Sultanit ist die edelsteintaugliche Varietät des Minerals Diaspor – ein Farbwechsler, der zwischen Gelbgrün, Hellorange und Rosé changiert. Er kommt an einem einzigen Fundort der Welt vor. Genau das macht den Markt anfällig für Imitate.
Was ist Sultanit?
Sultanit ist Diaspor, ein Aluminiumoxidhydroxid mit der Formel AlO(OH). Das Mineral selbst ist verbreitet und ein Hauptbestandteil von Bauxit – edelsteintauglich, also transparent und in schleifbarer Größe, ist es dagegen ausgesprochen selten. „Sultanit“ ist ein Handelsname, ebenso wie die Bezeichnungen Zultanite und Csarite, die von einzelnen Anbietern geschützt wurden. Gemmologisch korrekt heißt der Stein Diaspor.
- Mineral: Diaspor – AlO(OH), orthorhombisch
- Mohs-Härte: 6,5–7 · Dichte: 3,3–3,5 g/cm³
- Brechungsindex: 1,70–1,75 · Doppelbrechung: etwa 0,048 – ungewöhnlich hoch
- Spaltbarkeit: vollkommen nach {010} – der entscheidende Praxispunkt
- Farbe: Farbwechsel von gelbgrün über hellorange bis rosé
- Fundort: Ilbir Dağları bei Milas, Provinz Muğla, Türkei
Der Farbwechsel
Sultanit gehört zu den wenigen Edelsteinen mit echtem Farbwechsel: Im Tageslicht erscheint er gelb- bis olivgrün, unter Glühlicht wechselt er zu Hellorange, Champagner oder Rosé. Die Ursache liegt in Spuren von Eisen und Mangan im Kristallgitter und im Zusammenspiel mit der spektralen Verteilung der Lichtquelle. Mehr dazu auf der Seite Sultanit Farbwechsel.
Ein einziger Fundort
Edelsteintauglicher Diaspor stammt praktisch ausschließlich aus dem Ilbir-Gebirge in der türkischen Provinz Muğla. Diaspor als Mineral ist weltweit verbreitet, aber transparentes, schleifbares Material in nennenswerter Größe ist bislang nur von dort bekannt: Herkunft und Vorkommen.
Die vollkommene Spaltbarkeit
Der wichtigste praktische Punkt: Diaspor besitzt eine vollkommene Spaltbarkeit. Die Mohshärte von 6,5 bis 7 klingt unproblematisch, sagt aber nichts über die Schlagempfindlichkeit. Ein Stoß in der falschen Richtung kann den Stein entlang der Spaltfläche teilen. Das schränkt die Schmuckverwendung deutlich ein und erklärt auch, warum aus großem Rohmaterial oft nur kleine geschliffene Steine entstehen: Sultanit in Schmuck.
Alle Themen im Überblick
- Sultanit Farbwechsel – Ursache und Beurteilung
- Sultanit erkennen – echt, Glas oder synthetischer Korund
- Herkunft – das Ilbir-Gebirge in der Türkei
- Sultanit Preis – was den Wert bestimmt
- Sultanit Schmuck – Spaltbarkeit und Fassung
- Sultanit kaufen – worauf man achten sollte
Häufige Fragen
Sultanit – Kennzahlen im Überblick
- Familie: Aluminiumoxidhydroxid (AlO(OH))
- Chemische Formel: AlO(OH)
- Kristallsystem: Orthorhombisch
- Mohs-Härte: 6,5–7
- Dichte: 3,30–3,39 g/cm³
- Brechungsindex: 1,682–1,752
- Dispersion: 0,048
- Farben: Grünlichgrau bis lila unter Tageslicht — rosa bis champagnerfarben unter Kunstlicht
- Herkunft: Türkei (Mugla, Milas), Russland (Ural), Ungarn, USA (Massachusetts)
- Behandlung: Keine
- Seltenheit: sehr selten
Qualität und Wert
| Merkmal | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Farbwechsel | Intensität und Sauberkeit des Wechsels: grünlichkaki bis lila-violett (Tageslicht) → rosa bis champagner (Kunstlicht). Starker Wechsel = wertvoller. |
| Dispersion | 0,048 — fast so hoch wie Demantoid. Starkes Feuer in facettierten Steinen. |
| Einzelner Fundort | Die Mugla-Mine in der Türkei ist der einzige bekannte Fundort für facettierbare Qualität — ein Knappheitsfaktor wie bei Tansanit. |
| Handelsnamen | Zultanite (benannt nach osmanischen Sultanen) und Csarite (benannt nach russischen Zaren) sind Marketingnamen für türkischen Farbwechsel-Diaspor. |
Fazit
Sultanit ist ein echter Farbwechsler mit nur einem bekannten Fundort. Wer ihn kauft, sollte zwei Dinge prüfen: ob der Farbwechsel real ist und nicht aus Glas stammt, und ob die Fassung der Spaltbarkeit Rechnung trägt.
