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Das Edelstein-Lexikon

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Calcit Lexikon · Farben & Varietäten

Calcit – Farben & Varietäten

Calcit

Warum reiner Calcit farblos ist

Chemisch reines Calciumcarbonat ist farblos und wasserklar; das Gitter aus Calcium- und Carbonationen besitzt keine Elektronenübergänge im sichtbaren Bereich. Jede Farbe am Calcit stammt deshalb von Fremdstoffen. Zweiwertiges Mangan auf Calciumplätzen erzeugt zarte Rosatöne, wie sie der Manganocalcit aus Peru zeigt. Kobalt ersetzt Calcium im Kobaltocalcit und liefert ein kräftiges Purpurrosa bis Himbeerrot, das zugleich einen deutlichen Pleochroismus von veilchenrot nach rosenrot hervorruft. Eisen wirkt in zweiwertiger Form gelblich bis bräunlich, in dreiwertiger Form als feinverteiltes Oxid orange bis rostrot; genau darauf beruht die Farbe von Orangen- und Honigcalcit, bei dem der Farbträger häufig nicht im Gitter sitzt, sondern als Pigment zwischen den Kristallkörnern. Kupfer kann grüne Töne verursachen, Bitumen und andere organische Substanz graue bis fast schwarze. Natürlich blaue Calcite sind vergleichsweise selten; ein großer Teil der kräftig blauen Handelsware ist gefärbt. Weil die Farbträger meist nur Beimengungen sind, liefert dieselbe Fundstelle oft sehr unterschiedliche Farben.

Varietät Farbe Bemerkung
Islandspat (Doppelspat)farblos, wasserklarOptisch reines Material, zeigt die Doppelbrechung mit bloßem Auge; heute vor allem aus Madagaskar, Mexiko und China
Orangencalcitgelborange bis kräftig orange, durchscheinendFarbe durch feinverteilte Eisenoxide; Mexiko und China; Hauptware für Trommelsteine und Handschmeichler
Honigcalcitbernsteinfarben bis goldbraun, oft transparentKlassisch aus der Elmwood Mine in Tennessee, dort auch als Schmetterlingszwilling
Manganocalcitzartrosa bis rosarotMangan auf Calciumplätzen; Peru und Mexiko; meist derb, wird zu Cabochons verarbeitet
Kobaltocalcitpurpurrosa bis himbeerrotKobalt als Farbträger, deutlicher Pleochroismus; Bou Azzer (Marokko), Mashamba West und Mindingi (DR Kongo)
Blauer Calcithellblau bis graublauNatürliche Ware vor allem aus Mexiko; kräftig blaue Stücke sind meist gefärbt
Onyxmarmor (mexikanischer Onyx)honiggelb, grünlich, braun gebändertSinterbildung aus Tecali in Puebla, Pakistan und Iran; Härte 3, nicht mit Onyx-Chalcedon verwandt
Sandcalcitsandbraun, trübKristalle mit eingewachsenen Quarzkörnern; Fontainebleau in Frankreich und Buntsandstein des Odenwalds

Farbspektrum und Fluoreszenz

Kaum ein Mineral deckt ein so breites Farbspektrum ab wie Calcit. Der Handel führt farblose, weiße, graue, gelbe, orange, honigbraune, rosa, rote, grüne, blaue und durch Bitumen fast schwarze Ware. Für den Schmuck- und Dekorationsbereich haben sich zwei Farbgruppen durchgesetzt: orange bis honiggelb sowie rosa. Alles andere bleibt Sammlergebiet. Eine zweite Besonderheit ist die Lumineszenz. Calcit gehört zu den am häufigsten fluoreszierenden Mineralen überhaupt; verantwortlich sind eingebaute Aktivatoren, vor allem Mangan, daneben Blei und Seltene Erden wie Europium, Terbium oder Dysprosium. Unter kurzwelligem UV-Licht leuchtet Calcit rot, orange, rosa, gelb, grün, blau oder weiß, unter langwelligem meist orange, rosa oder gelblich. Weltberühmt sind die Stufen aus Franklin und Sterling Hill in New Jersey, auf denen roter Calcit und grüner Willemit nebeneinander leuchten. Manche Proben phosphoreszieren zusätzlich, glühen also nach dem Abschalten der Lampe kurz nach. Die Fluoreszenz ist ein Fundortmerkmal, keine Qualitätsangabe.

Varietäten und Handelsnamen

Die Namensvielfalt am Calcit ist unübersichtlich, weil mineralogische Varietäten, historische Bergmannsbegriffe und reine Handelsbezeichnungen nebeneinander stehen. Mineralogisch begründet sind Manganocalcit, Ferrocalcit, Kobaltocalcit und Zinkcalcit, benannt nach dem eingebauten Element. Aus dem Bergbau stammen Kanonenspat für langprismatische Kristalle, Hundezahnspat für spitze Skalenoeder, Blätterspat und Papierspat für dünntafelige Aggregate sowie Atlasspat für faserige, seidig glänzende Lagen. Sandcalcit bezeichnet Kristalle, die beim Wachstum Sandkörner eingeschlossen haben; die bekanntesten kommen aus Fontainebleau bei Paris und aus dem Buntsandstein des Odenwalds. Reine Handelsnamen sind Orangencalcit, Honigcalcit, Zitronencalcit und Erdbeercalcit. Vorsicht ist bei Onyxmarmor, mexikanischem Onyx und orientalischem Alabaster geboten: Alle drei meinen gebänderten Calcit oder Aragonit der Härte 3 und gerade nicht den namensgleichen Chalcedon oder Gips. Islandspat und Doppelspat bezeichnen dasselbe, nämlich optisch klares, gut spaltbares Material. Prüfen Sie im Zweifel die Härte, dann klärt sich der Name von selbst.

Häufige Fragen

Ist Orangencalcit natürlich gefärbt?
Ja. Das Orange geht auf feinverteilte Eisenoxide und Eisenhydroxide zurück, die während des Wachstums zwischen die Kristallkörner eingelagert wurden. Die Farbe ist lichtecht und muss nicht behandelt werden. Vorsicht ist dagegen bei kräftig blauen, grünen, violetten oder pinken Trommelsteinen geboten: In diesen Tönen kommt Calcit natürlich nur blass vor, und ein großer Teil der Ware ist gefärbt. Erkennbar ist das an Farbnestern in Rissen und Poren sowie an unnatürlich gleichmäßigen, leuchtenden Tönen.
Warum leuchtet Calcit unter UV-Licht?
Weil Fremdionen im Gitter als Aktivatoren wirken. Am wichtigsten ist zweiwertiges Mangan, das typischerweise rotes bis oranges Leuchten erzeugt; daneben spielen Blei und Seltene Erden eine Rolle. Die Farbe des Leuchtens hängt vom Aktivator und von der Wellenlänge der Lampe ab, weshalb dieselbe Probe unter kurz- und langwelligem UV verschieden aussehen kann. Nicht jeder Calcit fluoresziert: Ohne Aktivatoren bleibt er dunkel. Die Fluoreszenz erlaubt oft Rückschlüsse auf den Fundort, sagt aber nichts über den Wert aus.
Was ist der Unterschied zwischen Onyx und Onyxmarmor?
Es sind zwei völlig verschiedene Materialien mit ähnlichem Namen. Echter Onyx ist ein gebänderter Chalcedon, also Quarz, mit Mohs-Härte 6,5 bis 7. Onyxmarmor, auch mexikanischer Onyx oder Tecali-Onyx genannt, ist gebänderter Calcit oder Aragonit aus Höhlen und Kalkquellen mit Härte 3. Die Unterscheidung gelingt in Sekunden: Eine Stahlnadel ritzt Onyxmarmor mühelos, echten Onyx nicht. Zusätzlich braust Onyxmarmor mit verdünnter Salzsäure auf, Chalcedon nicht.