Die Säge entscheidet, was aus dem Stein wird
Bei kaum einem anderen Material hängt so viel vom ersten Schnitt ab. Sardonyx wird grundsätzlich lagenparallel oder lagensenkrecht gesägt, niemals schräg. Für Platten, Cabochons und Ringsteine legt der Schleifer die Säge genau parallel zu den Lagen, damit die fertige Fläche eine einzige Farbe zeigt oder ein sauber gerades Band. Ein nur um wenige Grad verkippter Schnitt lässt die Lagengrenze als breiten, verwaschenen Streifen über die Fläche laufen und macht den Stein unbrauchbar. Für Streifenschmuck und für Kameen wird dagegen bewusst so gesägt, dass mehrere Lagen übereinander stehen bleiben. Die Ausbeute ist dadurch gering: Aus einer Achatmandel von Faustgröße bleibt oft nur eine Scheibe von wenigen Millimetern übrig, in der Lagenfolge, Farbe und Ebenheit stimmen. Vor dem Sägen wird das Rohstück deshalb nass gemacht oder angeschliffen, um den Lagenverlauf sichtbar zu machen. Diese Vorarbeit ist wichtiger als jeder spätere Arbeitsschritt.
Kamee und Intaglio: in die Lage hineinschneiden
Die klassischen Formen sind der Cabochon, die flache Platte, das Intaglio und die Kamee. Beim Intaglio wird das Motiv vertieft eingeschnitten, sodass ein Abdruck in Wachs oder Siegellack erhaben erscheint; das ist die Form des antiken Siegelrings. Bei der Kamee geschieht das Umgekehrte: Der Schneider trägt die obere, helle Lage flächig ab und lässt nur das Motiv stehen, das dann hell vor dem dunklen Grund steht. Gearbeitet wird mit kleinen diamantbesetzten Fräsern an einer schnell laufenden Spindel, früher mit Kupferrädchen und Schmirgel. Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Schneider die Tiefe der Lagengrenze nicht sieht, sondern aus dem Farbdurchscheinen erschließen muss. Ein Millimeter zu tief, und das Gesicht der Figur bekommt einen dunklen Fleck. Facettenschliffe sind bei Sardonyx unüblich, weil das Material zu undurchsichtig ist, um Brillanz zu entwickeln. Trommelsteine und Perlen bilden das andere Ende der Verarbeitung.
Reliefpolitur, Hitzerisse und andere Tücken
Sardonyx hat keine Spaltbarkeit, springt also nicht entlang innerer Flächen. Das macht ihn beim Schleifen gutmütig, aber zwei Probleme bleiben. Das erste ist die unterschiedliche Härte und Porosität der Lagen. Weichere oder porösere Bänder werden schneller abgetragen als dichte, sodass sich beim Polieren ein feines Relief bildet: Die Fläche fühlt sich glatt an, spiegelt aber wellig. Abhilfe schafft eine harte Polierunterlage, etwa eine Zinn- oder Hartfilzscheibe mit Zinnoxid oder Ceroxid, statt weicher Leder- oder Tuchscheiben. Das zweite Problem ist Wärme. Läuft die Scheibe trocken oder wird der Stein beim Vorschleifen zu stark erhitzt, entstehen feine Netzrisse, die sich später nicht mehr wegpolieren lassen. Arbeiten Sie durchgehend nass und mit mäßigem Druck. Bei gefärbter Ware kommt hinzu, dass ein frisch angeschliffener Bereich farblich abweichen kann, weil die Färbung nicht überall gleich tief eingedrungen ist.
