werden für gefärbte Fremdgesteine eingesetzt. Verwechslungen gibt es vor allem mit Sugilith, der ebenfalls violett ist, aber gleichmäßiger färbt, keine Wirbel zeigt und keine Chatoyanz aufweist. Purpurit, Lepidolith und gefärbter Quarzit werden gelegentlich untergeschoben. Achten Sie bei jedem Angebot auf die Faserstruktur; sie ist der zuverlässigste kostenlose Test. Hilfreich ist außerdem ein Blick auf die Preisangabe: Charoit ist ein preiswerter Stein, und ein auffällig hoher Preis für ein gleichmäßig violettes, strukturloses Stück spricht eher für ein Imitat mit Fantasienamen als für seltene Spitzenqualität. Seriöse Händler nennen die Lagerstätte beim Namen und beschreiben die Zeichnung, statt mit Farbadjektiven zu arbeiten.
