Zweiwertiges Eisen als Ursache des Grüns
Die grüne Grundfarbe des Seraphinits stammt von zweiwertigem Eisen, das in der Oktaederschicht anstelle von Magnesium sitzt. Je höher der Eisengehalt, desto dunkler und flaschengrüner der Ton; magnesiumreiche Partien sind hell, gelblichgrün bis nahezu farblos. Genau dieser Zusammenhang erzeugt den Kontrast im Stein: Die silbrigweißen Federn sind nicht etwa Fremdmaterial, sondern magnesiumreichere, blassere Chloritfasern, deren Spaltflächen zusätzlich stark reflektieren. Chromhaltiger Klinochlor nimmt eine völlig andere Farbe an und wird als Kämmererit bezeichnet; er ist purpurrot bis pfirsichblütenfarben und kommt vor allem aus türkischen Chromlagerstätten. In durchscheinenden Blättchen zeigt Klinochlor einen deutlichen Pleochroismus von hellgelbgrün bis lichtblaugrün. Am undurchsichtigen Seraphinit-Cabochon ist dieser Effekt nicht sichtbar, er lässt sich aber an dünnen Splittern unter dem Mikroskop nachvollziehen. Für die Kaufentscheidung bleibt daher der Kontrast zwischen dunklem Grund und hellen Federn das entscheidende Farbkriterium.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Seraphinit | dunkelgrün mit silbrigweißen Federn | Handelsname für radialstrahliges Klinochlor aus Korshunovskoye, einziges Schmuckmaterial |
| Klinochlor, gewöhnlich | grün, gelbgrün, graugrün, selten farblos | weltweit verbreitet, meist derb oder schuppig, ohne Schiller |
| Kämmererit | purpurrot bis pfirsichblütenfarben | chromhaltige Varietät, vor allem Türkei und Ural, Sammlermineral |
| Pennin | grasgrün bis olivgrün | feinschuppige Varietät, häufig in Alpenklüften |
| Ripidolith | dunkelgrün bis fast schwarzgrün | eisenreicheres Glied der Mischreihe zu Chamosit |
| „Chlorit-Jade“ | grün | irreführender Handelsname für Seraphinit, keine Verwandtschaft zu Jadeit oder Nephrit |
Das Federmuster als eigentliches Qualitätsmerkmal
Da die Farbe kaum variiert, entscheidet beim Seraphinit die Zeichnung. Gefragt sind scharf abgegrenzte, silbrig aufleuchtende Federn auf möglichst dunklem, tiefgrünem Grund, die über die gesamte Fläche verteilt sind und beim Kippen nacheinander aufleuchten. Weniger geschätzt sind Stücke, bei denen der Silberanteil so hoch ist, dass die Fläche grau und flau wirkt, ebenso solche mit nur vereinzelten Federn in einem eintönig dunklen Feld. Auch die Schnittlage spielt eine Rolle: Wird eine Platte quer zur Wuchsrichtung der Büschel gesägt, erscheinen konzentrische Rosetten statt langgestreckter Federn. Beide Schnittbilder werden gehandelt, das federartige gilt als typischer. Braune und rostige Zonen stammen von verwittertem Eisen aus der Lagerstätte und mindern den Wert, weil sie die Politur zusätzlich erschweren. Achten Sie außerdem darauf, dass die Federn über die ganze Fläche verteilt sind und nicht nur an einem Rand des Cabochons sitzen.
Handelsnamen im Umfeld von Klinochlor
Im Handel begegnen Ihnen für dasselbe Material die Schreibweisen Seraphinit, Serafinit und Seraphinite, dazu die mineralogisch korrekte Bezeichnung Klinochlor, die viele deutsche Anbieter in Klammern ergänzen. Verbreitet ist außerdem der Name „Chlorit-Jade“, der irreführend ist: Mit Jadeit oder Nephrit hat das Material weder chemisch noch in der Härte etwas gemein, und der Name suggeriert eine Zähigkeit und Wertigkeit, die nicht vorhanden ist. Vermeiden Sie ihn beim Weiterverkauf. Andere Varietätsnamen innerhalb der Chlorit-Gruppe sind Kämmererit für die chromhaltige purpurrote Form, Pennin für eine feinschuppige grüne Varietät und Ripidolith für eisenreichere Glieder. Keiner dieser Namen bezeichnet ein eigenes Mineral, alle stehen für Varietäten oder Mischglieder innerhalb derselben Gruppe. Wenn Sie korrekt deklarieren wollen, schreiben Sie „Seraphinit (Klinochlor)“; so ist der Handelsname genannt und die mineralogische Zuordnung eindeutig. Diese Doppelbezeichnung ist im deutschen Fachhandel ohnehin verbreitet und vermeidet spätere Rückfragen.
