Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Beryllonit Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Beryllonit – Entstehung & Mineralogie

Beryllonit

Granitpegmatite und alkalische Pegmatite als Bildungsraum

Beryllonit entsteht in den späten, fluidreichen Stadien granitischer und alkalischer Pegmatite. Es gilt als sekundäres Berylliummineral: Das Beryllium stammt aus früher gebildeten Berylliumphasen des Pegmatits, vor allem aus Beryll, und wird in phosphatreichen Restlösungen mobilisiert und neu gebunden. Damit Beryllonit kristallisieren kann, müssen drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: ein Überschuss an Natrium, verfügbares Phosphat und eben jenes mobilisierte Beryllium. Diese Kombination ist in Pegmatiten keineswegs die Regel, weshalb das Mineral weltweit selten bleibt. Typisch ist das Auftreten in Hohlräumen und Zersetzungsbereichen der zentralen Pegmatitzonen, in denen sich die Restschmelze sammelt. Die Kristalle wachsen dort frei in Drusen und werden anschließend von späteren, sauren Lösungen wieder angegriffen — daher die charakteristisch angeätzten, matt wirkenden Oberflächen vieler Stufen, die erst beim Anschleifen ihre eigentliche Klarheit zeigen.

Kristallchemie: Natrium, Beryllium und Phosphat in einem Gerüst

Die Formel NaBePO4 beschreibt ein Gerüst aus abwechselnd eckenverknüpften BeO4- und PO4-Tetraedern, in dessen Hohlräumen die Natriumionen sitzen. Diese Bauweise erklärt die Eigenschaften des Steins unmittelbar. Die Tetraederverknüpfung ist stark genug für eine Härte von 5,5 bis 6, aber es gibt eine Schicht, entlang derer die Bindungen schwächer ausfallen — das Ergebnis ist die vollkommene Spaltbarkeit nach {010}. Weil weder Natrium noch Beryllium noch Phosphor Licht selektiv absorbieren, bleibt reiner Beryllonit farblos. Die geringe Elektronendichte der beteiligten Elemente sorgt zugleich für den niedrigen Brechungsindex von 1,552 bis 1,561 und die niedrige Dichte um 2,8 g/cm³. Die monokline Symmetrie bringt zweiachsigen, optisch negativen Charakter mit einem Achsenwinkel von etwa 68 Grad mit sich; die Doppelbrechung bleibt mit 0,009 bis 0,010 so gering, dass sie mit bloßem Auge nicht auffällt.

Paragenese und die Erstbeschreibung von 1888

Beryllonit tritt in fester Gesellschaft auf: begleitet wird er von Feldspat — häufig als blättriger Cleavelandit —, Rauchquarz, Beryll, Elbait und Columbit. Diese Paragenese ist typisch für die natriumreichen Ersetzungszonen komplexer Pegmatite. In Finnland ist die seltene Begleitphase Viitaniemiit bekannt, aus Brasilien sind Verwachsungen mit Atencioit und Ushkovit dokumentiert. Die Erstbeschreibung erfolgte 1888 anhand von Material aus Stoneham, Oxford County, Maine, und der Name nimmt unmittelbar auf den Berylliumgehalt Bezug. Bei der Person des Erstbeschreibers weichen die Quellen voneinander ab: Die englischsprachige Wikipedia nennt Dana, ein Handelslexikon führt Edward Salisbury Dana gemeinsam mit dem Chemiker Horace L. Wells an, der die Analyse beisteuerte. Die Publikation erschien im American Journal of Science unter dem Titel „Description of the new mineral, Beryllonite“. Unstrittig sind Jahr und Typlokalität.

Häufige Fragen

Warum ist Beryllonit so selten?
Beryllium ist bereits als Element selten und reichert sich nur in hochentwickelten Pegmatiten an. Für Beryllonit muss zusätzlich Phosphat und ein Natriumüberschuss zur Verfügung stehen, und das Beryllium muss aus vorhandenen Mineralen wieder in Lösung gebracht werden. Dieses Zusammentreffen ist geologisch die Ausnahme. Entsprechend gibt es weltweit nur eine Handvoll Fundorte, die schleifwürdiges Material liefern.
In welchem Gestein sucht man Beryllonit?
In granitischen und alkalischen Pegmatiten, und dort in den zentralen, natriumreichen Zonen und Hohlräumen. Als Begleiter gelten Feldspat, besonders blättriger Cleavelandit, Rauchquarz, Beryll, Elbait und Columbit. Kristalle wachsen frei in Drusen und wirken an der Oberfläche oft matt angeätzt, weil spätere Lösungen sie angegriffen haben.
Woher kommt der Name?
Der Name verweist auf den Berylliumgehalt des Minerals und wurde bei der Erstbeschreibung 1888 vergeben. Er ist insofern irreführend, als er eine Verwandtschaft mit Beryll suggeriert, die chemisch nicht besteht: Beryll ist ein Silikat, Beryllonit ein Phosphat. Gemeinsam ist beiden ausschließlich das Element Beryllium.