Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Skapolith Lexikon · Übersicht

Skapolith – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Skapolith

Skapolith ist kein einzelnes Mineral, sondern eine Mischkristallreihe zwischen dem natriumhaltigen Marialith und dem calciumhaltigen Meionit. Er liefert honiggelbe, violette und chatoyante Steine — und bleibt trotz eigener Schönheit einer der am häufigsten verwechselten und am seltensten gehandelten Edelsteine.

Skapolith – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Gerüstsilikate (Tektosilikate), Skapolith-Gruppe
Chemische FormelMischkristallreihe Marialith Na4Al3Si9O24Cl bis Meionit Ca4Al6Si6O24CO3; als drittes Glied gilt Silvialit mit Sulfat
Kristallsystemtetragonal, Raumgruppe I4/m
Mohs-Härte5,5 bis 6
Dichte2,50 bis 2,78 g/cm³; Marialith 2,50 bis 2,62, Meionit 2,74 bis 2,78
Brechungsindex1,531 bis 1,600; Marialith nω 1,539 bis 1,550 und nε 1,532 bis 1,541, mit steigendem Meionitanteil ansteigend
Doppelbrechung0,004 bis 0,037, mit dem Calciumanteil zunehmend; einachsig negativ
GlanzGlasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig, bei faserigem Material seidig
Spaltbarkeitdeutlich nach {100} und {110}, also in zwei Richtungen
Bruchuneben bis muschelig, spröde
Transparenzdurchsichtig bis undurchsichtig
FarbenFarblos, Honiggelb, Goldgelb, Rosa, Violett, Lavendel, Grau, Braun, selten Blau
Wichtigste FundorteMonte Somma am Vesuv (Italien), Bamble bei Brevik und Ødegården (Norwegen), Grenville-Provinz in Ontario und Québec (Kanada), Region Dodoma (Tansania), Espírito Santo (Brasilien), Madagaskar, Mogok (Myanmar), Pyrenäen (Frankreich), Afghanistan, Kenia, Tadschikistan
BehandlungenErhitzen zur Farbverbesserung verbreitet und nicht nachweisbar; Bestrahlung erzeugt bräunlichviolette Töne, die rasch verblassen
ErstbeschreibungGruppenname 1800 durch José Bonifácio de Andrada e Silva nach griechisch skapos für Stab und lithos für Stein; Meionit 1801 durch Haüy vom Monte Somma, Marialith 1866 durch Gerhard vom Rath nach seiner Frau Maria Rosa vom Rath

Zwei Endglieder, eine durchgehende Reihe

Wer Skapolith kauft, kauft einen Mischkristall. Das eine Ende der Reihe bildet Marialith mit der Formel Na4Al3Si9O24Cl — natriumreich, chlorhaltig, leicht. Das andere Ende ist Meionit, Ca4Al6Si6O24CO3 — calciumreich, carbonathaltig, deutlich dichter. Dazwischen liegt eine lückenlose Folge von Zusammensetzungen, für die früher der Name Mizzonit vergeben wurde; als eigene Mineralart gilt er heute nicht mehr. Praktisch bedeutet das: Dichte, Brechungsindex und Doppelbrechung Ihres Steins sind keine festen Zahlen, sondern hängen davon ab, wo er in der Reihe steht. Ein marialithnaher Stein liegt bei etwa 2,55 und 1,54, ein meionitnaher bei 2,76 und 1,60. Ein Prüfbericht, der nur Skapolith nennt, ohne die gemessenen Werte anzugeben, sagt Ihnen deshalb wenig über das Material. Fordern Sie Dichte und Brechungsindex an, dann wissen Sie, ob Sie einen marialith- oder einen meionitnahen Stein gekauft haben.

Honiggelb, Violett und der Lichtstrich

Die mit Abstand häufigste Handelsfarbe ist ein warmes Honig- bis Goldgelb, das an Citrin erinnert und meist aus Brasilien, Madagaskar oder Tansania kommt. An zweiter Stelle steht Violett bis Lavendel, überwiegend aus Tansania und Madagaskar; diese Steine zeigen bei richtiger Orientierung einen deutlichen Pleochroismus zwischen einem dunklen Blauviolett und einem fast farblosen Ton. Rosa Material kommt aus Myanmar. Eine Besonderheit ist der Katzenaugeneffekt: Feine, parallel eingelagerte Fasern bündeln das Licht zu einem scharfen Strich, wenn der Stein hochgewölbt als Cabochon geschliffen wird. Chatoyanter Skapolith tritt in Grau, Rosa und Gelb auf und erzielt die höchsten Preise der Gattung. Seltener sind Steine mit irisierenden Einschlüssen, die im Handel als Rainbow-Skapolith angeboten werden. Blaue Skapolithe sind ausgesprochen selten und begegnen Ihnen im normalen Handel praktisch nie.

Warum Sie Skapolith so selten sehen

Skapolith ist mineralogisch weit verbreitet, im Schmuckhandel aber fast unsichtbar. Dafür gibt es drei nüchterne Gründe. Erstens die Härte: Mit 5,5 bis 6 liegt der Stein unter Quarz, und Quarzstaub liegt überall — ein Ringstein wird mit der Zeit matt. Zweitens die Spaltbarkeit, die in zwei Richtungen deutlich ausgeprägt ist und sowohl beim Schleifen als auch beim Fassen zu Verlusten führt. Drittens die Verwechslungsgefahr: Gelber Skapolith sieht aus wie Citrin oder Goldberyll, violetter wie blasser Amethyst, rosa Material wurde jahrelang als rosa Mondstein verkauft. Wo ein Stein nicht eindeutig erkennbar ist und zugleich weicher als die bekannten Alternativen, fehlt dem Handel das Argument. Für Sammler und Goldschmiede mit Sinn für Ungewöhnliches ist genau das die Chance. Sie bekommen hier gemmologische Substanz zu einem Preis, den kein vergleichbar bekannter Stein bietet.

Preise und was Sie dafür bekommen

Skapolith ist einer der preiswertesten Facettensteine mit ernsthaftem gemmologischem Profil. Aktuelle Referenzwerte für Steine in sehr guter Reinheit und ausgezeichnetem Schliff liegen bei etwa 25 Euro pro Karat für farblose Ware, 25 bis 32 Euro für kräftiges Hellgelb, rund 32 bis 38 Euro für hellrötliches Orange und 90 bis 115 Euro für das seltene hellblauviolette Material. Größere Steine kosten dabei geringfügig mehr pro Karat, nicht weniger — ein Zeichen dafür, dass sauberes Material knapp ist. Einfache Handelsware in Gelb beginnt bei etwa 10 Euro pro Karat, Katzenaugen-Cabochons liegen bei 40 bis 90 Euro pro Karat. Abschläge für geringere Reinheit sind erheblich: Ein Stein in mittlerer Reinheit bringt nur noch rund zwei Drittel des Preises eines lupenreinen. Prüfen Sie deshalb die Reinheit noch sorgfältiger als die Farbe.

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Kurz gefasst

Skapolith lohnt sich für alle, die einen ungewöhnlichen Stein zu einem sachlichen Preis suchen. Greifen Sie zu klarem Honiggelb in ein bis fünf Karat — dort stimmt das Verhältnis aus Farbe, Reinheit und Preis am besten. Violette Ware kaufen Sie nur mit schriftlicher Bestätigung, dass sie unbestrahlt ist, sonst verblasst die Farbe. Für Katzenaugen zahlen Sie den Aufpreis nur bei scharf geschlossenem Lichtstrich. Fassen Sie den Stein wegen der Spaltbarkeit geschützt, meiden Sie Ultraschall, und tragen Sie ihn nicht als täglichen Ringstein.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Skapolith stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Skapolith ein einzelnes Mineral?
Nein. Skapolith ist der Gruppenname für eine Mischkristallreihe zwischen dem natriumreichen Marialith und dem calciumreichen Meionit. Beide Endglieder sind tetragonal und bilden eine lückenlose Reihe. Weil die Zusammensetzung schwankt, schwanken auch Dichte, Brechungsindex und Doppelbrechung über einen weiten Bereich.
Wird Skapolith behandelt?
Ja, zwei Verfahren sind üblich. Erhitzen verbessert die Farbe, ist verbreitet und praktisch nicht nachweisbar. Bestrahlung erzeugt aus gelbem oder farblosem Material bräunlichviolette Töne, die unter Licht und Wärme rasch verblassen. Natürlich violette Steine sind dagegen farbstabil. Lassen Sie sich die Behandlung schriftlich bestätigen.
Mit welchen Steinen wird Skapolith verwechselt?
Gelber Skapolith mit Citrin, Goldberyll und gelbem Chrysoberyll, violetter mit blassem Amethyst, rosa Material mit Mondstein. Der Brechungsindex von 1,53 bis 1,60 und die Härte von nur 5,5 bis 6 trennen ihn zuverlässig von Beryll und Chrysoberyll, die Doppelbrechung von Quarz.
Taugt Skapolith für einen Ring?
Nur bedingt. Mit 5,5 bis 6 Mohshärte und deutlicher Spaltbarkeit in zwei Richtungen gehört Skapolith zu den empfindlicheren Schmucksteinen. Für Anhänger, Ohrschmuck und Broschen ist er unproblematisch. Als Ringstein braucht er eine geschützte Fassung und zurückhaltendes Tragen.