Korshunovskoye: die einzige Quelle für Schmuckmaterial
Alles Seraphinit-Material im Handel stammt aus der Eisenerzlagerstätte Korshunovskoye bei Zheleznogorsk-Ilimsky im Rajon Nischneilimsk der Oblast Irkutsk in Ostsibirien. Dort wird seit der Mitte des 20. Jahrhunderts Magnetit im Tagebau gewonnen; der Chlorit fällt in Klüften und Umwandlungszonen an und wird von Arbeitern und Sammlern aussortiert. Die Lagerstätte ist auch die Typlokalität eines eigenen Minerals, des Korshunovskits, was ihre mineralogische Bedeutung unterstreicht. Für die Versorgung des Schmuckmarktes bedeutet die Kopplung an den Eisenerzbergbau dasselbe wie bei anderen Nebenprodukten: Das Angebot folgt dem Abbaufortschritt und nicht der Nachfrage. Bislang ist Seraphinit dennoch durchgehend und in guten Mengen verfügbar geblieben, und die Preise bewegen sich seit Jahren auf niedrigem, stabilem Niveau. Rechnen Sie dennoch damit, dass bestimmte Größen und Zeichnungen zeitweise nicht lieferbar sind, weil die Sortierung erst im Handel und nicht im Bergwerk erfolgt.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Korshunovskoye, Zheleznogorsk-Ilimsky, Oblast Irkutsk | Russland | einzige Quelle für Seraphinit in Schmuckqualität, Magnetit-Skarn, Nebenprodukt des Eisenerzbergbaus |
| Sljudjanka und Marmorbruch Pereval, Südufer Baikalsee | Russland | klassische Fundstelle für Chlorite, Phlogopit und Lasurit; liefert kein Schmuck-Seraphinit |
| Brinton's Quarry, Chester County, Pennsylvania | USA | Typlokalität des Klinochlors, Erstbeschreibung 1851 |
| Ala und Val d'Aosta, Piemont | Italien | klassische Alpenkluft-Vorkommen von Klinochlor und Pennin, Sammlerkristalle |
| Zermatt und Binntal, Wallis | Schweiz | Klinochlor in Serpentiniten und Kluftparagenesen |
| Kop Daglari, Erzurum | Türkei | Fundstelle für chromhaltigen Kämmererit in Chromlagerstätten |
| Erzgebirge und Fichtelgebirge | Deutschland | Chloritschiefer und Kluftchlorit, ohne schleifbares Material |
Warum die Angabe „Baikalsee“ ungenau ist
Fast jeder Händler verortet Seraphinit am Baikalsee. Geographisch trifft das nicht zu. Zheleznogorsk-Ilimsky liegt mehrere hundert Kilometer nördlich des Sees, im Einzugsgebiet des Ilim und der Angara. Richtig ist lediglich die Zuordnung zur Oblast Irkutsk, in der auch der westliche Baikal liegt. Die Verwechslung hat einen nachvollziehbaren Grund: Am Südufer des Sees liegt mit Sljudjanka eine der klassischen Mineralfundstellen Russlands, bekannt für Phlogopit, Lasurit, Diopsid und ebenfalls für Chlorite aus dem Marmorbruch Pereval. Von dort stammt jedoch kein Seraphinit in Schmuckqualität. Wenn Ihnen also Material „aus Sljudjanka“ angeboten wird, sollten Sie nachfragen. In der Praxis ist die Herkunftsangabe hier allerdings von geringer Bedeutung, weil es schlicht keine konkurrierende Quelle gibt. Für die Deklaration im Laden genügt daher „Ostsibirien, Oblast Irkutsk“; das ist zutreffend und schließt die falsche Verortung am Seeufer aus.
Klinochlor weltweit und was davon schleifbar ist
Klinochlor selbst ist alles andere als selten. Es sind weltweit über 2800 Fundstellen dokumentiert, darunter die Typlokalität Brinton's Quarry in Pennsylvania, zahlreiche Alpenklüfte in der Schweiz und in Piemont, Chloritschiefer in Skandinavien und im Erzgebirge sowie Serpentinite und Marmore aller Kontinente. Das meiste davon ist feinschuppig, derb oder in Form kleiner Kristalle ausgebildet und für die Verarbeitung ungeeignet. Schleifbar wird Chlorit erst, wenn er in ausreichend großen, kompakten und gleichzeitig radialstrahlig strukturierten Massen auftritt, und diese Kombination ist bisher nur in Korshunovskoye in nennenswerter Menge gefunden worden. Deshalb ist Seraphinit trotz der Häufigkeit des Minerals ein Material mit exakt einer Bezugsquelle, was ihn unter den preiswerten Schmucksteinen zu einer Ausnahme macht. Das erklärt auch, warum Ihnen Klinochlor in mineralogischen Sammlungen ständig begegnet, als Schmuckstein dagegen fast ausschließlich in dieser einen Ausprägung.
