Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Charoit Lexikon · Qualität & Preis

Charoit – Qualität & Preis

Charoit

Die Ausrichtung der Fasern entscheidet

Anders als bei transparenten Edelsteinen spielen Reinheit und Farbintensität beim Charoit nur die zweite Geige. Den Preis bestimmt in erster Linie, wie die Faserbündel im Stein liegen. Verlaufen sie über eine größere Fläche parallel und wölbt der Schleifer den Cabochon quer zu dieser Richtung, entsteht ein wandernder Lichtstreifen, die Chatoyanz. Solche Stücke kosten ein Vielfaches gewöhnlicher Ware. Liegen die Fasern in engen Wirbeln, entsteht kein Streifen, aber ein lebendiges Spiel aus hellen und dunklen Zonen, das ebenfalls geschätzt wird. Verfilztes Material ohne erkennbare Ordnung wirkt stumpf und ist die unterste Stufe. Erst danach zählen ein klares, nicht graustichiges Violett, ein rissfreier Polierglanz und leichte Durchscheinbarkeit an den Kanten. Große Flächen ohne Sprünge sind zusätzlich preistreibend, weil das spröde Material beim Sägen häufig aufreißt.

Qualitätsstufe Merkmale Preisspanne
StandardwareGraustichiges Violett, matte Fasern, viel Ägirin, sichtbare Risseca. 0,50 bis 1 Euro je Karat; Cabochon 10 bis 25 ct: 10 bis 20 Euro
Gute HandelswareKlares Violett, deutliche Faserwirbel, rissfreie Politurca. 1 bis 3 Euro je Karat; 25 bis 60 Euro je Cabochon
Chatoyant-QualitätParallel gelagerte Faserbündel, wandernder Seidenstreifen, leicht durchscheinendca. 3 bis 4 Euro je Karat; ausgesuchte Einzelstücke 80 bis 200 Euro
Sammlerplatten und FreiformenHandpolierte Scheiben und Objekte von 8 bis 16 cm, Tinaksit-Akzenteca. 100 bis 400 Euro je Stück
Fertiger SchmuckCabochon in Silber- oder Goldzarge, Armband, Ring, Anhängerca. 45 bis 190 Euro je Stück
Stabilisiertes MaterialKunstharzgetränkt, wachsartiger Glanz in den Rissen, abweichende Dichtedeutlicher Abschlag, deklarationspflichtig
ImitatGleichmäßiges Violett ohne Faserwirbel, warme Haptik, Dichte unter 2,5kein Materialwert

Was Sie im Handel bezahlen

Charoit bleibt trotz seiner Einquellenlage ein bezahlbarer Stein. Gewöhnliche Cabochons liegen bei etwa 0,50 bis 1 Euro je Karat, gute Handelsware bei 1 bis 3 Euro je Karat, ausgeprägt chatoyante Ware bei rund 3 bis 4 Euro je Karat. Da Cabochons meist 10 bis 40 Karat wiegen, bewegen sich Einzelsteine also überwiegend zwischen 10 und 60 Euro; ausgesuchte große Stücke mit starkem Seidenglanz erreichen im internationalen Handel 80 bis 200 Euro. Handpolierte Sammlerplatten und Freiformen von acht bis sechzehn Zentimetern werden mit etwa 100 bis 400 Euro pro Stück gehandelt. Fertiger Schmuck liegt je nach Fassung bei 45 bis 190 Euro für Armbänder und Ringe. Diese Spannen sind beobachtete Einzelhandelspreise und keine festen Notierungen; Charoit hat keinen börsenähnlichen Markt, die Preisbildung erfolgt Stück für Stück.

Imitate sicher aussortieren

Synthetischen Charoit gibt es nicht. Wohl aber Imitate, und die sind der eigentliche Risikofaktor. Das GIA hat zwei kunststoffhaltige Nachahmungen untersucht, die Brechungsindex und Dichte des Naturmaterials nachbilden; eine wurde als Royal Russianite verkauft. Daneben zirkulieren gefärbte Gesteine und gefärbter derber Beryll mit Quarzverwachsung. Die wichtigsten Prüfschritte kosten Sie nichts. Erstens die Struktur: Echter Charoit zeigt immer ein unregelmäßiges, gewirbeltes Fasergefüge, das sich beim Kippen verändert; gefärbtes Material zeigt Farbanreicherung in Rissen und Poren. Zweitens die Begleitminerale: schwarzer Ägirin, graugrüner Mikroklin und orangegelber Tinaksit lassen sich nicht überzeugend nachstellen. Drittens die Wärmeleitung: Silikat fühlt sich beim ersten Anfassen kühl an, kunststoffhaltige Imitate deutlich wärmer. Im Zweifel klärt eine Dichtebestimmung die Sache; Naturmaterial liegt bei 2,54 bis 2,58 g/cm³. Eine vierte einfache Kontrolle ist der Blick auf die Rückseite: Bei echten Cabochons setzt sich die Faserzeichnung auf der ungewölbten Unterseite fort, während beschichtete oder zusammengesetzte Imitate dort oft einfarbig oder mit einer Klebefuge erscheinen. Verwechslungsrisiko besteht außerdem mit Sugilith und gefärbtem Lepidolith, die beide gleichmäßiger färben und keine Chatoyanz zeigen.

Häufige Fragen

Mindern Einschlüsse den Wert von Charoit?
Nein, im Gegenteil. Charoit ist ein Gesteinsedelstein, kein Einkristall. Was bei einem Saphir ein Fehler wäre, ist hier das Gestaltungsmittel. Schwarze Ägirinnadeln, graugrüne Mikroklinfelder und besonders orangegelber Tinaksit gelten als erwünschte Akzente und sind zugleich ein Echtheitsindiz. Wertmindernd sind lediglich zwei Dinge: ein so hoher Anteil an Fremdmineralen, dass die violette Grundfläche unter etwa siebzig Prozent sinkt, und offene Risse, die durch die gute Spaltbarkeit leicht entstehen. Beurteilen Sie Charoit deshalb wie ein Bild, nicht wie einen Brillanten.
Was kostet ein Charoit-Cabochon durchschnittlicher Qualität?
Für einen Cabochon von 20 bis 25 Karat mit klarem Violett, sichtbarer Faserzeichnung und sauberer Politur zahlen Sie im Fachhandel etwa 25 bis 60 Euro. Deutlich darunter liegen graustichige oder stark von Ägirin durchsetzte Steine, die ab etwa 10 Euro zu haben sind. Deutlich darüber liegen nur Stücke mit echtem Katzenaugeneffekt oder ungewöhnlicher Größe; dort beginnt der Bereich ab rund 80 Euro. Weil es keine Standardnotierung gibt, lohnt der Preisvergleich zwischen mehreren Anbietern mehr als bei jedem transparenten Edelstein.
Gibt es stabilisierten oder verharzten Charoit?
Ja, das kommt vor, wenn auch nicht flächendeckend. Rissiges Material wird von Schleifern gelegentlich mit Kunstharz getränkt, damit die Platte beim Sägen und Schleifen nicht auseinanderfällt. Das ist handwerklich nachvollziehbar, muss aber deklariert werden, weil es den Wert mindert und die Pflege verändert: Verharztes Material verträgt Lösungsmittel, Aceton und höhere Temperaturen noch schlechter als Naturmaterial. Erkennbar ist eine Stabilisierung an einem leicht wachsartigen Glanz in den Rissen und an einem gegenüber 2,54 bis 2,58 g/cm³ abweichenden Dichtewert. Fragen Sie beim Kauf gezielt danach.