Vier Spaltrichtungen, keine davon rechtwinklig
Das zentrale Problem am Schleifrad ist die Spaltbarkeit. Amblygonit spaltet nach {100} vollkommen, nach {110} gut und nach {011} deutlich; galleries.com zählt vier Richtungen unterschiedlicher Güte und betont, dass sämtliche Spaltwinkel von 90 Grad abweichen. Genau darauf zielt der Name: griechisch amblys für stumpf, goni für Winkel. In der Praxis heißt das, dass Sie beim Orientieren des Rohsteins keine bequeme rechtwinklige Bezugsebene haben, an der Sie sich ausrichten könnten. Das GIA-Labor beobachtete an einem Prüfstück beginnende Spaltflächen, die sich unter rund 65 und 115 Grad kreuzten — ein Winkelpaar, das Sie sich merken sollten, weil es zugleich ein Erkennungsmerkmal ist. Hinzu kommt die Sprödigkeit und eine Mohs-Härte von nur 5,5 bis 6. Beginnende Spaltrisse unter der Oberfläche eines Rohsteins sind das häufigste Ausschlusskriterium beim Einkauf.
Welche Schliffe funktionieren und was dabei übrig bleibt
Im Handel finden Sie fast ausschließlich Facettenschliffe in ruhigen Umrissen. Ein US-Anbieter listet brasilianische Ware als Oval, Tropfen, Kissen und Trilliant; deutsche Fachhändler führen Rund, Oval, Dreieck und Prinzess in Kalibergrößen um 3,3 bis 3,6 Millimeter. Gemval hält fest, dass geschliffene Steine üblicherweise 10 Karat nicht überschreiten; die IGS nennt 1 bis 15 Karat als Normalbereich, rund 70 Karat als größtes bekanntes Stück und bezeichnet große Facettensteine ausdrücklich als äußerst selten. Als Museumsbelege führt sie 62,5 Karat in Gelb aus Brasilien und 19,7 Karat in Gelb aus Myanmar im Smithsonian, 15,6 Karat im Royal Ontario Museum und 3 Karat farblos im American Museum of Natural History. Dass gleichzeitig ein Schnitzstück von 1.871 Gramm existiert, zeigt: Derbe Massen sind reichlich vorhanden, facettierfähige Partien darin nicht.
Werkstattpraxis: Dopp, Politur, Wärme
Drei Punkte aus der Praxis. Erstens die Aufnahme: Weil die Spaltrichtungen stumpfwinklig verlaufen, sollten Sie den Rohstein vor dem Doppen unter der Lupe auf beginnende Spaltflächen absuchen und die Tafel so legen, dass die vollkommene Spaltfläche nicht parallel zu einer großen Facette liegt. Zweitens die Wärme: Die IGS rät ausdrücklich von Dampf und Ultraschall ab; dieselbe Zurückhaltung gilt für schnelle Temperaturwechsel beim Ankitten und beim Ablösen vom Dopp. Arbeiten Sie mit Kaltkitt oder mechanischer Halterung, wenn Sie die Wahl haben. Drittens die Politur: Bei einer Härte von 5,5 bis 6 ist der Stein empfindlich gegen zu groben Vorschliff, und Glanz ist laut Quellenlage glasartig bis fettig, auf Spaltflächen perlmuttartig — ein stumpf wirkender Bereich auf einer Facette ist deshalb oft keine schlechte Politur, sondern eine angeschnittene Spaltfläche.
