Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Skapolith Lexikon · Farben & Varietäten

Skapolith – Farben & Varietäten

Skapolith

Woher das Gelb und das Violett kommen

Die häufigste Farbe des Skapoliths ist ein warmes Honig- bis Goldgelb. Sie wird auf Eisen und auf schwefelhaltige Gruppen im Kanalsystem der Struktur zurückgeführt. Weil Skapolith als Gerüstsilikat große Kanäle besitzt, in denen Anionen und Fehlstellen sitzen, bilden sich hier leicht Farbzentren — also elektronische Defekte, die sichtbares Licht absorbieren. Für violette und lavendelfarbene Steine werden Spurengehalte an Mangan und Eisen sowie solche strahlungsinduzierten Farbzentren verantwortlich gemacht. Der entscheidende Unterschied für Sie als Käufer: Farben, die auf Elementen im Gitter beruhen, sind stabil. Farben, die auf Farbzentren beruhen, sind es nicht. Genau deshalb verblasst künstlich bestrahlter violetter Skapolith unter Licht und Wärme, während natürlich violettes Material aus Tansania seine Farbe behält. Fragen Sie im Zweifel nach. Ein Händler, der dazu keine Auskunft geben kann, kennt die Herkunft seiner Partie nicht.

Varietät Farbe Bemerkung
Marialithfarblos, gelbnatrium- und chlorreiches Endglied; 1866 von Gerhard vom Rath benannt; niedrigste Dichte und Brechung der Reihe
Meionitfarblos, weiß, graucalcium- und carbonatreiches Endglied; 1801 von Haüy vom Monte Somma beschrieben; höchste Dichte und Brechung
Mizzonithoniggelb bis gelblichhistorische Bezeichnung für mittlere Reihenglieder, heute keine eigenständige Mineralart mehr
Werneritgelblich bis graualter Sammelname zu Ehren von Abraham Gottlob Werner; auf Etiketten historischer Sammlungen verbreitet
Gelber Skapolithhoniggelb bis goldgelbwichtigste Handelsfarbe; Brasilien, Madagaskar und Tansania; wird mit Citrin und Goldberyll verwechselt
Violetter Skapolithlavendel bis blauviolettTansania und Madagaskar; deutlicher Pleochroismus; bestrahlte Ware verblasst unter Licht und Wärme
Katzenaugen-Skapolithgrau, rosa, gelb mit Lichtstrichfaserige oder röhrenförmige Einschlüsse erzeugen Chatoyance; nur als hochgewölbter Cabochon sinnvoll
Dipyr und Couzeranitgrau bis bräunlichhistorische Varietätsnamen aus den Pyrenäen; mineralogisch nicht mehr gültig

Pleochroismus, Tenebreszenz und Fluoreszenz

Violette und rosa Skapolithe zeigen einen deutlich sichtbaren Pleochroismus zwischen einem dunklen Blau bis Lavendelblau und einem farblosen bis schwach violetten Ton. Für den Schleifer heißt das: Orientierung entscheidet über die Farbtiefe des fertigen Steins. Eine gemmologische Kuriosität ist die Tenebreszenz. Seltene farblose Skapolithe nehmen unter ultraviolettem Licht einen hellblauen Ton an, der im Tageslicht wieder verschwindet — ein reversibler Effekt, den man sonst vor allem vom Hackmanit kennt. Viele Skapolithe fluoreszieren außerdem kräftig: Material aus Myanmar leuchtet im langwelligen UV gelb bis orange und im kurzwelligen zusätzlich rosa. Andere Steine bleiben inert. Die Fluoreszenz ist damit kein sicheres Bestimmungsmerkmal, aber ein brauchbarer Hinweis, wenn sie auftritt. Prüfen Sie Fluoreszenz stets im abgedunkelten Raum und mit beiden UV-Wellenlängen, weil das Ergebnis sonst leicht übersehen wird.

Katzenauge, Rainbow und die Varietätsnamen

Der wichtigste optische Effekt ist die Chatoyance. Feine, parallel gelagerte Röhrchen oder Fasern erzeugen einen Lichtstrich, wenn der Stein hochgewölbt als Cabochon geschliffen wird. Katzenaugen-Skapolith tritt in Grau, Rosa und Gelb auf; scharf geschlossene Lichtstriche sind selten und rechtfertigen einen deutlichen Aufschlag. Als Rainbow-Skapolith wird Material mit irisierenden Einschlüssen vermarktet. Historische Varietätsnamen begegnen Ihnen vor allem auf alten Etiketten: Wernerit als Sammelbegriff, Nuttalit für graues chatoyantes Material, Dipyr und Couzeranit für Vorkommen aus den Pyrenäen. Keiner dieser Namen ist heute mineralogisch gültig. Achten Sie darauf, dass auf der Rechnung Skapolith steht, gegebenenfalls mit dem Zusatz der Farbe und des Effekts — Fantasienamen allein taugen nicht als Beschreibung. Bei irisierendem Material sollten Sie zusätzlich klären, ob der Effekt von Einschlüssen oder von einer Beschichtung stammt.

Häufige Fragen

Verblasst violetter Skapolith?
Bestrahltes Material ja, und zwar rasch unter Licht und Wärme. Die Farbe beruht dort auf strahlungsinduzierten Farbzentren, die instabil sind. Natürlich violette Steine, vor allem aus Tansania, sind farbstabil. Kaufen Sie violetten Skapolith daher nur mit schriftlicher Angabe zur Behandlung.
Was ist Tenebreszenz beim Skapolith?
Ein reversibler Farbwechsel: Seltene farblose Steine nehmen unter ultraviolettem Licht einen hellblauen Ton an und verlieren ihn im Tageslicht wieder. Der Effekt beruht auf kurzlebigen Farbzentren im Kanalsystem der Struktur. Er ist eine gemmologische Besonderheit, aber ohne praktische Bedeutung für Schmuck.
Woran erkenne ich ein gutes Katzenauge?
An einem scharfen, durchgehenden, mittig sitzenden Lichtstrich, der sich beim Kippen sauber öffnet und schließt. Diffuse, unterbrochene oder außermittige Striche mindern den Wert erheblich. Prüfen Sie den Effekt immer mit einer punktförmigen Lichtquelle, nicht unter diffuser Deckenbeleuchtung.