Woher das Gelb und das Violett kommen
Die häufigste Farbe des Skapoliths ist ein warmes Honig- bis Goldgelb. Sie wird auf Eisen und auf schwefelhaltige Gruppen im Kanalsystem der Struktur zurückgeführt. Weil Skapolith als Gerüstsilikat große Kanäle besitzt, in denen Anionen und Fehlstellen sitzen, bilden sich hier leicht Farbzentren — also elektronische Defekte, die sichtbares Licht absorbieren. Für violette und lavendelfarbene Steine werden Spurengehalte an Mangan und Eisen sowie solche strahlungsinduzierten Farbzentren verantwortlich gemacht. Der entscheidende Unterschied für Sie als Käufer: Farben, die auf Elementen im Gitter beruhen, sind stabil. Farben, die auf Farbzentren beruhen, sind es nicht. Genau deshalb verblasst künstlich bestrahlter violetter Skapolith unter Licht und Wärme, während natürlich violettes Material aus Tansania seine Farbe behält. Fragen Sie im Zweifel nach. Ein Händler, der dazu keine Auskunft geben kann, kennt die Herkunft seiner Partie nicht.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Marialith | farblos, gelb | natrium- und chlorreiches Endglied; 1866 von Gerhard vom Rath benannt; niedrigste Dichte und Brechung der Reihe |
| Meionit | farblos, weiß, grau | calcium- und carbonatreiches Endglied; 1801 von Haüy vom Monte Somma beschrieben; höchste Dichte und Brechung |
| Mizzonit | honiggelb bis gelblich | historische Bezeichnung für mittlere Reihenglieder, heute keine eigenständige Mineralart mehr |
| Wernerit | gelblich bis grau | alter Sammelname zu Ehren von Abraham Gottlob Werner; auf Etiketten historischer Sammlungen verbreitet |
| Gelber Skapolith | honiggelb bis goldgelb | wichtigste Handelsfarbe; Brasilien, Madagaskar und Tansania; wird mit Citrin und Goldberyll verwechselt |
| Violetter Skapolith | lavendel bis blauviolett | Tansania und Madagaskar; deutlicher Pleochroismus; bestrahlte Ware verblasst unter Licht und Wärme |
| Katzenaugen-Skapolith | grau, rosa, gelb mit Lichtstrich | faserige oder röhrenförmige Einschlüsse erzeugen Chatoyance; nur als hochgewölbter Cabochon sinnvoll |
| Dipyr und Couzeranit | grau bis bräunlich | historische Varietätsnamen aus den Pyrenäen; mineralogisch nicht mehr gültig |
Pleochroismus, Tenebreszenz und Fluoreszenz
Violette und rosa Skapolithe zeigen einen deutlich sichtbaren Pleochroismus zwischen einem dunklen Blau bis Lavendelblau und einem farblosen bis schwach violetten Ton. Für den Schleifer heißt das: Orientierung entscheidet über die Farbtiefe des fertigen Steins. Eine gemmologische Kuriosität ist die Tenebreszenz. Seltene farblose Skapolithe nehmen unter ultraviolettem Licht einen hellblauen Ton an, der im Tageslicht wieder verschwindet — ein reversibler Effekt, den man sonst vor allem vom Hackmanit kennt. Viele Skapolithe fluoreszieren außerdem kräftig: Material aus Myanmar leuchtet im langwelligen UV gelb bis orange und im kurzwelligen zusätzlich rosa. Andere Steine bleiben inert. Die Fluoreszenz ist damit kein sicheres Bestimmungsmerkmal, aber ein brauchbarer Hinweis, wenn sie auftritt. Prüfen Sie Fluoreszenz stets im abgedunkelten Raum und mit beiden UV-Wellenlängen, weil das Ergebnis sonst leicht übersehen wird.
Katzenauge, Rainbow und die Varietätsnamen
Der wichtigste optische Effekt ist die Chatoyance. Feine, parallel gelagerte Röhrchen oder Fasern erzeugen einen Lichtstrich, wenn der Stein hochgewölbt als Cabochon geschliffen wird. Katzenaugen-Skapolith tritt in Grau, Rosa und Gelb auf; scharf geschlossene Lichtstriche sind selten und rechtfertigen einen deutlichen Aufschlag. Als Rainbow-Skapolith wird Material mit irisierenden Einschlüssen vermarktet. Historische Varietätsnamen begegnen Ihnen vor allem auf alten Etiketten: Wernerit als Sammelbegriff, Nuttalit für graues chatoyantes Material, Dipyr und Couzeranit für Vorkommen aus den Pyrenäen. Keiner dieser Namen ist heute mineralogisch gültig. Achten Sie darauf, dass auf der Rechnung Skapolith steht, gegebenenfalls mit dem Zusatz der Farbe und des Effekts — Fantasienamen allein taugen nicht als Beschreibung. Bei irisierendem Material sollten Sie zusätzlich klären, ob der Effekt von Einschlüssen oder von einer Beschichtung stammt.
