Wofür Calcit taugt und wofür nicht
Calcit ist ein Schmuckstein für geschützte Positionen. Mit Härte 3 liegt er unterhalb von Hausstaub, unterhalb von Sand und unterhalb praktisch jeder Oberfläche, an der ein Schmuckstück im Alltag entlangstreift. Dazu kommt die Spaltbarkeit in drei Richtungen, die ihn auch gegen Stoß empfindlich macht. Daraus folgt eine klare Reihenfolge. Gut geeignet sind Anhänger, die frei am Körper hängen, sowie Ohrschmuck, der kaum mechanisch beansprucht wird. Bedingt geeignet sind Broschen und Colliers mit größeren Cabochons, solange die Fassung den Stein schützt. Ungeeignet sind Ringe jeder Art, Armbänder, Armreifen und Manschettenknöpfe. Die meisten Fachquellen formulieren das deutlich und bezeichnen Calcit als für Schmuck nur eingeschränkt brauchbar. Das ist kein Werturteil über den Stein, sondern eine schlichte Materialangabe. Wer die Farbe des Orangencalcits mag, wird an einem Anhänger jahrelang Freude haben; wer denselben Stein in einen Alltagsring setzt, wird ihn binnen eines Jahres ersetzen müssen.
Die richtige Fassung
Fassen Sie Calcit ausschließlich in einer geschlossenen Zarge. Die Zargenfassung verteilt den Druck gleichmäßig über den Rand und schützt die Kanten, die bei Calcit die empfindlichste Stelle sind. Krappen konzentrieren die Kraft auf wenige Punkte und können den Stein beim Nachdrücken spalten. Sind Krappen aus gestalterischen Gründen unvermeidlich, sollten sie breit, weich und in möglichst großer Zahl ausgeführt werden. Arbeiten Sie immer mit einer Unterlage, etwa einem dünnen Papier- oder Kunststoffstreifen im Zargenboden, damit der Stein nicht direkt auf Metallgraten aufliegt. Sämtliche Lötarbeiten gehören vor das Fassen. Calcit verträgt keine Erwärmung: Er reißt durch Temperaturschock und zersetzt sich bei starker Hitze unter Abgabe von Kohlendioxid zu Branntkalk. Auch Beizbäder und Silberputzlösungen sind tabu, weil sie Säure enthalten. Drücken Sie die Zarge kalt an, mit einem Kunststoffdrücker statt mit Stahlwerkzeug, und polieren Sie die Fassung vollständig fertig, bevor der Stein hineinkommt.
Alltagstauglichkeit, Objekte und Sammlung
Realistisch betrachtet hat Calcit seinen Platz weniger am Körper als im Regal. Der größte Teil des gehandelten Materials geht in Objekte: Kugeln, Pyramiden, Handschmeichler, Schalen, Lampenfüße und Fliesen aus Onyxmarmor. Diese Verwendung passt zum Material, weil dort weder Reibung noch Stoß auftreten. Für Sammler ist Calcit aus einem anderen Grund interessant: Kein zweites Mineral bildet so viele Kristallformen aus, in der Literatur werden über achthundert gesicherte Formen genannt. Skalenoeder, Rhomboeder, prismatische Kanonenspate und Schmetterlingszwillinge lassen sich in einer einzigen Sammlungsreihe zeigen, dazu kommen Doppelbrechung und Fluoreszenz als vorführbare Eigenschaften. Wenn Sie Calcit tragen möchten, planen Sie das Schmuckstück als Wechselstück ein und legen Sie es bei Sport, Hausarbeit und Schwimmbadbesuch ab. Bewahren Sie es getrennt von härteren Steinen auf. Unter diesen Bedingungen bleibt auch ein Calcitanhänger über Jahre ansehnlich, und die Farbe verändert sich nicht.
