Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Amblygonit Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Amblygonit – Entstehung & Mineralogie

Amblygonit

Restschmelzen granitischer Pegmatite

Amblygonit entsteht in granitischen Pegmatiten aus Restschmelzen, die an Lithium, Phosphor und Fluor angereichert sind; seltener tritt er in Graniten und Greisen auf. Er ist damit ein Kind der letzten, wasserreichen Phase einer Granitkristallisation. Wie eng seine Bildung an bestimmte Bedingungen gebunden ist, zeigt die Zonierung der Pegmatite in den Black Hills von South Dakota: Dort tritt Amblygonit ausschließlich in den Zwischenzonen der zonierten Körper auf, nicht im Kern und nicht in der Randzone. In Sachsen wurde 2010 bei Hundshübel Amblygonit zusammen mit Topas in pegmatitischen Linsen im Eibenstocker Granit gefunden — ein Vorkommen, das dieselbe Chemie in einem anderen Gesteinsrahmen zeigt. Die Kristalle sind kurzprismatisch, tafelig oder gedrungen, treten aber weit häufiger als derbe Massen und kompakte Körner auf. Verzwillingung erzeugt gestreckte, abgeflachte Individuen.

Fluor, Hydroxyl und eine lückenlose Reihe

Die Kristallchemie ist der eigentliche Schlüssel zu diesem Mineral. In der Struktur LiAl(PO4)(F,OH) besetzen Fluor und die Hydroxylgruppe dieselbe Position und ersetzen einander vollständig. Eine Untersuchung von Groat und Mitautoren in American Mineralogist, Band 88, Seiten 195 bis 210, aus dem Jahr 2003 beschreibt die Mischkristallreihe als vollständig und ohne Mischungslücke. Die Autoren bestimmten an vier Proben Verhältnisse von F zu (F+OH) von 0,04 für Material aus der Dunton-Grube, 0,45 für Tanco, 0,55 für eine weitere Probe und 0,77 für Material aus Sachsen. Das sächsische Typmaterial liegt also klar auf der fluorreichen Seite. Mit steigendem Fluorgehalt nimmt das Zellvolumen ab, weil das Wasserstoffatom entfällt; die Achse b wächst, während a und c schrumpfen. Natrium tritt zusätzlich anstelle von Lithium ein, was die Formel (Li,Na)AlPO4(F,OH) erklärt.

Paragenese: Womit der Stein im Gestein zusammensteht

Wer ein Handstück beurteilen will, sollte die Begleiter kennen. Galleries.com nennt als typische Paragenese Lepidolith, Quarz, Albit, Elbait, Topas, Kassiterit, Apatit, Brasilianit, Beryllonit, Triphylin, Lithiophilit, Spodumen und Montebrasit selbst. Steine-und-Minerale führt zusätzlich Eosphorit an. Das ist die klassische Mineralgesellschaft eines hoch entwickelten Lithium-Pegmatits, und sie erklärt zugleich ein praktisches Problem: Brasilianit und Beryllonit stammen aus denselben Körpern und gelangen mit derselben Ware in den Handel. In den Black Hills tritt Amblygonit zusammen mit Spodumen, Lepidolith und Triphylin als eines der lithiumführenden Hauptminerale auf. Als Feldkennzeichen nennt galleries.com die Dichte, die Vergesellschaftung, das geologische Umfeld, die Lithium-Flammprobe und vor allem die zahlreichen, stumpfwinkligen Spaltrichtungen. Steine-und-Minerale warnt vor Verwechslung mit Albit und Quarz und verweist ebenfalls auf die Flammenfärbung. Bemerkenswert ist, dass galleries.com auch Montebrasit selbst unter den Begleitmineralen führt: Beide Glieder der Reihe können in ein und demselben Handstück nebeneinander sitzen, was die Bestimmung am Stück zusätzlich erschwert.

Häufige Fragen

In welchem Gestein muss ich suchen?
In granitischen Pegmatiten, die aus lithium-, phosphor- und fluorreichen Restschmelzen hervorgegangen sind, seltener in Graniten und Greisen. In zonierten Pegmatiten der Black Hills beschränkt sich Amblygonit auf die Zwischenzonen.
Gibt es eine Mischungslücke zwischen Amblygonit und Montebrasit?
Nein. Die Neutronenbeugungs- und NMR-Studie von Groat und Mitautoren (American Mineralogist 88, 2003, 195–210) beschreibt eine vollständige Mischkristallreihe ohne Lücke; untersucht wurden Proben mit F/(F+OH) von 0,04 bis 0,77.
Wer hat Amblygonit entdeckt?
Gefunden hat ihn 1811 Pastor Dürr aus Arnsdorf an der Friedemannsklippe im sächsischen Muldental. 1817 erkannte August Breithaupt in Freiberg das neue Mineral und benannte es, 1820 klärte Jöns Jakob Berzelius die Zusammensetzung. Typlokalität ist der Ortsteil Amerika bei Penig.