Sirenewy Kamen im Murun-Massiv
Die gesamte Weltproduktion stammt aus dem Murun-Massiv im Aldan-Schild, im Grenzgebiet zwischen der Region Irkutsk und der Republik Sacha (Jakutien). Die Lagerstätte heißt offiziell Sirenewy Kamen, Fliederstein. Sie ist kein einzelner Körper, sondern besteht aus mehr als zwanzig voneinander getrennten Charoit-Linsen, die über eine Fläche von etwa zehn Kilometern verteilt sind. Die Typlokalität der Erstbeschreibung ist das Kleine Murun-Massiv, russisch Maly Murun. Namensgeber ist der Fluss Tschara, der die Region entwässert. Die Lage ist extrem abgelegen: Es gibt keine ganzjährige Straßenanbindung, der Transport läuft über Winterpisten und im Sommer über Hubschrauber. Der Boden ist von Permafrost durchzogen, gearbeitet werden kann nur in wenigen Sommermonaten. Diese Bedingungen erklären, weshalb die tatsächliche Fördermenge deutlich unter dem liegt, was die Lagerstätte technisch hergeben würde.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sirenewy Kamen, Murun-Massiv | Russland | Einzige abbauwürdige Lagerstätte der Welt, nominelle Quote rund 100 t pro Jahr |
| Maly Murun (Kleines Murun-Massiv) | Russland | Typlokalität der Erstbeschreibung von 1978 |
| Tschara-Flussgebiet, Aldan-Schild | Russland | Namensgebende Region; über zwanzig Einzellinsen auf etwa zehn Kilometern |
| Olekma-Tschara-Hochland | Russland | Permafrost, Abbau nur in wenigen Sommermonaten möglich |
| Grenzraum Irkutsk / Republik Sacha (Jakutien) | Russland | Verwaltungslage der Lagerstätte, Zugang über Winterpisten und Hubschrauber |
| Alle übrigen Länder | weltweit | Kein bestätigtes zweites Vorkommen; Charoit gilt als Single-Source-Edelstein |
Wie viel heute tatsächlich gefördert wird
Die jährliche Förderquote wird mit nominell rund 100 Tonnen angegeben. Tatsächlich gefördert wird nach russischen Angaben deutlich weniger, weil die Erschließung des entlegenen Taigagebiets aufwendig ist. Der Abbau lief über die Jahrzehnte nicht durchgängig, sondern in Schüben, abhängig von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und von der jeweiligen Lizenzlage. Detaillierte Reservenangaben sind nicht öffentlich dokumentiert. Fachliche Einschätzungen gehen davon aus, dass jahrzehntelanger Abbau die Ressource verkleinert, aber nicht erschöpft hat. Für den Markt heißt das: Charoit ist nicht knapp im Sinne von fast weg, aber er ist unregelmäßig verfügbar. Der Nachschub kommt in Chargen, und zwischen den Chargen wird gute chatoyante Ware spürbar teurer. Wer eine größere Menge gleichartigen Materials für eine Serie braucht, etwa für einen Satz Anhänger, sollte innerhalb einer Charge einkaufen.
Warum es keinen zweiten Fundort gibt
Charoit steht auf der kurzen Liste der Single-Source-Edelsteine, zusammen mit Tansanit aus Merelani und Larimar aus der Dominikanischen Republik. Das ist insofern bemerkenswert, als der bildende Vorgang, die metasomatische Umwandlung von Kalkstein am Rand einer Intrusion, weltweit an unzähligen Stellen abläuft. Entscheidend ist die ungewöhnliche Chemie des Murun-Syenits: sehr hohe Gehalte an Kalium, dazu Strontium und Barium, bei hohem Wasser- und Fluoranteil. Fehlt dieses Elementangebot, entstehen gewöhnliche Skarnminerale statt Charoit. Einzelne Fundmeldungen aus anderen Ländern haben sich bislang nicht bestätigt. Für Sie als Käufer ist das praktisch: Die Herkunftsprüfung entfällt, es gibt nur eine Quelle. Umgekehrt sollten Sie misstrauisch werden, wenn Ihnen Charoit mit einer anderen Herkunftsangabe verkauft wird. Das ist entweder eine Umetikettierung des Handelswegs oder ein Hinweis auf Imitat.
