Spaltbarkeit in drei Richtungen — und warum sie selten stört
Auf dem Papier klingt Bytownit heikel: vollkommene Spaltbarkeit nach (001), gute nach (010), unvollkommene nach (110), die beiden Hauptrichtungen unter einem Winkel von rund 93 bis 94 Grad, dazu ein spröder, unebener bis muscheliger Bruch. In der Praxis fällt das Urteil der Schleifer milder aus. Die Internationale Gemmologische Gesellschaft schreibt, das Material schleife und poliere sich leicht und die Spaltbarkeit sei üblicherweise kein Problem. Was tatsächlich passiert, ist etwas anderes: Die Ecken neigen beim Schneiden zum Ausbrechen. Die Gegenmaßnahme ist grob gesagt Geduld und die richtige Körnung — empfohlen wird, mit einer mittelfeinen Scheibe um 600 zu arbeiten, statt mit gröberem Korn Druck aufzubauen, der die Spaltflächen anreißt. Wer die Vorformung zu schnell erledigt, bezahlt das am Ende mit abgeplatzten Facettenkanten, die sich nicht mehr auspolieren lassen.
Schliffwahl gegen die blasse Farbe
Bytownit hat ein optisches Grundproblem: Die Körperfarbe ist verhältnismäßig schwach, und die Dispersion liegt bei 0,012 — solide, aber weit entfernt von den Werten, die ein Feuerwerk erzeugen. Beides zusammen bedeutet, dass ein flach geschliffener Stein blass und leblos wirkt. Die Empfehlung aus der Schleiferpraxis lautet deshalb, tiefere Entwürfe zu wählen: Barion-Schliffe und der Tzar-Entwurf werden ausdrücklich genannt, weil sie sowohl das Funkeln als auch die Farbe verbessern. Der kritische Winkel des Materials liegt bei 41,14 Grad, was die Pavillonwinkel vorgibt. Ovale, Kissen- und Stufenschliffe sind die häufigsten Formen im Handel, dazu Trillionen und Sonderschliffe für große Einzelstücke. Cabochons sind bei durchsichtigem Material die Ausnahme und lohnen nur bei trübem Rohmaterial. Einen Pleochroismus, den man bei der Orientierung berücksichtigen müsste, gibt es nach IGS-Angaben nicht.
Ausbeute, Größe und was der Schleifer beachtet
Die Rohware kommt als Einsprenglinge von etwa einem bis knapp vier Zentimetern Länge. Aus solchen Stücken lassen sich nach Abzug trüber Zonen und Einschlüsse durchaus zweistellige Karatgewichte holen — dokumentiert sind geschliffene Steine von 7,01, 14,23, 21,23 und 21,34 Karat, letzterer mit 26,7 mal 18,1 Millimetern. Das ist für einen Feldspat bemerkenswert und der eigentliche Reiz des Materials: Sie bekommen Größe zu einem Preis, der bei anderen Arten nicht vorstellbar wäre. Beim Sägen und Vorformen orientiert sich der Schleifer an den Spaltrichtungen und legt die Tafel bewusst nicht parallel zur vollkommenen Spaltfläche nach (001). Polierbar ist Bytownit gut; empfohlen wird Ceroxid auf einer Spectra-Ultralap-Folie. Die Wärmeempfindlichkeit gilt als mittel, was bedeutet: Trockenlaufen der Scheibe und schnelles Abkühlen vermeiden.
