Chromit als Voraussetzung: das geologische Milieu
Uwarovit entsteht dort, wo zwei Bedingungen zugleich erfüllt sind: Es muss viel Chrom verfügbar sein und zugleich genügend Calcium. Chrom findet sich in nennenswerter Menge nur in ultramafischen Gesteinen, also in Peridotiten und den daraus hervorgegangenen Serpentiniten, und dort konzentriert in Chromit. Calcium liefern kalkhaltige Nebengesteine oder calciumreiche Fluide. Wo beides zusammentrifft, kristallisiert Uwarovit unter metamorphen und hydrothermalen Bedingungen aus, bevorzugt in Klüften und auf Spaltflächen innerhalb der Chromiterzkörper und an deren Rand. Typisch sind serpentinisierte Peridotite, Skarnbildungen und metamorphe Kalksteine. In magmatischen Gesteinen tritt er nur selten auf. Diese Bindung an Chromit ist der Grund für die enge Fundortliste: Uwarovit begleitet den Chromerzbergbau. Die Saranowskoje-Grube im Ural und die Kop-Krom-Grube bei Erzurum sind Chromitgruben, Outokumpu eine sulfidische Buntmetall-Lagerstätte mit chromhaltigen Einheiten. Sammler finden Uwarovit deshalb fast immer auf schwarzer Chromitmatrix, was den Farbkontrast der grünen Kristalle zusätzlich verstärkt.
Die Kristallchemie der Y-Position
Granate folgen dem Bauschema X3Y2(SiO4)3. Die X-Position nehmen zweiwertige Ionen ein, bei Uwarovit ausschließlich Calcium; die Y-Position ist mit dreiwertigen Ionen besetzt, bei Uwarovit mit Chrom. Damit gehört Uwarovit zur Ugrandit-Reihe, zusammen mit Grossular (Aluminium auf Y) und Andradit (Eisen auf Y). Zwischen diesen drei Endgliedern besteht unbegrenzte Mischbarkeit: Chrom, Aluminium und Eisen können einander in beliebigem Verhältnis vertreten. Praktisch bedeutet das, dass reiner Uwarovit selten ist und die meisten Stufen Mischkristalle mit Grossular- oder Andraditanteil darstellen. Genau daher rühren die weit gespannten Kennwerte: Die Dichte reicht von 3,4 bis 3,8 Gramm je Kubikzentimeter, der Brechungsindex von 1,74 bis 1,87. Für das reine Endglied werden 3,77 bis 3,81 und n = 1,865 angegeben. Als kubisches Mineral ist Uwarovit eigentlich optisch isotrop; natürliche Kristalle zeigen jedoch gelegentlich anomale Doppelbrechung, die auf Gitterspannungen und lokale Symmetrieerniedrigung zurückgeführt wird.
Erstbeschreibung 1832 und die Frage der Typlokalität
Germain Henri Hess, ein in Genf geborener und in Russland wirkender Chemiker, beschrieb Uwarovit 1832 aus dem Mittleren Ural und widmete ihn Graf Sergei Semjonowitsch Uwarow. Bei der genauen Typlokalität gehen die Quellen auseinander, und diesen Punkt sollten Sie kennen, bevor Sie eine Stufe als „Typlokalität“ bezahlen: Die deutschsprachige mineralogische Literatur nennt Biserskoje (Biser) in der Region Perm, während der internationale Sammlerhandel und die Auktionshäuser durchweg die Saranowskoje-Grube bei Sarany führen. Beide Orte liegen im selben Chromitrevier des Mittleren Ural, wenige Kilometer auseinander, weshalb die Bezeichnungen in der Praxis oft synonym verwendet werden. Die Kristallstruktur der Granate und damit auch des Uwarovits klärte Georg Menzer 1929 röntgenographisch. Synthetisch hergestellt wurde Uwarovit erstmals 1950 durch F. A. Hummel; Flux-gezüchtetes Material dient bis heute ausschließlich der Forschung und spielt im Schmuckhandel keine Rolle.
