Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Amblygonit Lexikon · Übersicht

Amblygonit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Amblygonit

Amblygonit ist ein Lithium-Aluminium-Phosphat aus granitischen Pegmatiten, triklin, mit einer Mohs-Härte von 5,5 bis 6 und meist blassgelber bis weißer Farbe. Der Name auf dem Etikett hält einer Prüfung allerdings selten stand: Der überwiegende Teil der geschliffenen Ware gehört mineralogisch zum Schwestermineral Montebrasit.

Amblygonit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklassePhosphate, Arsenate und Vanadate; Mischreihenglied Amblygonit–Montebrasit
Chemische Formel(Li,Na)AlPO4(F,OH); fluordominiertes Glied LiAl(PO4)F (Amblygonit), hydroxyldominiertes Glied LiAl(PO4)(OH,F) (Montebrasit)
Kristallsystemtriklin, pinakoidal (1), Raumgruppe C1; Verzwillingung erzeugt gestreckte, abgeflachte Kristalle
Mohs-Härte5,5 bis 6
Dichte2,98 bis 3,11 g/cm³ (Wikipedia, IGS, galleries.com); AJS Gems nennt 3,00 bis 3,13; für Montebrasit werden 2,98 bis 3,04 angegeben; an einem GIA-Prüfstück gemessen: 3,00
BrechungsindexAmblygonit 1,577 bis 1,613 (nα 1,577–1,591, nβ 1,592–1,605, nγ 1,596–1,613); Montebrasit 1,594 bis 1,645; IGS gibt für Schleifware der Reihe 1,578 bis 1,633 an; GIA maß an einem Stück Spot-RI rund 1,61
Doppelbrechung0,020 bis 0,027 (Wikipedia); IGS nennt 0,020 bis 0,022; für Montebrasit wird 0,026 angegeben. Optisch zweiachsig: Amblygonit negativ, Montebrasit positiv
GlanzGlasglanz bis fettig, auf Spaltflächen perlmuttartig; Strich weiß
Spaltbarkeitnach {100} vollkommen, nach {110} gut, nach {011} deutlich; galleries.com zählt vier Richtungen, sämtlich unter Winkeln ungleich 90°
Bruchuneben bis splittrig, seltener muschelig; spröde
Transparenzdurchscheinend, seltener durchsichtig; Schleifware durchsichtig bis leicht wolkig
Farbenweiß bis cremefarben, farblos, blassgelb, grünlich, bläulich, beige, grau, braun, rosa; seltene violette bis lilafarbene Ware aus Karibib in Namibia
Wichtigste FundorteAmerika (Friedemannsklippe) bei Penig in Sachsen (Typlokalität); Galiléia und die Telírio-Mine bei Linópolis, Divino das Laranjeiras, Minas Gerais, Brasilien; Montebras bei Soumans, Échassières und Collioure, Frankreich; Keystone, Custer County, Tin Mountain Mine, Hugo Mine und Bob-Ingersoll-Mine in den Black Hills, South Dakota; Hebron in Maine und Pala in Kalifornien; Midnight Owl Mine, Yavapai County, Arizona; Karibib in der Region Erongo, Namibia; Varuträsk, Schweden; Sakangyi, Myanmar; Yellowknife, Kanada; Ruanda, Australien, Norwegen
Behandlungenhandelsüblich keine; die IGS berichtet, dass blassgelbe Ware durch Bestrahlung blassgrün werden kann. Hydrothermale Synthese ist beschrieben, eine Verwendung im Schmuck dafür nicht bekannt
Erstbeschreibung1811 an der Friedemannsklippe bei Penig durch Pastor Dürr aus Arnsdorf gefunden, 1817 von August Breithaupt (1791–1873) in Freiberg als neues Mineral erkannt und benannt, 1820 chemisch von Jöns Jakob Berzelius geklärt. Montebrasit ist nach Montebras in der Creuse benannt; ein Erstbeschreibungsjahr ließ sich in den hier geprüften Quellen nicht belegen

Warum auf dem Etikett meist der falsche Name steht

Amblygonit bildet mit Montebrasit eine lückenlose Mischkristallreihe. Beide Minerale haben dieselbe Struktur und dieselbe Grundformel LiAl(PO4)(F,OH); sie unterscheiden sich nur darin, was die eine Anionenposition besetzt. Überwiegt Fluor, sprechen wir von Amblygonit, überwiegt die Hydroxylgruppe, von Montebrasit. Genau an dieser Stelle bricht die Handelsbezeichnung zusammen. Die International Gem Society formuliert es deutlich: fluordominierte Amblygonite seien sehr viel seltener als hydroxyldominierte Montebrasite, und viele als Amblygonit etikettierte Steine in Sammlungen verdienten eine erneute Prüfung. AJS Gems schreibt schlicht, viele als Amblygonit bezeichnete Stücke seien in Wirklichkeit Montebrasit, und die englische Wikipedia nennt Montebrasit deutlich häufiger als den seltenen Amblygonit. Wenn Sie also einen blassgelben Stein mit dem Namen Amblygonit angeboten bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie mineralogisch ein Montebrasit in der Hand halten. Das ist kein Betrug, sondern eine eingefahrene Gewohnheit des Handels — aber Sie sollten sie kennen.

Was ein Labor misst, wenn es die Reihe trennt

Die beiden Glieder lassen sich nicht am Aussehen trennen, sondern nur über Messwerte. Der Brechungsindex verschiebt sich entlang der Reihe, und zwar gegenläufig zur Dichte: Für Amblygonit werden 1,577 bis 1,613 bei 2,98 bis 3,11 g/cm³ genannt, für Montebrasit 1,594 bis 1,645 bei 2,98 bis 3,04 g/cm³. Die IGS beschreibt den Trend als Regel: Brechungsindizes und optischer Achsenwinkel sinken, wenn Natrium- und Fluorgehalt steigen. Dazu kommt ein Vorzeichenwechsel — Amblygonit ist optisch zweiachsig negativ, Montebrasit positiv. Das GIA-Labor hat 2015 ein 1.871 Gramm schweres Schnitzstück mit Spot-Brechungsindex 1,61 und Dichte 3,00 untersucht und die Zuordnung über Raman-Spektroskopie getroffen: Die Lage der Banden bei etwa 600 und 1058 Wellenzahlen sowie eine Bande nahe 3370 für die Hydroxylgruppe wiesen das Stück als Zwischenglied der Reihe aus. Widersprüchlich bleibt, dass galleries.com und AJS Gems behaupten, es gebe gar keine erkennbaren Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften.

Härte 5,5 und vier Spaltrichtungen

Für die Werkstatt ist die Benennungsfrage zweitrangig, die Spaltbarkeit nicht. Amblygonit spaltet nach {100} vollkommen, nach {110} gut und nach {011} deutlich; galleries.com zählt insgesamt vier Richtungen unterschiedlicher Güte und hebt hervor, dass sämtliche Spaltwinkel von 90 Grad abweichen. Genau daher kommt der Name: griechisch amblys für stumpf und goni für Winkel. Das GIA-Labor beobachtete an seinem Prüfstück beginnende Spaltflächen unter rund 65 und 115 Grad. Zusammen mit einer Mohs-Härte von nur 5,5 bis 6 ergibt das einen Stein, der beim Schleifen, beim Fassen und im Alltag nachsichtig behandelt werden will. Die IGS nennt ihn zu weich und zu spaltfreudig für gute Ringsteine und empfiehlt geschützte Fassungen, Anhänger, Broschen und Ohrschmuck. Groß facettierte Steine sind nach derselben Quelle ausgesprochen selten; übliche Schleifware liegt zwischen 1 und 15 Karat.

Von der Friedemannsklippe nach Minas Gerais

Die Geschichte beginnt in Sachsen. 1811 fand Pastor Dürr aus Arnsdorf das Mineral an der Friedemannsklippe im Muldental, 1817 erkannte August Breithaupt in Freiberg es als neue Art und gab ihm seinen Namen, 1820 klärte Jöns Jakob Berzelius die chemische Zusammensetzung. Die Typlokalität ist der Ortsteil Amerika bei Penig; die in der Literatur kursierenden Angaben Arnsdorf und Chursdorf bezeichnen nach Darstellung des Chemnitzer Naturkundemuseums dieselbe Fundstelle. Der Schleifmarkt liegt heute woanders: Die IGS nennt Brasilien als Hauptquelle des gelben Materials, galleries.com und das Comptoir Géologique führen Galiléia in Minas Gerais an, aus der Telírio-Mine bei Linópolis stammen gemmige, honiggelbe Kristalle. Wirtschaftlich war der Stein lange etwas anderes als ein Schmuckstein: In den Black Hills von South Dakota wurde Amblygonit ab 1905 als Lithiumerz gewonnen, in Massen von bis zu 200 Tonnen.

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Kurz gefasst

Amblygonit ist ein Stein für Sammler und für Goldschmiede mit ruhiger Hand, nicht für den Alltag. Kaufen Sie ihn als Anhänger-, Broschen- oder Ohrsteinbesatz, nicht als Ringstein, und verlangen Sie beim Ankauf größerer Stücke eine Messung von Brechungsindex und Dichte — nur so wissen Sie, ob Sie Amblygonit oder Montebrasit bezahlen. Preislich bleibt der Stein günstig: Gemval nennt für Referenzqualität 51,97 bis 160,53 US-Dollar je Karat. Wer sauber geschliffene, augenreine Ware über 5 Karat findet, greift zu; trübe, spaltrissige Stücke lohnen den Fassaufwand nicht.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Amblygonit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist mein Amblygonit in Wirklichkeit ein Montebrasit?
Wahrscheinlich ja. Die IGS hält fluordominierte Amblygonite für viel seltener als hydroxyldominierte Montebrasite und rät ausdrücklich zur Nachprüfung alter Sammlungsetiketten; AJS Gems formuliert dasselbe. Sicherheit gibt nur eine Messung: Brechungsindex, Dichte, optisches Vorzeichen und im Zweifel ein Raman-Spektrum.
Woran erkennt ein Labor den Unterschied?
An der Verschiebung der Kennwerte entlang der Reihe und am optischen Vorzeichen — Amblygonit ist zweiachsig negativ, Montebrasit positiv. Das GIA-Labor nutzte 2015 die Raman-Spektroskopie und stützte die Zuordnung auf die Bandenlage bei etwa 600 und 1058 Wellenzahlen sowie auf die Hydroxylbande nahe 3370.
Taugt der Stein für einen Ring?
Nur eingeschränkt. Bei einer Härte von 5,5 bis 6 und vollkommener Spaltbarkeit nennt die IGS ihn zu weich und zu spaltfreudig für gute Ringsteine. Anhänger, Broschen und Ohrschmuck sind nach derselben Quelle unproblematisch. Für einen Ring brauchen Sie eine Zargenfassung und die Bereitschaft, ihn abzulegen.
Was kostet geschliffener Amblygonit?
Der Bewertungsdienst Gemval nennt im September 2026 für VVS-Ware mit exzellentem Schliff 51,97 US-Dollar je Karat bei 1 Karat in sehr hellem Gelb und 160,53 US-Dollar je Karat bei 10 Karat in hellem bläulichem Grün. Im deutschen Fachhandel kosten einzelne kleine Steine von 3,3 bis 3,6 Millimetern 30 bis 45 Euro je Stück.