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Calcit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Calcit – Herkunft & Fundorte

Calcit

Helgustaðir: die Typlokalität des Islandspats

Die berühmteste Calcitfundstelle der Welt liegt am Südufer des Reyðarfjörður in Ostisland. Aus dem Bruch von Helgustaðir stammen die klarsten und größten je geborgenen Spaltrhomboeder; überliefert sind Kristallkörper von mehreren Metern Kantenlänge und Gewichten in der Größenordnung von zweihundert Tonnen. Das Material wuchs in Hohlräumen basaltischer Laven und war so rein, dass es die optische Industrie Europas lange Zeit praktisch allein versorgte. An solchen Kristallen beschrieb Erasmus Bartholin 1669 die Doppelbrechung, und von hier stammt der Name Islandspat, der bis heute für optisch klaren Calcit steht. Der Abbau ist längst eingestellt, die Fundstelle steht seit 1975 unter Naturschutz, und das Sammeln ist untersagt. Wer heute Doppelspat kauft, erhält deshalb praktisch nie isländisches Material, sondern Ware aus Madagaskar, Mexiko, China oder Brasilien. Historische isländische Stücke mit gesicherter Herkunft sind Museumsgut. Lassen Sie sich die Bezeichnung Islandspat daher nie als Herkunftsangabe verkaufen; sie beschreibt eine Qualität, keinen Fundort.

Fundort Land Besonderheit
Helgustaðir am ReyðarfjörðurIslandTyplokalität des Islandspats; größte und klarste bekannte Rhomboeder; seit 1975 geschützt, kein Abbau
Elmwood Mine, Carthage, TennesseeUSAHonig- bis bernsteinfarbene Kristalle und Schmetterlingszwillinge aus einer Blei-Zink-Lagerstätte
Naica (Chihuahua) und Charcas (San Luis Potosí)MexikoKlare und orangefarbene Kristalle aus Erzlagerstätten; wichtigste Quelle für Orangencalcit
Tecali, PueblaMexikoGebänderter Onyxmarmor aus Kalkquellen, seit präkolumbischer Zeit zu Gefäßen verarbeitet
Dal'negorsk, PrimorjeRusslandGroße, glasklare Skalenoeder auf Sulfiden; gesuchte Sammlerstufen
Bou AzzerMarokkoPurpurrosa Kobaltocalcit in Drusen auf Kobalterz
Mashamba West und Mindingi bei KolweziDR KongoKräftig rosa Kobaltocalcit; wichtigste Quelle für facettierbares kobalthaltiges Material
Steinbrüche bei Brilon, HochsauerlandkreisDeutschlandKlare Rhomboeder und Skalenoeder auf devonischem Massenkalk

Woher die Handelsware heute kommt

Den größten Teil des Schmuck- und Dekorationscalcits liefern heute Mexiko und China. Aus mexikanischen Vorkommen, vor allem in Chihuahua und Durango, kommen der orangefarbene und der blassblaue Calcit, aus Puebla der gebänderte Onyxmarmor von Tecali. China liefert ebenfalls große Mengen orangefarbener Trommelsteinware sowie klare Rhomboeder. Madagaskar ist der wichtigste Lieferant für Doppelspat in Handelsgrößen zwischen drei und sechs Zentimetern. Pakistan und Iran exportieren Onyxmarmor für Schalen, Lampen und Fliesen. Rosa Manganocalcit stammt überwiegend aus Peru, Kobaltocalcit aus der Bergbauregion Bou Azzer in Marokko und aus dem kongolesischen Kupfergürtel um Kolwezi. Für Sammlerstufen sind vier Adressen maßgeblich: die Elmwood Mine bei Carthage in Tennessee, Dal'negorsk in der russischen Region Primorje, die Gruben von Naica und Charcas in Mexiko sowie die Manganminen des südafrikanischen Kalahari-Feldes. Brasilien und Marokko ergänzen das Angebot. Weil Calcit weltweit vorkommt, ist die Herkunft für den Preis meist zweitrangig; Ausnahme sind genau diese Sammlerfundorte.

Historische Vorkommen und deutsche Fundstellen

Calcit ist in Deutschland allgegenwärtig, schöne Kristallstufen sind dagegen an wenige Reviere gebunden. Klassisch sind die Erzgänge des Harzes, insbesondere St. Andreasberg, wo Calcit neben Silbermineralen, Baryt und Fluorit auftrat. Im Erzgebirge lieferten die Gruben um Freiberg helle Skalenoeder als Gangart der Silbererze. Im Sauerland sind die Steinbrüche bei Brilon für große, klare Rhomboeder und Skalenoeder auf Massenkalk bekannt, in der Eifel treten Calcite in Blasenräumen von Basalten auf. Aus dem Buntsandstein des Odenwalds kommen seit über hundert Jahren die deutschen Sandcalcite. International sind die englischen Bleigruben von Weardale, Alston Moor und Cumbria historisch bedeutend, aus Frankreich stammen die Sandcalcite von Fontainebleau. Stufen dieser Reviere finden sich heute überwiegend in Altsammlungen und werden auf Mineralienbörsen gehandelt. Für Sie als Käufer heißt das: Ein gutes Etikett mit Grube, Ort und Fundjahr steigert den Wert einer historischen Stufe oft stärker als die reine Größe des Kristalls.

Häufige Fragen

Kommt Doppelspat heute noch aus Island?
Praktisch nicht mehr. Der Bruch von Helgustaðir, aus dem die historischen Riesenkristalle stammen, wird seit Langem nicht mehr abgebaut und steht seit 1975 unter Naturschutz; das Sammeln ist dort verboten. Der Name Islandspat bezeichnet heute eine Qualitätsstufe, nicht die Herkunft. Aktuelle Handelsware kommt fast ausschließlich aus Madagaskar, Mexiko, China und Brasilien. Wenn Ihnen ein Händler isländisches Material anbietet, sollte er die Herkunft durch ein altes Sammlungsetikett belegen können.
Welcher Fundort ist für Sammler am begehrtesten?
Die Elmwood Mine bei Carthage in Tennessee steht bei Calcitsammlern an erster Stelle. Sie lieferte honig- bis bernsteinfarbene, oft transparente Kristalle und die bekannten Schmetterlingszwillinge, häufig in Begleitung von Zinkblende, Fluorit und Baryt. Gleichrangig gelten Dal'negorsk in Ostrussland für glasklare Skalenoeder auf Sulfiden sowie Naica und Charcas in Mexiko. Für farbige Ware sind Bou Azzer in Marokko und die kongolesischen Gruben um Kolwezi maßgeblich, weil von dort der Kobaltocalcit stammt.
Gibt es Calcit in Deutschland?
Reichlich, denn ganze Gebirgszüge bestehen daraus. Für Sammler interessant sind vor allem vier Gebiete: die Steinbrüche bei Brilon im Hochsauerlandkreis mit großen klaren Rhomboedern und Skalenoedern, die historischen Erzgänge von St. Andreasberg im Harz, die Freiberger Gruben im Erzgebirge und der Buntsandstein des Odenwalds mit seinen Sandcalciten. Hinzu kommen Calcite aus Basaltblasen der Eifel. Schmuckware im engeren Sinne wird in Deutschland nicht gewonnen; der Handel importiert sie aus Mexiko und China.