Zwei Spaltrichtungen bestimmen die Arbeit
Skapolith spaltet deutlich nach {100} und nach {110}, also in zwei Richtungen, die im tetragonalen Kristall aufeinander stehen. Das ist die zentrale Schwierigkeit beim Schleifen. Ein Schlag beim Absägen, ein zu hoher Anpressdruck auf der Scheibe oder ein Wärmestoß öffnet eine Spaltfläche, und diese läuft anschließend durch das Werkstück. Arbeiten Sie mit reichlich Wasser, ohne Druck und in kleinen Zustellungen. Beim Dopfen ist heißes Wachs riskant; kaltes Dopfen mit Zweikomponentenkleber ist die sichere Methode. Für das Vorschleifen eignet sich Diamant in 600er Körnung, für die Politur Ceroxid oder Aluminiumoxid auf Zinn oder Leder; Diamantpolitur ist möglich, erzeugt aber leicht Hitze. Die Rondiste sollte nie messerscharf auslaufen, sondern leicht gefast werden — sonst platzt sie beim Fassen ab. Lassen Sie den Stein nach jedem Arbeitsgang abkühlen, bevor Sie ihn weiterbearbeiten.
Orientierung, Ausbeute und Kalibrierung
Bei violetten und rosa Steinen entscheidet die Orientierung über die Farbtiefe, weil der Pleochroismus zwischen einem dunklen Blauviolett und einem nahezu farblosen Ton wechselt. Drehen Sie den Rohkristall im Tageslicht und legen Sie die kräftigste Richtung in die Tafel. Bei gelbem Material ist der Effekt schwächer, aber vorhanden. Die Ausbeute liegt bei sauberem Rohmaterial günstiger als bei vielen anderen empfindlichen Steinen, weil Skapolith häufig in langen Prismen wächst und wenig Materialverlust durch Orientierungszwang entsteht; rechnen Sie mit etwa 20 bis 30 Prozent. Kalibrierware ist in Gelb aus Brasilien und Madagaskar durchaus verfügbar, bei violettem Material dagegen kaum. Planen Sie bei violetten Steinen ein, die Fassung nach dem Stein anfertigen zu lassen und nicht umgekehrt. Fragen Sie beim Händler nach, ob eine Partie bereits vororientiert vorliegt.
Welche Schliffe sich lohnen
Für transparentes Material sind Stufenschliffe und gemischte Schliffe die erste Wahl. Der Smaragdschliff und der Asscherschliff zeigen die klaren, hellen Farben des Skapoliths besonders schön und kommen mit der weichen Oberfläche gut zurecht, weil sie wenige, große Facetten haben — jede Facette weniger ist eine Kante weniger, die abplatzen kann. Ovale und Kissen funktionieren ebenfalls. Brillantschliffe bringen wenig, weil die Dispersion gering ist und die vielen kleinen Facetten an einem Stein dieser Härte schneller matt werden. Katzenaugenmaterial wird hochgewölbt als Cabochon geschliffen, damit sich der Lichtstrich scharf bündelt; die Basis muss dabei senkrecht zu den Fasern liegen. Faseriges oder trübes Material eignet sich für Cabochons und Perlen, nicht für Facetten. Achten Sie bei Stufenschliffen darauf, die Facettenkanten sauber und nicht scharfkantig auslaufen zu lassen.
