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Bytownit Lexikon · Farben & Varietäten

Bytownit – Farben & Varietäten

Bytownit

Von farblos bis Rotbraun: das tatsächliche Spektrum

Mineralogisch ist Bytownit ein farbloses bis weißes oder graues Mineral — so führen ihn die mineralogischen Datenbanken, und so begegnet er Ihnen in Gabbros und Anorthositen. Schmuckrelevant ist er erst in seinen gefärbten Varianten. Die Internationale Gemmologische Gesellschaft listet für Bytownit farblos, weiß, grau, gelblich, blassgelb, grünlichgelb, grünlich und rotbraun. Der mexikanische Schleifstein liegt im warmen Teil dieses Spektrums: von nahezu farblos über Champagner und Strohgelb bis zu einem satten Honig- und Goldgelb, an der oberen Grenze ins Orangegelbe und Gelbbraune. Reines, kräftiges Gold mit guter Sättigung ist der Ausreißer nach oben und bestimmt den Preis; blasse Ware ist der Normalfall. Grünlichgelbe Steine kommen vor, bleiben aber Sammlerkuriositäten. Achten Sie darauf, dass die Farbe im Material sitzt: Bei tief geschliffenen Steinen verstärkt der längere Lichtweg die Farbe erheblich, und ein flacher Stein aus demselben Rohstück wirkt deutlich blasser.

Varietät Farbe Bemerkung
Bytownit (mineralogisch)farblos, weiß, grauDer gesteinsbildende Normalfall in Gabbro und Anorthosit, nicht schleifwürdig
Goldbytownit / „Goldlabradorit“Gold- bis HoniggelbDer schmuckrelevante Typ aus Chihuahua und Durango, Mexiko; Handelsname mineralogisch falsch
Champagner-Bytownitblassgelb bis strohfarbenHäufigste Qualität der mexikanischen Ware, preislich am unteren Ende
Grünlichgelber Bytownitgrünlichgelb bis grünlichIn der IGS-Farbliste belegt, im Handel eine Sammlerkuriosität
Brauner Bytownitgelbbraun bis rotbraunDunkles Ende des Spektrums, wird zusammen mit Gelb facettiert
Bytownit aus Oregongelblich mit SchillerGelegentlich mit Aventureszenz durch Kupferplättchen; Grund für die Verwechslung mit Oregon Sunstone

Zur Farbursache: was belegt ist und was nicht

Hier ist Zurückhaltung angebracht. Für das Goldgelb des mexikanischen Bytownits ließ sich in den ausgewerteten Quellen keine eindeutig publizierte Farbursache finden; im Handel wird sie üblicherweise Spuren von Eisen zugeschrieben. Wie heikel die Frage bei calciumreichen Plagioklasen ist, zeigt eine Untersuchung der GIA zum Oregon Sunstone: Mikrosondenanalysen an farblosen, roten und grünen Proben ergaben keinen offensichtlichen Mechanismus für die gezeigten Farben; diskutiert wurde ein Ladungsübergang unter Beteiligung von kolloidalem Kupfer. Für die rote und grüne Körperfarbe des Oregon Sunstone und für seinen Schiller ist gediegenes Kupfer in Plättchenform nachgewiesen. Bei Bytownit aus Mexiko fehlt dieses Kupfer. Was Sie also sicher wissen: Die Farbe ist naturgegeben, es sind keinerlei Behandlungen bekannt, und sie ist nicht auf ein optisches Phänomen zurückzuführen, sondern auf echte Körperfarbe. Alles Weitere sollten Sie im Verkaufsgespräch als Vermutung kennzeichnen.

Handelsnamen und wo sie in die Irre führen

Bytownit wird selten unter seinem richtigen Namen verkauft. Am häufigsten begegnet Ihnen „Gelber Labradorit“ oder „Goldlabradorit“, im Englischen Yellow beziehungsweise Golden Labradorite. Daneben laufen „Golden Sunstone“, „Honey Sunstone“ und schlicht „Sonnenstein“. Die Internationale Gemmologische Gesellschaft benennt das Problem deutlich: Labradorit, Bytownit, Sonnenstein und Andesin gehören alle zur Feldspatgruppe, das Verhältnis von Natrium zu Calcium entscheidet über den Namen, und welche Bezeichnung korrekt ist, lässt sich nur durch eine chemische Analyse klären. Erschwerend kommt hinzu, dass „Sonnenstein“ ein reiner Handelsname für ein optisches Erscheinungsbild ist und laut GIA gerade nichts über die chemische Zusammensetzung aussagt. Für Sie heißt das praktisch: „Goldlabradorit“ aus Mexiko ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Bytownit, „Sunstone“ aus Oregon dagegen kupferführender Labradorit, und behandelter „Andesin“ aus China oder dem Kongo ist ein drittes, davon unabhängiges Thema.

Häufige Fragen

Gibt es blauen oder violetten Bytownit?
Nein. Das belegte Farbspektrum reicht von farblos über weiß und grau zu gelblich, blassgelb, grünlichgelb, grünlich und rotbraun. Blaue oder violette Feldspäte im Handel sind entweder Labradorit mit Labradoreszenz — also ein Farbenspiel, keine Körperfarbe — oder behandeltes beziehungsweise anderes Material. Wird Ihnen blauer Bytownit angeboten, verlangen Sie eine Bestimmung.
Ist die goldgelbe Farbe behandelt?
Nach allen ausgewerteten Quellen nicht. Für Bytownit sind weder Behandlungen noch Synthesen bekannt; die Internationale Gemmologische Gesellschaft formuliert das ausdrücklich so. Das ist einer der Vorzüge des Steins: Sie kaufen unbehandeltes Naturmaterial zu einem Preis, für den bei anderen Arten nur behandelte Ware zu bekommen wäre. Vorsicht ist dagegen bei Feldspäten geboten, die als „Andesin“ aus China oder dem Kongo angeboten werden — dort sind Behandlungen ein bekanntes Thema.
Warum wirken zwei Bytownite gleicher Herkunft unterschiedlich farbstark?
Meist liegt es am Schliff, nicht am Rohmaterial. Die Körperfarbe ist verhältnismäßig blass; je länger der Lichtweg durch den Stein, desto satter erscheint sie. Ein tief geschliffener Stein mit hohem Pavillon liefert deshalb mehr Farbe als ein flacher aus demselben Kristall. Deshalb empfehlen Schleifer für Bytownit ausdrücklich tiefere Entwürfe. Hinzu kommt der Anorthit-Anteil, der von Kristall zu Kristall schwankt.