Chrom als Hauptbestandteil, nicht als Spur
Die Farbursache des Uwarovits ist dreiwertiges Chrom, dasselbe Element, das Smaragd und Rubin färbt. Der entscheidende Unterschied liegt in der Menge. Bei Smaragd, Tsavorit oder Demantoid wirkt Chrom als Spurenelement in einer ansonsten farblosen Wirtsstruktur; bei Uwarovit besetzt Chrom die gesamte Y-Position des Granatgitters und ist damit stöchiometrischer Hauptbestandteil. Das Grün ist folglich nicht Ergebnis einer zufälligen Verunreinigung, sondern der Formel selbst eingeschrieben. Physikalisch beruht die Farbe auf Übergängen im teilweise gefüllten 3d-Niveau des Chromions im oktaedrischen Sauerstoffumfeld, die im roten und blauvioletten Bereich absorbieren und das Grün durchlassen. Praktische Folgen: Die Farbe ist lichtstabil, sie verblasst nicht und sie lässt sich nicht durch Brennen verbessern, weil nichts zu verbessern ist. Eine Bleichung oder ein Ausbleichen wie bei gefärbten Drusenimitaten tritt bei echtem Uwarovit nicht auf. Pleochroismus fehlt, da das Mineral kubisch und damit optisch isotrop ist.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Uwarovit, reines Endglied | Intensives Smaragd- bis Tiefgrün | Chrom besetzt die gesamte Y-Position; Dichte 3,77–3,81, n = 1,865 |
| Uwarovit-Grossular-Mischkristall | Helleres, gelblicheres Grün | Unbegrenzte Mischbarkeit; Dichte sinkt Richtung 3,4 |
| Uwarovit-Andradit-Mischkristall | Braungrün bis Olivgrün | Eisen auf der Y-Position verschiebt den Ton ins Bräunliche |
| Uwarovit-Druse auf Chromit | Grün auf schwarzer Matrix | Übliche Verkaufsform; der dunkle Untergrund steigert den Kontrast |
| Handelsname „Chromgranat“ | Grün | Unscharf: wird auch für chromhaltigen Grossular und Pyrop verwendet |
| Demantoid, zum Vergleich | Grün bis Gelbgrün | Andradit mit Chromspur, RI 1,881–1,888, Dispersion 0,057 |
| Tsavorit, zum Vergleich | Kräftiges Grün | Grossular mit Vanadium und Chrom, RI 1,72–1,744, Dispersion 0,028 |
Von Smaragdgrün bis Braungrün: das Spektrum
Das Farbspektrum des Uwarovits ist schmal, aber nicht eintönig. Am begehrtesten ist ein sattes, leicht bläuliches Smaragdgrün, wie es die besten Stufen aus dem Ural und aus Outokumpu zeigen. Häufiger sind dunkles Flaschengrün und ein tiefes Grün, das im Auflicht fast schwarzgrün erscheint und erst unter der Lupe seine Brillanz preisgibt. Mit steigendem Andraditanteil verschiebt sich der Ton ins Braungrüne bis Olivgrüne, mit steigendem Grossularanteil wird er heller und gelblicher. Die Wahrnehmung hängt zusätzlich stark von der Kristallgröße ab: Sehr feine Drusen wirken heller und leuchtender, weil viel Licht an den Kristallflächen reflektiert wird, während größere Einzelkristalle dunkler und gesättigter erscheinen. Die Strichfarbe wird in den Quellen uneinheitlich mit weiß beziehungsweise grün angegeben; erwarten Sie einen sehr hellen, allenfalls blassgrünen Strich. Für die Bewertung einer Stufe zählt die Gleichmäßigkeit der Farbe über die ganze Fläche.
Handelsnamen und was sich dahinter verbirgt
Echte Varietäten im gemmologischen Sinn kennt Uwarovit nicht; er ist selbst bereits ein Endglied. Im Handel begegnen Ihnen stattdessen unscharfe Sammelbezeichnungen. „Chromgranat“ ist der häufigste und der problematischste: Er wird sowohl für Uwarovit als auch für chromhaltigen Grossular und für chromgefärbten Pyrop verwendet. „Uwarovit-Druse“ oder „Uwarovit auf Chromit“ bezeichnet die übliche Verkaufsform und sagt nichts über die Qualität. Gelegentlich wird Uwarovit als „Ural-Smaragd“ oder „russischer Smaragd“ angeboten; das ist irreführend, denn Smaragd ist ein Beryll und hat mit Granat nichts gemein. Verwechslungsgefahr besteht zusätzlich mit Dioptas, Grossular, Tsavorit und Demantoid. Der wichtigste praktische Punkt: Uwarovit gilt als der einzige echte Chromgranat im Sinne eines Endglieds. Wenn ein Anbieter grünen Drusenschmuck pauschal als Uwarovit ausweist, prüfen Sie, ob es sich nicht um gefärbten oder metallbedampften Drusenquarz handelt.
