Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Amblygonit Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Amblygonit – Schliff & Bearbeitung

Amblygonit

Vier Spaltrichtungen, keine davon rechtwinklig

Das zentrale Problem am Schleifrad ist die Spaltbarkeit. Amblygonit spaltet nach {100} vollkommen, nach {110} gut und nach {011} deutlich; galleries.com zählt vier Richtungen unterschiedlicher Güte und betont, dass sämtliche Spaltwinkel von 90 Grad abweichen. Genau darauf zielt der Name: griechisch amblys für stumpf, goni für Winkel. In der Praxis heißt das, dass Sie beim Orientieren des Rohsteins keine bequeme rechtwinklige Bezugsebene haben, an der Sie sich ausrichten könnten. Das GIA-Labor beobachtete an einem Prüfstück beginnende Spaltflächen, die sich unter rund 65 und 115 Grad kreuzten — ein Winkelpaar, das Sie sich merken sollten, weil es zugleich ein Erkennungsmerkmal ist. Hinzu kommt die Sprödigkeit und eine Mohs-Härte von nur 5,5 bis 6. Beginnende Spaltrisse unter der Oberfläche eines Rohsteins sind das häufigste Ausschlusskriterium beim Einkauf.

Welche Schliffe funktionieren und was dabei übrig bleibt

Im Handel finden Sie fast ausschließlich Facettenschliffe in ruhigen Umrissen. Ein US-Anbieter listet brasilianische Ware als Oval, Tropfen, Kissen und Trilliant; deutsche Fachhändler führen Rund, Oval, Dreieck und Prinzess in Kalibergrößen um 3,3 bis 3,6 Millimeter. Gemval hält fest, dass geschliffene Steine üblicherweise 10 Karat nicht überschreiten; die IGS nennt 1 bis 15 Karat als Normalbereich, rund 70 Karat als größtes bekanntes Stück und bezeichnet große Facettensteine ausdrücklich als äußerst selten. Als Museumsbelege führt sie 62,5 Karat in Gelb aus Brasilien und 19,7 Karat in Gelb aus Myanmar im Smithsonian, 15,6 Karat im Royal Ontario Museum und 3 Karat farblos im American Museum of Natural History. Dass gleichzeitig ein Schnitzstück von 1.871 Gramm existiert, zeigt: Derbe Massen sind reichlich vorhanden, facettierfähige Partien darin nicht.

Werkstattpraxis: Dopp, Politur, Wärme

Drei Punkte aus der Praxis. Erstens die Aufnahme: Weil die Spaltrichtungen stumpfwinklig verlaufen, sollten Sie den Rohstein vor dem Doppen unter der Lupe auf beginnende Spaltflächen absuchen und die Tafel so legen, dass die vollkommene Spaltfläche nicht parallel zu einer großen Facette liegt. Zweitens die Wärme: Die IGS rät ausdrücklich von Dampf und Ultraschall ab; dieselbe Zurückhaltung gilt für schnelle Temperaturwechsel beim Ankitten und beim Ablösen vom Dopp. Arbeiten Sie mit Kaltkitt oder mechanischer Halterung, wenn Sie die Wahl haben. Drittens die Politur: Bei einer Härte von 5,5 bis 6 ist der Stein empfindlich gegen zu groben Vorschliff, und Glanz ist laut Quellenlage glasartig bis fettig, auf Spaltflächen perlmuttartig — ein stumpf wirkender Bereich auf einer Facette ist deshalb oft keine schlechte Politur, sondern eine angeschnittene Spaltfläche.

Häufige Fragen

Wie schwierig ist Amblygonit zu schleifen?
Schwierig. Vier Spaltrichtungen, sämtlich unter Winkeln ungleich 90 Grad, dazu Härte 5,5 bis 6 und Sprödigkeit. Die IGS bezeichnet gut geschliffene Amblygonite als seltenen Glücksfall und große Facettensteine als äußerst selten.
Welche Schliffformen sind üblich?
Ruhige Umrisse: Oval, Kissen, Tropfen, Trilliant, im Kaliberbereich auch Rund, Dreieck und Prinzess. Größen bleiben laut Gemval meist unter 10 Karat, die IGS nennt 1 bis 15 Karat als üblichen Bereich.
Wie groß war der größte geschliffene Stein?
Die IGS nennt rund 70 Karat für das größte bekannte facettierte Stück, brasilianischer Herkunft. Das Smithsonian bewahrt einen gelben Brasilianer von 62,5 Karat. Als Schnitzstück untersuchte das GIA 2015 ein Objekt von 1.871 Gramm, also 9.355 Karat.