Die Ausrichtung der Fasern entscheidet
Anders als bei transparenten Edelsteinen spielen Reinheit und Farbintensität beim Charoit nur die zweite Geige. Den Preis bestimmt in erster Linie, wie die Faserbündel im Stein liegen. Verlaufen sie über eine größere Fläche parallel und wölbt der Schleifer den Cabochon quer zu dieser Richtung, entsteht ein wandernder Lichtstreifen, die Chatoyanz. Solche Stücke kosten ein Vielfaches gewöhnlicher Ware. Liegen die Fasern in engen Wirbeln, entsteht kein Streifen, aber ein lebendiges Spiel aus hellen und dunklen Zonen, das ebenfalls geschätzt wird. Verfilztes Material ohne erkennbare Ordnung wirkt stumpf und ist die unterste Stufe. Erst danach zählen ein klares, nicht graustichiges Violett, ein rissfreier Polierglanz und leichte Durchscheinbarkeit an den Kanten. Große Flächen ohne Sprünge sind zusätzlich preistreibend, weil das spröde Material beim Sägen häufig aufreißt.
| Qualitätsstufe | Merkmale | Preisspanne |
|---|---|---|
| Standardware | Graustichiges Violett, matte Fasern, viel Ägirin, sichtbare Risse | ca. 0,50 bis 1 Euro je Karat; Cabochon 10 bis 25 ct: 10 bis 20 Euro |
| Gute Handelsware | Klares Violett, deutliche Faserwirbel, rissfreie Politur | ca. 1 bis 3 Euro je Karat; 25 bis 60 Euro je Cabochon |
| Chatoyant-Qualität | Parallel gelagerte Faserbündel, wandernder Seidenstreifen, leicht durchscheinend | ca. 3 bis 4 Euro je Karat; ausgesuchte Einzelstücke 80 bis 200 Euro |
| Sammlerplatten und Freiformen | Handpolierte Scheiben und Objekte von 8 bis 16 cm, Tinaksit-Akzente | ca. 100 bis 400 Euro je Stück |
| Fertiger Schmuck | Cabochon in Silber- oder Goldzarge, Armband, Ring, Anhänger | ca. 45 bis 190 Euro je Stück |
| Stabilisiertes Material | Kunstharzgetränkt, wachsartiger Glanz in den Rissen, abweichende Dichte | deutlicher Abschlag, deklarationspflichtig |
| Imitat | Gleichmäßiges Violett ohne Faserwirbel, warme Haptik, Dichte unter 2,5 | kein Materialwert |
Was Sie im Handel bezahlen
Charoit bleibt trotz seiner Einquellenlage ein bezahlbarer Stein. Gewöhnliche Cabochons liegen bei etwa 0,50 bis 1 Euro je Karat, gute Handelsware bei 1 bis 3 Euro je Karat, ausgeprägt chatoyante Ware bei rund 3 bis 4 Euro je Karat. Da Cabochons meist 10 bis 40 Karat wiegen, bewegen sich Einzelsteine also überwiegend zwischen 10 und 60 Euro; ausgesuchte große Stücke mit starkem Seidenglanz erreichen im internationalen Handel 80 bis 200 Euro. Handpolierte Sammlerplatten und Freiformen von acht bis sechzehn Zentimetern werden mit etwa 100 bis 400 Euro pro Stück gehandelt. Fertiger Schmuck liegt je nach Fassung bei 45 bis 190 Euro für Armbänder und Ringe. Diese Spannen sind beobachtete Einzelhandelspreise und keine festen Notierungen; Charoit hat keinen börsenähnlichen Markt, die Preisbildung erfolgt Stück für Stück.
Imitate sicher aussortieren
Synthetischen Charoit gibt es nicht. Wohl aber Imitate, und die sind der eigentliche Risikofaktor. Das GIA hat zwei kunststoffhaltige Nachahmungen untersucht, die Brechungsindex und Dichte des Naturmaterials nachbilden; eine wurde als Royal Russianite verkauft. Daneben zirkulieren gefärbte Gesteine und gefärbter derber Beryll mit Quarzverwachsung. Die wichtigsten Prüfschritte kosten Sie nichts. Erstens die Struktur: Echter Charoit zeigt immer ein unregelmäßiges, gewirbeltes Fasergefüge, das sich beim Kippen verändert; gefärbtes Material zeigt Farbanreicherung in Rissen und Poren. Zweitens die Begleitminerale: schwarzer Ägirin, graugrüner Mikroklin und orangegelber Tinaksit lassen sich nicht überzeugend nachstellen. Drittens die Wärmeleitung: Silikat fühlt sich beim ersten Anfassen kühl an, kunststoffhaltige Imitate deutlich wärmer. Im Zweifel klärt eine Dichtebestimmung die Sache; Naturmaterial liegt bei 2,54 bis 2,58 g/cm³. Eine vierte einfache Kontrolle ist der Blick auf die Rückseite: Bei echten Cabochons setzt sich die Faserzeichnung auf der ungewölbten Unterseite fort, während beschichtete oder zusammengesetzte Imitate dort oft einfarbig oder mit einer Klebefuge erscheinen. Verwechslungsrisiko besteht außerdem mit Sugilith und gefärbtem Lepidolith, die beide gleichmäßiger färben und keine Chatoyanz zeigen.
