Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Beryllonit Lexikon · Farben & Varietäten

Beryllonit – Farben & Varietäten

Beryllonit

Warum Beryllonit farblos bleibt

Farbe in Edelsteinen entsteht fast immer dadurch, dass ein Übergangsmetall — Eisen, Chrom, Vanadium, Mangan, Kupfer — Licht in bestimmten Wellenlängenbereichen absorbiert. In NaBePO4 kommt keines dieser Elemente strukturell vor. Natrium, Beryllium, Phosphor und Sauerstoff haben ihre Elektronenübergänge weit außerhalb des sichtbaren Spektrums, sodass sichtbares Licht praktisch ungehindert passiert. Reiner Beryllonit ist deshalb farblos, und der Strich ist weiß. Die blassgelben Töne, die man gelegentlich sieht, gehen auf geringe Spurenbeimengungen und auf Einschlüsse zurück, nicht auf eine strukturelle Farbursache. Weißliche und milchige Stücke verdanken ihr Aussehen nicht Pigmenten, sondern Lichtstreuung an zahllosen feinen Flüssigkeitseinschlüssen und an beginnenden Spaltrissen. Pleochroismus fehlt nach übereinstimmenden Angaben vollständig — was bei einem praktisch farblosen Mineral auch zu erwarten ist. Einen Farbwechsel oder eine Farbänderung durch Behandlung kennt der Handel bei Beryllonit nicht.

Varietät Farbe Bemerkung
Farbloser BeryllonitwasserklarFacettenqualität, die seltenste und teuerste Form; Reinheit bestimmt den Preis vollständig
Weißer bis cremefarbener Beryllonitweiß bis cremetypisch für Paprok, Afghanistan; als Stufe gesucht, für Facettenschliff ungeeignet
Blassgelber Beryllonitblass gelblichTon geht auf Spurenbeimengungen und Einschlüsse zurück, nicht auf eine strukturelle Farbursache
Katzenaugen-Beryllonitfarblos bis weißlichCabochon mit Chatoyance durch hohle Kanäle parallel zur Kristallachse, vor allem afghanisches Material
Schneeflockenaggregateschneeweißseltene, komplex säulige Kristallrosetten aus Afghanistan, ausschließlich Stufenware
Synthetischer Beryllonitfarblosim Labor hergestellt, vereinzelt in Schmuck aufgetaucht, im Handel ohne nennenswerte Bedeutung

Ein schmales Spektrum von farblos über weiß bis blassgelb

Das gesamte Farbangebot des Steins liegt zwischen wasserklar, weiß und blass gelblich. Für den Handel ist das eine Einschränkung, für die Bestimmung dagegen ein Vorteil: Ein kräftig gefärbter Stein, der Ihnen als Beryllonit angeboten wird, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keiner. Innerhalb dieses schmalen Spektrums zählt die Sammlerbewertung fast ausschließlich die Reinheit. Wasserklares, einschlussfreies Material ist das Ziel; es ist zugleich das seltenste. Weiße und cremefarbene Kristalle, wie sie in Paprok in Afghanistan vorkommen, sind als Stufen gesucht, liefern aber keine Facettenware. Der Glanz variiert stärker als die Farbe: Auf frischen Bruchflächen wirkt Beryllonit glasig bis annähernd diamantartig, auf der Spaltfläche nach {010} dagegen ausgeprägt perlmuttartig — ein Merkmal, das bei der Beurteilung einer Stufe schnell ins Auge fällt. Achten Sie beim Kauf deshalb weniger auf den Farbton als auf die Frage, ob der Stein wirklich klar durchscheint oder ob sein Weiß von Streuung an Rissen herrührt.

Katzenauge, Schneeflockenkristalle und Handelsnamen

Eigene Varietätsnamen hat Beryllonit nicht ausgebildet; der Handel führt ihn schlicht unter seinem Mineralnamen. Zwei Erscheinungsformen verdienen dennoch eine eigene Erwähnung. Erstens das Katzenauge: Afghanisches Material enthält hohle Kanäle und Flüssigkeitseinschlüsse, die parallel zur Kristallachse verlaufen. Richtig orientiert und als Cabochon geschliffen, erzeugen sie einen Chatoyance-Effekt. Solche Steine sind selten und werden als „Katzenaugen-Beryllonit“ angeboten. Zweitens sind aus Afghanistan seltene, schneeflockenförmige Kristallaggregate dokumentiert, die ausschließlich als Stufen gehandelt werden. Hinzu kommt synthetisches Material: Beryllonit ist im Labor hergestellt worden und ist gelegentlich in Schmuck aufgetaucht, spielt im Handel aber keine nennenswerte Rolle. Übliche Behandlungen — Brennen, Bestrahlen, Ölen, Färben — sind für Beryllonit nicht bekannt. Was Sie kaufen, ist in aller Regel unbehandelt, und ein Händler, der Ihnen eine Behandlung als wertsteigernd verkaufen will, beschreibt kein marktübliches Verfahren. Verlangen Sie in diesem Fall eine konkrete Angabe, welches Verfahren angewandt worden sein soll.

Häufige Fragen

Gibt es farbigen Beryllonit?
Nein, jedenfalls nicht im Sinne kräftiger Farben. Das Spektrum reicht von farblos über weiß bis blass gelblich. Eine strukturelle Farbursache fehlt, weil die Formel NaBePO4 kein farbgebendes Übergangsmetall enthält. Blassgelbe Töne gehen auf Spurenelemente und Einschlüsse zurück. Ein intensiv gefärbter Stein, der als Beryllonit verkauft wird, sollte Sie misstrauisch machen.
Was ist ein Katzenaugen-Beryllonit?
Ein Cabochon aus Material mit dicht gepackten, parallel zur Kristallachse verlaufenden hohlen Kanälen und Flüssigkeitseinschlüssen. Dieses Einschlussmuster ist vor allem aus Afghanistan bekannt. Wird der Cabochon richtig orientiert geschliffen, bündelt sich das Licht zu einem schmalen Lichtband. Solche Steine kosten im Sammlerhandel rund 20 bis 50 US-Dollar je Karat, also ungefähr 18 bis 45 Euro.
Zeigt Beryllonit Pleochroismus?
Nein. Übereinstimmende gemmologische Quellen geben Pleochroismus mit „keiner“ an. Das ist bei einem farblosen bis sehr blass gefärbten Mineral auch nicht anders zu erwarten, denn Pleochroismus setzt richtungsabhängige Absorption voraus. Für die Bestimmung ist das Fehlen ein brauchbares Negativmerkmal, etwa gegenüber Skapolith, der einen moderaten Dichroismus zeigen kann.