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Beryllonit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Beryllonit – Herkunft & Fundorte

Beryllonit

Stoneham in Maine: Typlokalität und historische Quelle

Die Geschichte des Steins beginnt 1888 in Stoneham im Oxford County im US-Bundesstaat Maine. Ein Granitpegmatit am Sugarloaf Mountain lieferte dort kleine, klare und ausnahmsweise schleifbare Kristalle — Material, an dem das Mineral erstbeschrieben wurde und aus dem die ersten Facettensteine überhaupt entstanden. Die dokumentierten historischen Schliffe amerikanischer Sammlungen reichen von 2,5 bis 20,64 Karat und stammen überwiegend von dieser einen Fundstelle. Für den heutigen Markt ist Maine praktisch bedeutungslos: Die Vorkommen sind erschöpft beziehungsweise nicht mehr produktiv, und was aus Maine angeboten wird, ist Altbestand aus Sammlungsauflösungen. Entsprechend wird solches Material nicht nach gemmologischer Qualität, sondern nach Provenienz bezahlt. Wenn Ihnen ein Händler einen Stoneham-Beryllonit anbietet, verlangen Sie eine nachvollziehbare Herkunftsangabe — der Aufschlag gegenüber pakistanischer Ware rechtfertigt sich ausschließlich über die Sammlungsgeschichte.

Fundort Land Besonderheit
Stoneham (Sugarloaf Mountain), Oxford County, MaineUSATyplokalität von 1888; kleine klare Kristalle, historische Schliffe von 2,5 bis 20,64 Karat; heute nicht mehr produktiv
Chhappu, Braldu-Tal, Distrikt Shigar, Gilgit-BaltistanPakistanKabinettstufen mit Viitaniemiit bis 7.500 US-Dollar; wichtige Quelle für Facettenrohware
Shigar-Tal, Gilgit-BaltistanPakistanweitere pegmatitische Fundstellen derselben Provinz; heute Hauptlieferant des Marktes
Paprok, Distrikt Kamdesh, NuristanAfghanistanschneeweiße, komplex säulige Kristalle mit hohlen Kanälen parallel [010]; Quelle der Katzenaugen-Cabochons
Elias-Mine, Linópolis, Minas GeraisBrasiliengute Kleinstufen, oft mit Atencioit und Ushkovit verwachsen; Thumbnails ab etwa 150 US-Dollar
Pegmatite mit Viitaniemiit-ParageneseFinnlandmineralogisch interessante Begleitphase, kein Schleifmaterial
QuébecKanadaNachweis für Systematiksammlungen ohne Marktbedeutung

Pakistan und Afghanistan liefern heute die Schleifware

Die Versorgung des Marktes läuft heute über die Pegmatite des Karakorum und des Hindukusch. In Gilgit-Baltistan in Pakistan sind vor allem Chhappu im Braldu-Tal und Fundstellen im Shigar-Tal maßgeblich; von dort stammen sowohl Facettenrohware als auch erstklassige Kabinettstufen, die im internationalen Mineralienhandel vierstellige Beträge erreichen. Eine Stufe aus Chhappu mit Beryllonit und Viitaniemiit von rund zehn Zentimetern Kantenlänge wurde beispielsweise für 7.500 US-Dollar angeboten. Afghanistan steuert Material aus Paprok im Distrikt Kamdesh in Nuristan bei. Die dortigen Kristalle sind schneeweiß bis cremefarben, komplex säulig gebaut und zeigen seidigen bis perlmuttartigen Glanz; charakteristisch sind hohle Kanäle parallel zu [010]. Genau diese Kanäle machen afghanisches Material zur Quelle der seltenen Katzenaugen-Cabochons. Stufen aus Paprok liegen je nach Größe zwischen etwa 1.200 und 7.500 US-Dollar.

Brasilien, Finnland, Kanada und die Nebenvorkommen

Jenseits der beiden Hauptlieferanten gibt es eine Reihe von Fundorten, die für Systematiksammler wichtig, für den Schmuckmarkt aber ohne Gewicht sind. In Brasilien liefert die Elias-Mine bei Linópolis in Minas Gerais gute Kleinstufen, häufig in Verwachsung mit den seltenen Phosphaten Atencioit und Ushkovit; Thumbnails beginnen dort bei rund 150 US-Dollar. Aus Finnland ist Beryllonit in Begleitung von Viitaniemiit bekannt, aus Kanada werden Vorkommen in Québec genannt. Weitere Nachweise verteilen sich auf China, Tschechien, Frankreich, Portugal, Schweden, Großbritannien sowie mehrere US-Bundesstaaten — Kalifornien, Nevada, New Hampshire und New Mexico. Für Sie als Käufer heißt das: Wer heute einen facettierten Beryllonit erwirbt, hält mit großer Wahrscheinlichkeit pakistanisches oder afghanisches Material in der Hand. Alles andere ist entweder historische Sammlungsware oder Stufenmaterial ohne Schleifpotenzial.

Häufige Fragen

Wo liegt die Typlokalität von Beryllonit?
In Stoneham, Oxford County, im US-Bundesstaat Maine. Dort wurde das Mineral 1888 in einem Granitpegmatit am Sugarloaf Mountain entdeckt und erstbeschrieben. Die Fundstelle lieferte kleine, klare und schleifbare Kristalle; aus ihnen stammen die historischen amerikanischen Facettensteine zwischen 2,5 und 20,64 Karat. Heute ist die Lokalität für den Markt ohne Bedeutung.
Aus welchem Land kommt heute die meiste Schleifware?
Aus Pakistan, konkret aus Gilgit-Baltistan mit Chhappu im Braldu-Tal und den Fundstellen im Shigar-Tal. Afghanistan mit Paprok in Nuristan folgt an zweiter Stelle und ist zugleich die Hauptquelle für Katzenaugen-Material. Brasilien, Finnland und Kanada liefern Stufen für Systematiksammlungen, spielen für facettierte Steine aber keine Rolle.
Lohnt sich der Aufpreis für Material aus Maine?
Nur wenn Ihnen die Sammlungsgeschichte wichtig ist. Gemmologisch ist pakistanisches Material dem historischen aus Maine ebenbürtig, teils überlegen, weil größere saubere Rohstücke verfügbar sind. Der Aufschlag auf Stoneham-Ware ist ein reiner Provenienzaufschlag. Verlangen Sie in diesem Fall eine belegte Herkunftskette, sonst zahlen Sie für eine Behauptung.