Ausschließlich gewölbte Formen
Seraphinit wird ausnahmslos in gewölbten Formen verarbeitet. Üblich sind flache bis mittelhohe Ovale und Freiformen, dazu Donuts, Kugeln, Trommelsteine, gebohrte Anhänger und polierte Platten für Dekorationszwecke. Facettenschliffe kommen nicht vor, und zwar aus zwei Gründen: Das Material ist undurchsichtig, sodass Facetten kein Licht zurückwerfen könnten, und es ist so weich und vollkommen spaltbar, dass Kanten weder sauber zu schleifen wären noch im Tragen bestehen würden. Entscheidend für das Ergebnis ist die Schnittlage. Wird parallel zur Wuchsrichtung der Büschel gesägt, entstehen langgestreckte Federn; quer dazu erscheinen konzentrische Rosetten. Erfahrene Schleifer orientieren die Platte deshalb bewusst und nehmen dabei in Kauf, dass sich weniger Steine aus einem Block gewinnen lassen. Eine flache Wölbung zeigt den Schiller in der Regel besser als eine hohe.
Schleifen eines Zweiers: Druck ist der Feind
Bei einer Mohs-Härte von 2 bis 2,5 trägt jedes Schleifmittel extrem schnell ab. Arbeiten Sie deshalb mit sehr geringem Druck, niedriger Drehzahl und reichlich Wasser. Grobe Körnungen sind kaum nötig; beginnen Sie besser bei 220 oder 400 und gehen Sie zügig über 600 und 1200 auf 3000. Die vollkommene Spaltbarkeit nach der Basisfläche führt dazu, dass einzelne Blättchen aus der Fläche herausgerissen werden, sobald der Druck zu hoch oder das Schleifmittel zu grob ist. Das Ergebnis sind matte Krater, die sich nur durch Zurückgehen auf eine gröbere Stufe beseitigen lassen. Beim Aufkitten sollten Sie auf heißen Dopwachs verzichten und stattdessen mit kalt abbindendem Klebstoff arbeiten, da Wärme den Stein zusätzlich belastet und eingeschlossene Feuchtigkeit Spannungen erzeugt. Planen Sie außerdem mehr Zeit für die Zwischenkontrolle ein: Fehler fallen bei diesem Material erst in der feinen Körnung auf.
Politur: die eigentliche Herausforderung
Der Schiller lebt von einer spiegelglatten Oberfläche, und genau die ist bei einem so weichen Material schwer zu erreichen. Bewährt haben sich Zinnoxid oder Ceroxid auf hartem Leder oder auf einer Filzscheibe bei niedriger Drehzahl. Ein weiches Poliertuch arbeitet die unterschiedlich harten Zonen unterschiedlich stark ab und erzeugt eine wellige Fläche, in der die Federn verschwimmen. Reibungswärme ist zu vermeiden, weil Chlorit Hydroxidgruppen enthält und bei anhaltender Erwärmung stumpf und bröselig wird. Manche Werkstätten versiegeln die fertige Fläche mit einer dünnen Wachsschicht oder mit farblosem Kunstharz, um die Politur haltbarer zu machen. Das ist zulässig, sollte beim Verkauf aber offengelegt werden, da die Oberfläche dadurch nicht mehr rein mineralisch ist und sich das Stück später nicht ohne Weiteres nachpolieren lässt.
