Vom Charnockit zum Unakit: das Ausgangsgestein der Blue Ridge Mountains
Am besten untersucht ist die Entstehung des Unakits in den Blue Ridge Mountains von Virginia. Dort ist das Ausgangsgestein kein gewöhnlicher Granit, sondern ein Charnockit, ein plutonisches, pyroxenführendes Granofels aus Quarz, Feldspat, Hypersthen, Hornblende, Augit und Biotit. Dieses Grundgebirge gehört zur grenvillischen Kruste und wurde mit einem Alter von 1021 plus minus 36 Millionen Jahren datiert; es baut die Massive von Pedlar und Lovingston auf. Darüber liegt diskordant die neoproterozoische Catoctin-Basaltformation mit einem Alter zwischen 700 und 570 Millionen Jahren. Die Basalte wurden später rund 100 Kilometer nach Nordwesten überschoben. Aus ihnen stammen vermutlich die Fluide, die den Charnockit durchdrangen. Ob die Epidotisierung unmittelbar mit dem Catoctin-Vulkanismus zusammenhängt oder erst während der alleghanischen Gebirgsbildung vor 300 bis 250 Millionen Jahren stattfand, wird bis heute diskutiert. Strontiumgehalte und Europium-Anomalien der Epidote sprechen für mehrere Fluidgenerationen.
Epidotisierung im Detail: welche Minerale sich umwandeln
Die Epidotisierung ist eine metasomatische Umwandlung, also ein Stoffaustausch mit einer durchströmenden Lösung. Angegriffen werden die calciumreichen Plagioklase sowie Biotit, Hornblende und Pyroxen. Sie liefern das Calcium, das Aluminium und das Eisen, aus denen Epidot aufgebaut wird. Quarz und Kalifeldspat bleiben dagegen weitgehend unverändert stehen, weil sie kein Calcium enthalten und in den beteiligten Lösungen stabil sind. Genau das erzeugt den Farbkontrast, für den Unakit gekauft wird. Unter dem Mikroskop sind die Zwischenstadien gut zu sehen: myrmekitische Verwachsungen mit wurmförmigen Quarzeinlagerungen in Plagioklas, der bereits zu Epidot umgesetzt ist, perthitische Entmischungslamellen, deren Plagioklasanteile in Epidot übergehen, sowie drusige Hohlräume mit grobkörnigem Epidot, ein Hinweis auf niedrige Bildungstemperaturen. Die Alterationsreihe verläuft vom frischen Charnockit über den Unakit bis zum Epidosit, in dem Feldspat praktisch vollständig fehlt.
Frank Bradley 1874: die Erstbeschreibung an der Unaka Range
Beschrieben wurde das Gestein 1874 von Frank Howe Bradley, einem Geologen, der im Osten Tennessees arbeitete. Er sammelte seine Belegstücke an drei Punkten in Cocke County, Tennessee: an einer Lokalität namens The Bluff, am Walnut Mountain und am Max Patch. Den Namen wählte er nach der Unaka Range, jenem Teilgebirge der Appalachen, das die Grenze zwischen dem westlichen North Carolina und dem östlichen Tennessee bildet und zum Großraum der Great Smoky Mountains gehört. Damit ist Unakit einer der wenigen Schmucksteine, deren Bezeichnung von Anfang an ein Gesteinsname war und kein Handelsname. Interessant ist eine ältere, heute aufgegebene Verwendung: In der europäischen Petrographie bezeichnete man zeitweise auch finnische Gesteine aus weißem Feldspat, rotem Epidot und grünem Chlorit als Unakit. Für diese wird inzwischen der eigene Name Helsinkit verwendet, was Verwechslungen in älterer Literatur erklärt.
