Die Typlokalität Bytown, heute Ottawa
Bytownit trägt den Namen einer Stadt, die es nicht mehr gibt. Thomas Thomson beschrieb das Mineral 1836 nach einem Vorkommen bei Bytown in Kanada; die Siedlung wurde 1855 in Ottawa umbenannt und ist heute die Hauptstadt des Landes. Die Typlokalität liegt damit im Stadtgebiet von Ottawa. Für den Schmuckhandel hat sie keinerlei Bedeutung: Von dort ist nie facettierfähiges Material gekommen. Auch die übrigen kanadischen Vorkommen — der Shawmere-Anorthosit in Ontario und der Yamaska Mountain in Québec — liefern gesteinsbildenden Bytownit, wie er in mafischen Magmatiten überall auftritt. Das ist ein für Feldspäte typisches Muster: Die Typlokalität definiert den Namen, die Schleifware kommt von ganz woanders her. Beim Labradorit verhält es sich ähnlich, dort liegt die Typlokalität auf Paul's Island bei Nain in Labrador, während der heutige Schmuckhandel aus Madagaskar und Finnland versorgt wird.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bytown, heute Ottawa, Ontario | Kanada | Typlokalität, Namensgeber, Erstbeschreibung 1836; keine Schleifware |
| Dorado Mine, Chihuahua | Mexiko | Von der IGS als führendes Edelsteinvorkommen genannt; Hauptquelle der Facettenware |
| Santiago Papasquiaro, Durango | Mexiko | Zweites mexikanisches Vorkommen; Händler bewerben die kräftigsten Goldtöne |
| Plush, Lake County, Oregon | USA | Gelegentlich Aventureszenz durch Kupferplättchen; Quelle der Namensverwechslung |
| Pueblo-Creek-Gebiet | USA (New Mexico) | Mineralogisch belegtes Vorkommen ohne Schmuckbedeutung |
| Shawmere-Anorthosit, Yamaska Mountain | Kanada | Gesteinsbildender Bytownit in Anorthosit und Gabbro |
| Arizona, Montana, Minnesota, South Dakota | USA | Weitere belegte Vorkommen, gesteinsbildend |
| Schottland, Norwegen, Schweden, Japan, Südafrika | diverse | International dokumentiert, ohne Marktanteil |
Chihuahua und Durango: die mexikanische Schleifware
Der gemmologisch maßgebliche Fundort ist Chihuahua in Mexiko; die Internationale Gemmologische Gesellschaft führt ihn als Hauptquelle für Edelsteinmaterial an erster Stelle. Mineralogische Datenbanken benennen dort konkret die Dorado Mine. Das zweite mexikanische Vorkommen liegt bei Santiago Papasquiaro im Bundesstaat Durango; Händler, die Rohware aus dieser Gegend anbieten, bewerben sie als die farbstärkste, honiggoldene Qualität. In der Praxis sind die beiden Herkünfte am fertigen Stein nicht zu unterscheiden, und die Bezeichnung im Angebot wechselt zwischen Chihuahua, Durango und schlicht „Mexiko“. Rechnen Sie damit, dass ein facettierter Bytownit im europäischen Handel mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem dieser beiden Gebiete stammt. Die Kristalle werden als verwitterungsbeständige Einsprenglinge aus zerfallendem Vulkanit gewonnen und in Partien von einigen hundert Gramm als Mine-run-Ware gehandelt, aus der die Schleifer die klaren Stücke auslesen.
Oregon und die übrigen Vorkommen
In den Vereinigten Staaten ist Plush im Lake County in Oregon das bekannteste Bytownit-Vorkommen. Dort tritt gelegentlich Material mit Aventureszenz durch Kupferplättchen auf — genau das, was den benachbarten Oregon Sunstone ausmacht, und einer der Gründe, weshalb sich die Namen im Handel überlagern. Die großen Sonnenstein-Betriebe der Region, die Ponderosa Mine im Harney County sowie die Dust Devil Mine und die Sunstone Butte Mine im Lake County, fördern allerdings Material, das die GIA als kupferführenden Labradorit mit rund 70 Prozent Anorthit-Anteil führt. Weitere mineralogisch belegte Vorkommen liegen im Pueblo-Creek-Gebiet in New Mexico sowie in Arizona, Montana, Minnesota, Oklahoma, South Dakota und Wisconsin. International sind Schottland, England, Norwegen, Schweden, Japan, Südafrika und Australien dokumentiert. Schmuckrelevante Mengen liefert keines dieser Vorkommen; für den Markt bleibt Mexiko praktisch konkurrenzlos.
