Amblygonit ist ein Lithium-Aluminium-Phosphat aus granitischen Pegmatiten, triklin, mit einer Mohs-Härte von 5,5 bis 6 und meist blassgelber bis weißer Farbe. Der Name auf dem Etikett hält einer Prüfung allerdings selten stand: Der überwiegende Teil der geschliffenen Ware gehört mineralogisch zum Schwestermineral Montebrasit.
Amblygonit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Phosphate, Arsenate und Vanadate; Mischreihenglied Amblygonit–Montebrasit |
| Chemische Formel | (Li,Na)AlPO4(F,OH); fluordominiertes Glied LiAl(PO4)F (Amblygonit), hydroxyldominiertes Glied LiAl(PO4)(OH,F) (Montebrasit) |
| Kristallsystem | triklin, pinakoidal (1), Raumgruppe C1; Verzwillingung erzeugt gestreckte, abgeflachte Kristalle |
| Mohs-Härte | 5,5 bis 6 |
| Dichte | 2,98 bis 3,11 g/cm³ (Wikipedia, IGS, galleries.com); AJS Gems nennt 3,00 bis 3,13; für Montebrasit werden 2,98 bis 3,04 angegeben; an einem GIA-Prüfstück gemessen: 3,00 |
| Brechungsindex | Amblygonit 1,577 bis 1,613 (nα 1,577–1,591, nβ 1,592–1,605, nγ 1,596–1,613); Montebrasit 1,594 bis 1,645; IGS gibt für Schleifware der Reihe 1,578 bis 1,633 an; GIA maß an einem Stück Spot-RI rund 1,61 |
| Doppelbrechung | 0,020 bis 0,027 (Wikipedia); IGS nennt 0,020 bis 0,022; für Montebrasit wird 0,026 angegeben. Optisch zweiachsig: Amblygonit negativ, Montebrasit positiv |
| Glanz | Glasglanz bis fettig, auf Spaltflächen perlmuttartig; Strich weiß |
| Spaltbarkeit | nach {100} vollkommen, nach {110} gut, nach {011} deutlich; galleries.com zählt vier Richtungen, sämtlich unter Winkeln ungleich 90° |
| Bruch | uneben bis splittrig, seltener muschelig; spröde |
| Transparenz | durchscheinend, seltener durchsichtig; Schleifware durchsichtig bis leicht wolkig |
| Farben | weiß bis cremefarben, farblos, blassgelb, grünlich, bläulich, beige, grau, braun, rosa; seltene violette bis lilafarbene Ware aus Karibib in Namibia |
| Wichtigste Fundorte | Amerika (Friedemannsklippe) bei Penig in Sachsen (Typlokalität); Galiléia und die Telírio-Mine bei Linópolis, Divino das Laranjeiras, Minas Gerais, Brasilien; Montebras bei Soumans, Échassières und Collioure, Frankreich; Keystone, Custer County, Tin Mountain Mine, Hugo Mine und Bob-Ingersoll-Mine in den Black Hills, South Dakota; Hebron in Maine und Pala in Kalifornien; Midnight Owl Mine, Yavapai County, Arizona; Karibib in der Region Erongo, Namibia; Varuträsk, Schweden; Sakangyi, Myanmar; Yellowknife, Kanada; Ruanda, Australien, Norwegen |
| Behandlungen | handelsüblich keine; die IGS berichtet, dass blassgelbe Ware durch Bestrahlung blassgrün werden kann. Hydrothermale Synthese ist beschrieben, eine Verwendung im Schmuck dafür nicht bekannt |
| Erstbeschreibung | 1811 an der Friedemannsklippe bei Penig durch Pastor Dürr aus Arnsdorf gefunden, 1817 von August Breithaupt (1791–1873) in Freiberg als neues Mineral erkannt und benannt, 1820 chemisch von Jöns Jakob Berzelius geklärt. Montebrasit ist nach Montebras in der Creuse benannt; ein Erstbeschreibungsjahr ließ sich in den hier geprüften Quellen nicht belegen |
Warum auf dem Etikett meist der falsche Name steht
Amblygonit bildet mit Montebrasit eine lückenlose Mischkristallreihe. Beide Minerale haben dieselbe Struktur und dieselbe Grundformel LiAl(PO4)(F,OH); sie unterscheiden sich nur darin, was die eine Anionenposition besetzt. Überwiegt Fluor, sprechen wir von Amblygonit, überwiegt die Hydroxylgruppe, von Montebrasit. Genau an dieser Stelle bricht die Handelsbezeichnung zusammen. Die International Gem Society formuliert es deutlich: fluordominierte Amblygonite seien sehr viel seltener als hydroxyldominierte Montebrasite, und viele als Amblygonit etikettierte Steine in Sammlungen verdienten eine erneute Prüfung. AJS Gems schreibt schlicht, viele als Amblygonit bezeichnete Stücke seien in Wirklichkeit Montebrasit, und die englische Wikipedia nennt Montebrasit deutlich häufiger als den seltenen Amblygonit. Wenn Sie also einen blassgelben Stein mit dem Namen Amblygonit angeboten bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie mineralogisch ein Montebrasit in der Hand halten. Das ist kein Betrug, sondern eine eingefahrene Gewohnheit des Handels — aber Sie sollten sie kennen.
Was ein Labor misst, wenn es die Reihe trennt
Die beiden Glieder lassen sich nicht am Aussehen trennen, sondern nur über Messwerte. Der Brechungsindex verschiebt sich entlang der Reihe, und zwar gegenläufig zur Dichte: Für Amblygonit werden 1,577 bis 1,613 bei 2,98 bis 3,11 g/cm³ genannt, für Montebrasit 1,594 bis 1,645 bei 2,98 bis 3,04 g/cm³. Die IGS beschreibt den Trend als Regel: Brechungsindizes und optischer Achsenwinkel sinken, wenn Natrium- und Fluorgehalt steigen. Dazu kommt ein Vorzeichenwechsel — Amblygonit ist optisch zweiachsig negativ, Montebrasit positiv. Das GIA-Labor hat 2015 ein 1.871 Gramm schweres Schnitzstück mit Spot-Brechungsindex 1,61 und Dichte 3,00 untersucht und die Zuordnung über Raman-Spektroskopie getroffen: Die Lage der Banden bei etwa 600 und 1058 Wellenzahlen sowie eine Bande nahe 3370 für die Hydroxylgruppe wiesen das Stück als Zwischenglied der Reihe aus. Widersprüchlich bleibt, dass galleries.com und AJS Gems behaupten, es gebe gar keine erkennbaren Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften.
Härte 5,5 und vier Spaltrichtungen
Für die Werkstatt ist die Benennungsfrage zweitrangig, die Spaltbarkeit nicht. Amblygonit spaltet nach {100} vollkommen, nach {110} gut und nach {011} deutlich; galleries.com zählt insgesamt vier Richtungen unterschiedlicher Güte und hebt hervor, dass sämtliche Spaltwinkel von 90 Grad abweichen. Genau daher kommt der Name: griechisch amblys für stumpf und goni für Winkel. Das GIA-Labor beobachtete an seinem Prüfstück beginnende Spaltflächen unter rund 65 und 115 Grad. Zusammen mit einer Mohs-Härte von nur 5,5 bis 6 ergibt das einen Stein, der beim Schleifen, beim Fassen und im Alltag nachsichtig behandelt werden will. Die IGS nennt ihn zu weich und zu spaltfreudig für gute Ringsteine und empfiehlt geschützte Fassungen, Anhänger, Broschen und Ohrschmuck. Groß facettierte Steine sind nach derselben Quelle ausgesprochen selten; übliche Schleifware liegt zwischen 1 und 15 Karat.
Von der Friedemannsklippe nach Minas Gerais
Die Geschichte beginnt in Sachsen. 1811 fand Pastor Dürr aus Arnsdorf das Mineral an der Friedemannsklippe im Muldental, 1817 erkannte August Breithaupt in Freiberg es als neue Art und gab ihm seinen Namen, 1820 klärte Jöns Jakob Berzelius die chemische Zusammensetzung. Die Typlokalität ist der Ortsteil Amerika bei Penig; die in der Literatur kursierenden Angaben Arnsdorf und Chursdorf bezeichnen nach Darstellung des Chemnitzer Naturkundemuseums dieselbe Fundstelle. Der Schleifmarkt liegt heute woanders: Die IGS nennt Brasilien als Hauptquelle des gelben Materials, galleries.com und das Comptoir Géologique führen Galiléia in Minas Gerais an, aus der Telírio-Mine bei Linópolis stammen gemmige, honiggelbe Kristalle. Wirtschaftlich war der Stein lange etwas anderes als ein Schmuckstein: In den Black Hills von South Dakota wurde Amblygonit ab 1905 als Lithiumerz gewonnen, in Massen von bis zu 200 Tonnen.
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Kurz gefasst
Amblygonit ist ein Stein für Sammler und für Goldschmiede mit ruhiger Hand, nicht für den Alltag. Kaufen Sie ihn als Anhänger-, Broschen- oder Ohrsteinbesatz, nicht als Ringstein, und verlangen Sie beim Ankauf größerer Stücke eine Messung von Brechungsindex und Dichte — nur so wissen Sie, ob Sie Amblygonit oder Montebrasit bezahlen. Preislich bleibt der Stein günstig: Gemval nennt für Referenzqualität 51,97 bis 160,53 US-Dollar je Karat. Wer sauber geschliffene, augenreine Ware über 5 Karat findet, greift zu; trübe, spaltrissige Stücke lohnen den Fassaufwand nicht.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Amblygonit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
