Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Sultanit Lexikon

Sultanit Farbwechsel – von Gelbgrün zu Hellorange

Sultanit

Der Farbwechsel ist das Merkmal, für das Sultanit gekauft wird. Er ist echt – aber er fällt je nach Stein sehr unterschiedlich aus, und die Lichtquelle entscheidet mit.

Wie der Farbwechsel entsteht

Ein Farbwechsel entsteht, wenn ein Mineral zwei Bereiche des sichtbaren Spektrums durchlässt und dazwischen absorbiert. Beim Diaspor liegen diese Fenster im Grün und im Rot. Welche Farbe dominiert, hängt davon ab, welche Wellenlängen die Lichtquelle überhaupt liefert. Verantwortlich sind Spuren von Eisen und Mangan im Kristallgitter.

Tageslicht ist reich an kurzwelligem Anteil – der Stein erscheint gelb- bis olivgrün. Glühlicht und Kerzenlicht sind rotlastig – der Stein kippt zu Hellorange, Champagner oder Rosé.

Aus der Prüfpraxis – den Farbwechsel beurteilen:
  • Tageslicht: nordseitiges Fenster, keine direkte Sonne
  • Kunstlicht: echte Glühlampe oder Halogen – LED verfälscht das Ergebnis
  • Umschaltzeit: mehrere Sekunden warten, das Auge adaptiert langsam
  • Hintergrund: neutral weiß oder grau, kein farbiges Tuch
  • Vergleich: mehrere Steine nebeneinander zeigen Unterschiede deutlicher als ein Einzelstück

Warum LED-Licht das Ergebnis verfälscht

Ein Punkt, der beim Onlinekauf regelmäßig zu Enttäuschungen führt: Die meisten LED-Lampen haben ein lückenhaftes Spektrum mit einer Spitze im Blau und einem breiten, aber unregelmäßigen Anteil im übrigen Bereich. Ein Farbwechselstein reagiert darauf anders als auf eine Glühlampe. Produktfotos unter LED zeigen deshalb häufig einen Wechsel, der zu Hause so nicht auftritt – oder umgekehrt einen, der schwächer wirkt als in Wirklichkeit.

Stark, mittel, schwach

Der Farbwechsel ist keine Ja-Nein-Eigenschaft. Bei guten Steinen liegen die beiden Farben deutlich auseinander und beide sind gesättigt. Bei schwachen Steinen bleibt es bei einer Nuancenverschiebung im Braunbereich, die man nur im direkten Vergleich bemerkt. Da es keine verbindliche Skala gibt, sollte man den Wechsel selbst sehen oder auf Bildern unter beiden Lichtarten dokumentiert bekommen. Was das für den Preis bedeutet: Sultanit Preis.

Farbwechsel und Schliff

Der Schliff beeinflusst, wie stark der Wechsel sichtbar wird. Flache Steine mit zu dünnem Unterteil zeigen weniger Farbe, weil das Licht zu kurz durch den Stein läuft. Hinzu kommt die hohe Doppelbrechung von etwa 0,048: Bei ungünstiger Orientierung erscheinen Facettenkanten sichtbar doppelt, was den Stein unruhig wirken lässt. Ein sauber orientierter Schliff kostet Rohmaterial – ein Grund, warum gut geschliffene Sultanite ihren Preis haben.

Häufige Fragen

Warum sieht mein Sultanit zu Hause anders aus als im Foto?
Meist liegt es an der Lichtquelle. LED-Lampen haben ein lückenhaftes Spektrum und lassen Farbwechselsteine anders erscheinen als Glühlicht oder Tageslicht. Für die Beurteilung eignen sich Tageslicht am Nordfenster und eine echte Glühlampe.
Wie stark ist der Farbwechsel beim Sultanit?
Das ist von Stein zu Stein sehr verschieden. Gute Exemplare zeigen deutlich getrennte, gesättigte Farben, schwache nur eine Nuancenverschiebung im Braunbereich. Eine verbindliche Skala existiert nicht.
Ist der Farbwechsel behandelt oder natürlich?
Beim Diaspor ist der Farbwechsel eine natürliche Eigenschaft des Materials, verursacht durch Eisen- und Manganspuren. Behandelt wird nicht. Vorsicht ist bei Imitaten geboten, deren Wechsel künstlich erzeugt ist.
Verwandte Steine: Alexandrit  ·  Fluorit  ·  Granat

Fazit

Der Farbwechsel des Sultanits ist echt, aber sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Beurteilen lässt er sich nur unter Tageslicht und echtem Glühlicht – nicht unter LED.