Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Sultanit Lexikon

Sultanit erkennen – echt, Glas oder synthetischer Korund?

Sultanit

Sultanit ist teuer, selten und optisch auffällig – eine Kombination, die Imitate anzieht. Ein erheblicher Teil des als Sultanit angebotenen Materials ist farbwechselndes Glas oder synthetischer Korund.

Was tatsächlich verkauft wird

Unter dem Namen Sultanit oder Zultanite werden im Handel drei Materialien angeboten, die miteinander nichts zu tun haben: echter Diaspor, farbwechselndes Glas und farbwechselnder synthetischer Korund. Besonders im Onlinehandel und auf Reisemärkten ist der Anteil der Imitate hoch. Die Preisspanne allein hilft nicht weiter, weil auch Imitate zu Preisen angeboten werden, die ein echtes Stück nahelegen.

Aus der Laborpraxis – Diaspor bestimmen:
  • Doppelbrechung: etwa 0,048 – bei Diaspor sind Facettenkanten unter der Lupe sichtbar doppelt. Glas ist isotrop und zeigt das nie.
  • Brechungsindex: 1,70–1,75, deutlich über typischem Glas (etwa 1,5–1,6)
  • Dichte: 3,3–3,5 g/cm³ – Glas liegt meist deutlich niedriger
  • Spaltrisse: Diaspor zeigt oft feine Spaltansätze parallel zu einer Richtung
  • Einschlüsse: Glas zeigt runde Gasblasen und Schlieren, Diaspor kristalline Einschlüsse und Spaltflächen

Die Doppelbrechung ist das entscheidende Merkmal

Der praktikabelste Test ohne Gerät ist die Facettenverdopplung. Diaspor hat mit rund 0,048 eine sehr hohe Doppelbrechung – höher als Peridot, in der Größenordnung von Zirkon. Blickt man mit einer 10-fach-Lupe durch die Tafel auf die gegenüberliegenden Facettenkanten, erscheinen diese bei richtiger Blickrichtung deutlich doppelt. Glas kann das nicht, weil es optisch isotrop ist. Synthetischer Korund ist zwar doppelbrechend, aber nur mit etwa 0,008 – die Verdopplung ist dort nicht sichtbar.

Synthetischer Korund mit Farbwechsel

Farbwechselnder synthetischer Korund wird seit Jahrzehnten hergestellt, ursprünglich als Alexandrit-Imitat. Sein Wechsel geht von blaugrau oder graugrün zu purpur oder rotviolett – ein anderer Charakter als beim Diaspor, aber auf Fotos schwer zu unterscheiden. Am Stein selbst trennen ihn Härte (9 statt 6,5–7), Dichte (etwa 4,0 statt 3,3–3,5) und die fehlende Spaltbarkeit zuverlässig vom Diaspor.

Was der Farbwechsel allein nicht beweist

Ein häufiger Irrtum: Wenn der Stein die Farbe wechselt, sei er echt. Das gilt nicht. Farbwechsel lässt sich in Glas gezielt erzeugen, meist über Seltenerd-Zusätze wie Neodym. Solches Glas wechselt oft sogar auffälliger als mancher echte Diaspor. Der Farbwechsel ist kein Echtheitsnachweis – erst die Kombination aus Doppelbrechung, Dichte und Einschlussbild ist eindeutig. Im Zweifel lohnt eine Prüfung im gemmologischen Labor.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich echten Sultanit?
Das zuverlässigste Merkmal ohne Gerät ist die Facettenverdopplung unter der Lupe: Diaspor hat eine Doppelbrechung von etwa 0,048, sodass gegenüberliegende Facettenkanten doppelt erscheinen. Glas als isotropes Material zeigt das nie.
Beweist der Farbwechsel, dass ein Stein echt ist?
Nein. Farbwechsel lässt sich in Glas gezielt erzeugen, meist über Neodym-Zusätze, und wirkt dort oft sogar auffälliger als bei echtem Diaspor. Erst Doppelbrechung, Dichte und Einschlussbild zusammen sind aussagekräftig.
Wie unterscheidet sich Sultanit von synthetischem Korund?
Synthetischer Korund hat Mohshärte 9, eine Dichte um 4,0 und keine Spaltbarkeit. Diaspor liegt bei 6,5 bis 7, Dichte 3,3 bis 3,5 und zeigt vollkommene Spaltbarkeit. Auch die Doppelbrechung trennt beide deutlich.
Wird Sultanit behandelt?
Für Diaspor sind keine gängigen Farbbehandlungen bekannt. Das Problem im Handel sind nicht behandelte Steine, sondern Imitate aus Glas und synthetischem Korund, die unter demselben Namen verkauft werden.
Verwandte Steine: Alexandrit  ·  Fluorit  ·  Granat

Fazit

Beim Sultanit ist die Echtheitsfrage wichtiger als jede Qualitätsfrage. Die Doppelbrechung trennt Diaspor sicher von Glas – der Farbwechsel allein beweist gar nichts.