Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Uwarovit Lexikon · Übersicht

Uwarovit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Uwarovit

Uwarovit ist das Chrom-Endglied der Granatgruppe und der einzige Granat, dessen Grün nicht von einer Spur, sondern von einem Hauptbestandteil der Formel stammt. Verkauft wird fast nie der Einzelkristall, sondern die Druse: Die Kristalle bleiben meist unter zwei Millimetern.

Uwarovit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Inselsilikate (Nesosilikate); Granatgruppe, Ugrandit-Reihe; Strunz 9.AD.25, Dana 51.04.03b.03
Chemische FormelCa3Cr2(SiO4)3, auch Ca3Cr2[SiO4]3 geschrieben
Kristallsystemkubisch, Raumgruppe Ia-3d (Nr. 230), Gitterparameter a = 12,00 Ångström, Z = 8
Mohs-Härte6,5 bis 7,5 (im Handel meist mit 7,5 angegeben)
Dichte3,4 bis 3,8 g/cm³; für das reine Endglied 3,77 bis 3,81 g/cm³
Brechungsindex1,74 bis 1,87; reines Endglied n = 1,865, facettierbares Material nach IGS 1,88 bis 1,89
Doppelbrechungkeine, optisch isotrop; natürliche Kristalle zeigen gelegentlich anomale Doppelbrechung durch Gitterspannung
GlanzGlasglanz, teils fettglänzend, bei gemmy Kristallen bis subdiamanten
Spaltbarkeitkeine
Bruchmuschelig bis uneben, spröde
Transparenzdurchsichtig bis undurchsichtig; Drusenmaterial wirkt in der Masse undurchsichtig
FarbenSmaragdgrün, Dunkelgrün, Braungrün, Grünschwarz; Strichfarbe weiß bis blassgrün (Quellen widersprechen sich)
Wichtigste FundorteSaranowskoje-Grube bei Sarany und Biser, Region Perm, Mittlerer Ural (Russland); Outokumpu, Nordkarelien (Finnland); Thetford Mines und Magog, Quebec (Kanada); Szklary-Massiv (Polen); Kop-Krom-Grube, Erzurum (Türkei); Val Malenco (Italien); Kalifornien (USA)
Behandlungenkeine bekannt; Flux-Synthese nur für Forschungszwecke, kein Schmuckmarkt
Erstbeschreibung1832 durch Germain Henri Hess, benannt nach Graf Sergei Semjonowitsch Uwarow (1765–1855)

Der einzige Granat, dessen Grün zur Formel gehört

Uwarovit trägt die Formel Ca3Cr2(SiO4)3 und ist damit das Chrom-Endglied der Granatgruppe, eingeordnet in die Ugrandit-Reihe neben Grossular und Andradit. Der Unterschied zu allen anderen grünen Granaten ist grundsätzlich: Bei Tsavorit oder Demantoid sitzt Chrom oder Vanadium als Spurenelement im Gitter, bei Uwarovit besetzt Chrom die gesamte Y-Position der Struktur. Grün ist hier kein Zufall der Chemie, sondern Bauprinzip. Deshalb gibt es keinen farblosen oder gelben Uwarovit im eigentlichen Sinn. Mit zunehmendem Grossular- oder Andraditanteil hellt die Farbe auf oder geht ins Braungrüne, dann aber handelt es sich streng genommen um Mischkristalle. Mit Grossular und Andradit besteht unbegrenzte Mischbarkeit, und genau das erklärt die in der Literatur stark schwankenden Dichte- und Brechungswerte. Kristallographisch ist Uwarovit kubisch, Raumgruppe Ia-3d, Gitterparameter a = 12,00 Ångström. Die Mohs-Härte liegt bei 6,5 bis 7,5, die Dichte je nach Reinheit zwischen 3,4 und 3,8 Gramm je Kubikzentimeter.

Warum Uwarovit als Druse gehandelt wird und nicht als Stein

Der Handel mit Uwarovit folgt einer eigenen Logik, weil die Kristalle klein bleiben. Am Ural erreichen sie typischerweise bis zwei Millimeter, in Ausnahmefällen bis acht Millimeter; nur Outokumpu in Finnland lieferte Einzelkristalle bis zwei Zentimeter. Facettierbares Material ist so selten, dass geschliffene Steine kaum je ein Karat erreichen. Meist bleiben sie unter 0,25 Karat, finnische Exemplare unter einem halben Karat. Verkauft wird deshalb die Druse: eine Chromitmatrix, überzogen von dicht gedrängten Rhombendodekaedern, die wie grüner Zucker glitzern. Der Preis richtet sich nach der bedeckten Fläche, nach der Kristalldichte auf dieser Fläche und nach der Farbtiefe, nicht nach Karat. Eine Rohstufe von rund 2,5 mal 2,0 Zentimetern kostet im deutschen Fachhandel etwa 23 bis 39 Euro, eine Platte von 170 bis 193 Gramm rund 75 Euro, ein montiertes Schaustück von 8 mal 7 Zentimetern 114 Euro. Wer Uwarovit nach Gewicht kauft, kauft vor allem Muttergestein.

Vom Ural nach Outokumpu: die Quellen, die den Markt tragen

Die Erstbeschreibung stammt von 1832 durch Germain Henri Hess, der das Mineral nach Graf Sergei Semjonowitsch Uwarow benannte, dem Präsidenten der Petersburger Akademie der Wissenschaften. Die Typlokalität liegt im Mittleren Ural in der Region Perm. Die deutschsprachige mineralogische Literatur nennt Biserskoje (Biser), Sammlerhandel und Auktionshäuser führen dagegen fast durchweg die benachbarte Saranowskoje-Grube bei Sarany als Typlokalität; beide Punkte liegen im selben Chromiterz-Revier. Praktisch stammt das allermeiste Marktmaterial aus Saranowskoje, wo Uwarovit zusammen mit Chromit und dem violetten Kämmererit auftritt. Die zweite klassische Quelle ist Outokumpu in Nordkarelien, eine Kupfer-Kobalt-Zink-Nickel-Lagerstätte, die die größten und schärfsten Kristalle lieferte. Als dritte Quelle gilt Kanada mit Vorkommen in Quebec, etwa bei Thetford Mines und Magog. Weitere Fundpunkte liegen in Polen, der Türkei, Italien, Norwegen, Südafrika und in dreizehn US-Bundesstaaten.

Was Uwarovit von Demantoid und Tsavorit trennt

Drei grüne Granate werden regelmäßig verwechselt, obwohl sie unterschiedlichen Endgliedern angehören und auf völlig verschiedenen Märkten gehandelt werden. Demantoid ist grüner Andradit, Ca3Fe2Si3O12, mit Brechungsindex 1,881 bis 1,888, Dichte 3,82 bis 3,88 und einer Dispersion von 0,057, die das Feuer des Diamanten übertrifft; sein Grün stammt von Chromspuren, sein Kennzeichen sind die Pferdeschweif-Einschlüsse. Tsavorit ist grüner Grossular, Ca3Al2Si3O12, gefärbt durch Vanadium und Chrom, mit Brechungsindex 1,72 bis 1,744, Dichte 3,55 bis 3,73 und Dispersion 0,028. Beide werden facettiert und pro Karat gehandelt, bei Tsavorit springt der Karatpreis oberhalb von zwei Karat deutlich. Uwarovit liegt mit Brechungsindex 1,74 bis 1,87 und Dispersion 0,014 bis 0,021 dazwischen, ist aber praktisch nie in facettierbarer Größe verfügbar. Er ist damit kein Konkurrent im Steinhandel, sondern ein Sammler- und Drusenmineral. Wer einen grünen Granat für einen Ring sucht, kauft Tsavorit oder Demantoid.

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Kurz gefasst

Uwarovit ist ein Kauf für Sammler und für Goldschmiede, die eine ungewöhnliche Fläche brauchen, nicht für den klassischen Ringstein. Prüfen Sie beim Kauf drei Dinge: wie lückenlos die Kristalle die Matrix bedecken, wie tief und gleichmäßig das Grün ist und ob die Stufe scharfe, unbeschädigte Kristallspitzen zeigt. Für den Einstieg reicht eine Stufe um 30 bis 40 Euro; eine flächige Platte um 75 Euro zeigt den Effekt deutlich besser. Lassen Sie sich die konkrete Grube nennen, nicht nur das Land.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Uwarovit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Uwarovit ein günstiger Ersatz für Smaragd?
Nein. Beide verdanken ihr Grün dem Chrom, aber Uwarovit ist in Schmucksteingröße praktisch nicht verfügbar. Geschliffene Steine bleiben in aller Regel unter 0,25 Karat. Uwarovit ersetzt keinen Smaragd, er ist ein Sammlermineral mit einer eigenen, sehr charakteristischen Erscheinungsform als Druse.
Warum gibt es fast keine facettierten Uwarovite?
Weil die Kristalle zu klein und fast immer stark eingeschlossen sind. Selbst wo einzelne Kristalle einen oder zwei Zentimeter erreichen, ist nur ein kleiner Teil klar genug zum Facettieren. Ein sauberer Stein über einem Karat gilt als Ausnahmeerscheinung, die im normalen Handel nicht vorkommt.
Woher kommt der Name Uwarovit?
Germain Henri Hess beschrieb das Mineral 1832 aus dem Mittleren Ural und benannte es nach Graf Sergei Semjonowitsch Uwarow (1765–1855), Mineraliensammler und Präsident der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. Die Kristallstruktur klärte Georg Menzer 1929, die erste Synthese gelang F. A. Hummel 1950.
Wie selten ist Uwarovit wirklich?
Als Mineral ist er weltweit von zahlreichen Fundpunkten bekannt, gute Stufen sind jedoch knapp. Händler und Auktionshäuser berichten, dass aus der Saranowskoje-Grube seit Jahren kaum noch Material auf den Markt kommt; Spitzenstufen von der Typlokalität gelten seit den frühen 1990er Jahren als rar.