Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Beryllonit Lexikon · Übersicht

Beryllonit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Beryllonit

Beryllonit ist ein farbloses bis blassgelbes Natrium-Beryllium-Phosphat aus Granitpegmatiten, das trotz guter Transparenz fast ausschließlich Sammlerware bleibt. Verantwortlich dafür ist seine vollkommene Spaltbarkeit, die jeden Schleif- und Fassvorgang zu einer Geduldsprobe macht.

Beryllonit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklassePhosphate — wasserfreies Natrium-Beryllium-Phosphat ohne fremde Anionen
Chemische FormelNaBePO4
Kristallsystemmonoklin, Raumgruppe P2₁/n; tafelige bis prismatische, häufig angeätzte Kristalle, Zwillinge verbreitet
Mohs-Härte5,5 bis 6
Dichte2,79 bis 2,87 g/cm³; für Schleifware typisch 2,80 bis 2,85, reines Material 2,84
Brechungsindex1,552 bis 1,561 (nα 1,552, nβ 1,558, nγ 1,561); zweiachsig negativ, 2V etwa 68 Grad
Doppelbrechung0,009 bis 0,010; Dispersion 0,010 (schwach)
GlanzGlasglanz, auf der Spaltfläche nach {010} perlmuttartig, an frischen Kanten bis annähernd diamantartig
Spaltbarkeitvollkommen nach {010}, gut und unterbrochen nach {100}, undeutlich nach {101}, Spuren nach {001}
Bruchmuschelig, spröde; Zähigkeit gering
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend, in derben Aggregaten undurchsichtig
Farbenfarblos, weiß, blass gelblich; Strichfarbe weiß
Wichtigste FundorteStoneham, Oxford County, Maine, USA (Typlokalität); Chhappu im Braldu-Tal und Shigar-Tal, Gilgit-Baltistan, Pakistan; Paprok, Nuristan, Afghanistan; Linópolis, Minas Gerais, Brasilien; daneben Finnland, Kanada und weitere Pegmatitprovinzen
Behandlungenkeine handelsüblichen Behandlungen bekannt; synthetisches Material ist hergestellt worden, kommt im Handel aber selten vor
Erstbeschreibung1888, benannt nach dem Berylliumgehalt; Typlokalität Stoneham, Maine. Zur Person weichen die Quellen ab: genannt werden Dana beziehungsweise Edward Salisbury Dana gemeinsam mit dem Chemiker Horace L. Wells

Ein Phosphat mit Beryllium — und trotzdem kein Beryll

Der Name führt regelmäßig in die Irre. Beryllonit enthält zwar Beryllium, gehört aber nicht zur Beryllgruppe: Beryll ist ein Ringsilikat, Beryllonit ein wasserfreies Phosphat mit der Formel NaBePO4. Chemie und Kristallstruktur haben nichts gemeinsam, gemeinsam ist nur das namensgebende Element. Beryllonit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P2₁/n und bildet tafelige bis prismatische Kristalle, die an der Oberfläche fast immer angeätzt erscheinen; Zwillingsbildung ist verbreitet. Die Härte liegt bei 5,5 bis 6, die Dichte bei rund 2,8 g/cm³. Der Brechungsindex bewegt sich zwischen 1,552 und 1,561, die Doppelbrechung beträgt nur 0,009 bis 0,010. Farblich bleibt das Mineral zurückhaltend: farblos, weiß oder blass gelblich, mit weißem Strich. Für Sie als Käufer bedeutet das: Beryllonit lebt nicht von Farbe und nicht von Feuer, sondern von Klarheit, Seltenheit und sauberer Arbeit des Schleifers.

Die vollkommene Spaltbarkeit bestimmt alles Weitere

Der eigentliche Kern des Steins steckt nicht in Härte oder Glanz, sondern in seiner Spaltbarkeit. Beryllonit spaltet vollkommen nach {010} und zusätzlich gut, wenn auch unterbrochen, nach {100}; nach {101} ist die Spaltbarkeit undeutlich, nach {001} nur in Spuren angedeutet. Zwei belastbare Spaltrichtungen in einem Material mittlerer Härte und geringer Zähigkeit sind eine unangenehme Kombination. Schon der Druck einer Schleifscheibe, ein unglücklich gesetzter Krappendruck oder ein Sturz auf Fliesen können eine Spaltfläche öffnen, die sich anschließend nicht mehr auspolieren lässt. Fachquellen stufen die Zähigkeit ausdrücklich als gering ein. Genau darum ist Beryllonit trotz guter Transparenz kein Handelsstein für den Alltag geblieben, sondern Sammlerware: Wer ihn schleift, verliert Material an Spaltrisse, und wer ihn fasst, muss die Fassung dem Stein anpassen statt umgekehrt. Diese eine Eigenschaft erklärt fast alle Besonderheiten des Marktes.

Von Maine nach Gilgit-Baltistan

Entdeckt und erstmals beschrieben wurde Beryllonit 1888 an seiner Typlokalität bei Stoneham im Oxford County im US-Bundesstaat Maine, wo ein Granitpegmatit am Sugarloaf Mountain kleine, klare und ausnahmsweise schleifbare Kristalle lieferte. Die historischen Facettensteine der amerikanischen Sammlungen stammen überwiegend von dort. Heute spielt Maine für den Handel keine Rolle mehr. Die Schleifware und die besten Stufen kommen aus den Pegmatiten des Karakorum und des Hindukusch: aus Chhappu im Braldu-Tal und aus dem Shigar-Tal in Gilgit-Baltistan, Pakistan, sowie aus Paprok in Nuristan, Afghanistan. Die afghanischen Kristalle werden als schneeweiß bis cremefarben, komplex säulig und seidig bis perlmuttartig glänzend beschrieben; sie enthalten häufig hohle Kanäle parallel zu [010] — dieselben Röhrchen, die geschliffen als Cabochon einen Katzenaugeneffekt erzeugen können. Weitere Vorkommen liegen in Linópolis in Minas Gerais, Brasilien, sowie in Finnland und Kanada.

Der Trennweg im Labor: leicht und niedrigbrechend

Ein farbloser, sauber facettierter Beryllonit sieht aus wie viele andere farblose Steine. In der Praxis stehen vor allem Bergkristall, farbloser Skapolith und Phenakit zur Verwechslung an. Die Trennung gelingt zuverlässig über zwei Zahlen. Phenakit scheidet sofort aus: Er bricht mit 1,650 bis 1,670 deutlich höher, hat eine Dichte von 2,93 bis 3,00 und eine Härte von 7,5 bis 8 — auf dem Refraktometer ist der Abstand zu Beryllonit unübersehbar. Bergkristall liegt mit 1,544 bis 1,553 knapp unter Beryllonit, ist aber mit einer Dichte um 2,66 spürbar leichter, einachsig positiv statt zweiachsig negativ und besitzt keine Spaltbarkeit. Skapolith überschneidet sich im Brechungsindex (etwa 1,54 bis 1,56), bleibt jedoch mit 2,57 bis 2,74 ebenfalls leichter und zeigt als tetragonales Mineral einachsigen Charakter. Brechungsindex plus Dichte plus Optik trennen den Stein daher in wenigen Minuten.

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Kurz gefasst

Beryllonit ist ein Stein für Sammler und für Goldschmiede mit ruhiger Hand, nicht für den täglichen Ring. Kaufen Sie ihn wegen der Seltenheit und der Transparenz, nicht wegen Feuer oder Farbe — beides fehlt ihm bauartbedingt. Empfehlenswert sind saubere Facettensteine zwischen einem und fünf Karat aus Pakistan oder Afghanistan im Bereich von 60 bis 150 Euro je Karat; darüber wird das Material fast immer einschlussreich. Lassen Sie Brechungsindex und Dichte vor dem Kauf messen und planen Sie von vornherein eine schützende Fassung ein.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Beryllonit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Beryllonit eine Beryll-Varietät?
Nein. Beryllonit ist ein eigenständiges Mineral aus der Klasse der Phosphate mit der Formel NaBePO4, Beryll dagegen ein Ringsilikat. Beide enthalten Beryllium, das ist die gesamte Verwandtschaft. Struktur, Härte, Dichte und Brechungsindex unterscheiden sich deutlich: Beryllonit ist mit 5,5 bis 6 klar weicher als Beryll und bricht mit 1,552 bis 1,561 niedriger. Der Name beschreibt also die Chemie, nicht die Mineralgruppe.
Kann ich einen Beryllonit im Ring tragen?
Nur mit Einschränkungen. Die Härte von 5,5 bis 6 liegt unterhalb von Quarzstaub, der in jedem Haushalt vorkommt, und die vollkommene Spaltbarkeit macht den Stein stoßempfindlich; Fachquellen stufen die Zähigkeit als gering ein. Wenn Sie den Stein im Ring tragen wollen, empfiehlt sich eine schützende Fassung, etwa eine Zarge, und bewusst seltenes Tragen. Für Anhänger, Broschen und Ohrschmuck ist Beryllonit deutlich besser geeignet.
Was kostet ein facettierter Beryllonit?
Der Sammlerhandel nennt für facettierte Steine grob 20 bis 160 US-Dollar je Karat mit einem Mittelwert um 65 US-Dollar; umgerechnet sind das ungefähr 18 bis 145 Euro je Karat, im Mittel etwa 60 Euro. Katzenaugen-Cabochons liegen bei rund 20 bis 50 US-Dollar je Karat. Rohkristalle und Stufen werden nicht nach Karat, sondern nach Stück gehandelt: von etwa 80 US-Dollar für eine kleine Stufe bis zu 7.500 US-Dollar für erstklassige Kabinettstufen aus Pakistan oder Afghanistan.
Woran erkenne ich einen echten Beryllonit?
Messen Sie Brechungsindex und Dichte. Ein Wert von 1,552 bis 1,561 bei einer Doppelbrechung von nur etwa 0,009 und einer Dichte um 2,8 g/cm³ grenzt den Stein schon sehr eng ein. Im Polariskop zeigt sich zweiachsig negativer Charakter mit einem Achsenwinkel um 68 Grad. Pleochroismus fehlt. Als zusätzliches Indiz dienen die häufigen hohlen Kanäle und Flüssigkeitseinschlüsse parallel zur Kristallachse sowie die perlmuttartig schimmernde Spaltfläche.