Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Sultanit Lexikon

Sultanit Herkunft – das Ilbir-Gebirge in der Türkei

Sultanit

Diaspor ist als Mineral weltweit verbreitet. Transparentes, schleifbares Material in nennenswerter Größe kommt bislang jedoch aus einem einzigen Gebiet: dem Ilbir-Gebirge im Südwesten der Türkei.

Ein verbreitetes Mineral, ein seltener Edelstein

Diaspor gehört zu den Hauptbestandteilen von Bauxit, dem Aluminiumerz, und ist damit alles andere als selten. In fast allen Fällen liegt er jedoch als feinkörnige, undurchsichtige Masse vor. Was den Edelstein ausmacht, ist nicht das Mineral, sondern die Ausnahme: einzelne Bereiche, in denen Kristalle groß und klar genug gewachsen sind, um daraus einen Stein zu schleifen.

Das Vorkommen bei Milas

Das bekannte Vorkommen liegt in den Ilbir Dağları in der Provinz Muğla nahe der Stadt Milas, im Hinterland der türkischen Ägäisküste. Der Diaspor bildete sich dort in metamorph überprägten Bauxitlagen innerhalb von Marmor. Diese Kombination – aluminiumreiches Ausgangsmaterial, karbonatisches Nebengestein, und der passende Druck- und Temperaturbereich – ist der Grund, warum das Material dort transparent wurde und anderswo nicht.

Was das für den Markt bedeutet:
  • Ein Fundort: keine alternative Bezugsquelle, wenn die Förderung stockt
  • Geringe Ausbeute: aus großem Rohmaterial entstehen wegen der Spaltbarkeit oft nur kleine Steine
  • Größe: Steine über 5 Karat sind selten, über 10 Karat ausgesprochen selten
  • Preisfolge: die Preise steigen mit der Größe überproportional
  • Fälschungsdruck: die Knappheit erzeugt genau den Markt, den Imitate bedienen

Warum kein zweiter Fundort auftaucht

Bei den meisten Edelsteinen folgt auf die Entdeckung eines Vorkommens früher oder später ein zweites in ähnlicher Geologie. Beim edelsteintauglichen Diaspor ist das bisher nicht geschehen. Kleinere Funde transparenten Diaspors sind aus Russland, den USA und einigen anderen Ländern beschrieben, aber sie liefern kein Material in Schleifqualität und Menge. Das kann sich ändern – Aussagen über künftige Knappheit sind Spekulation und sollten beim Kauf keine Rolle spielen.

Herkunftsnachweis

Anders als bei Rubin oder Saphir gibt es beim Diaspor keine etablierte Herkunftsbestimmung mit Zertifikat, schlicht weil es keine zweite Quelle zum Vergleich gibt. Ein Zertifikat kann bestätigen, dass es sich um Diaspor handelt – die Herkunftsangabe „Türkei“ ergibt sich daraus praktisch von selbst. Wichtiger als die Herkunftsfrage ist deshalb die Materialbestimmung.

Häufige Fragen

Woher kommt Sultanit?
Aus dem Ilbir-Gebirge in der Provinz Muğla nahe Milas im Südwesten der Türkei. Der Diaspor entstand dort in metamorph überprägten Bauxitlagen innerhalb von Marmor.
Gibt es Sultanit auch anderswo?
Diaspor als Mineral ist weltweit verbreitet, etwa als Bestandteil von Bauxit. Transparentes, schleifbares Material in nennenswerter Menge ist bislang nur aus dem türkischen Vorkommen bekannt.
Wie groß werden Sultanite?
Geschliffene Steine über 5 Karat sind selten, über 10 Karat ausgesprochen selten. Die vollkommene Spaltbarkeit begrenzt die Ausbeute aus dem Rohmaterial zusätzlich.
Verwandte Steine: Alexandrit  ·  Fluorit  ·  Granat

Fazit

Ein einziger bekannter Fundort, geringe Ausbeute und schwierige Bearbeitung – das erklärt Preis und Seltenheit des Sultanits. Und es erklärt, warum so viele Imitate im Umlauf sind.