Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Sardonyx Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Sardonyx – Schliff & Bearbeitung

Sardonyx

Die Säge entscheidet, was aus dem Stein wird

Bei kaum einem anderen Material hängt so viel vom ersten Schnitt ab. Sardonyx wird grundsätzlich lagenparallel oder lagensenkrecht gesägt, niemals schräg. Für Platten, Cabochons und Ringsteine legt der Schleifer die Säge genau parallel zu den Lagen, damit die fertige Fläche eine einzige Farbe zeigt oder ein sauber gerades Band. Ein nur um wenige Grad verkippter Schnitt lässt die Lagengrenze als breiten, verwaschenen Streifen über die Fläche laufen und macht den Stein unbrauchbar. Für Streifenschmuck und für Kameen wird dagegen bewusst so gesägt, dass mehrere Lagen übereinander stehen bleiben. Die Ausbeute ist dadurch gering: Aus einer Achatmandel von Faustgröße bleibt oft nur eine Scheibe von wenigen Millimetern übrig, in der Lagenfolge, Farbe und Ebenheit stimmen. Vor dem Sägen wird das Rohstück deshalb nass gemacht oder angeschliffen, um den Lagenverlauf sichtbar zu machen. Diese Vorarbeit ist wichtiger als jeder spätere Arbeitsschritt.

Kamee und Intaglio: in die Lage hineinschneiden

Die klassischen Formen sind der Cabochon, die flache Platte, das Intaglio und die Kamee. Beim Intaglio wird das Motiv vertieft eingeschnitten, sodass ein Abdruck in Wachs oder Siegellack erhaben erscheint; das ist die Form des antiken Siegelrings. Bei der Kamee geschieht das Umgekehrte: Der Schneider trägt die obere, helle Lage flächig ab und lässt nur das Motiv stehen, das dann hell vor dem dunklen Grund steht. Gearbeitet wird mit kleinen diamantbesetzten Fräsern an einer schnell laufenden Spindel, früher mit Kupferrädchen und Schmirgel. Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Schneider die Tiefe der Lagengrenze nicht sieht, sondern aus dem Farbdurchscheinen erschließen muss. Ein Millimeter zu tief, und das Gesicht der Figur bekommt einen dunklen Fleck. Facettenschliffe sind bei Sardonyx unüblich, weil das Material zu undurchsichtig ist, um Brillanz zu entwickeln. Trommelsteine und Perlen bilden das andere Ende der Verarbeitung.

Reliefpolitur, Hitzerisse und andere Tücken

Sardonyx hat keine Spaltbarkeit, springt also nicht entlang innerer Flächen. Das macht ihn beim Schleifen gutmütig, aber zwei Probleme bleiben. Das erste ist die unterschiedliche Härte und Porosität der Lagen. Weichere oder porösere Bänder werden schneller abgetragen als dichte, sodass sich beim Polieren ein feines Relief bildet: Die Fläche fühlt sich glatt an, spiegelt aber wellig. Abhilfe schafft eine harte Polierunterlage, etwa eine Zinn- oder Hartfilzscheibe mit Zinnoxid oder Ceroxid, statt weicher Leder- oder Tuchscheiben. Das zweite Problem ist Wärme. Läuft die Scheibe trocken oder wird der Stein beim Vorschleifen zu stark erhitzt, entstehen feine Netzrisse, die sich später nicht mehr wegpolieren lassen. Arbeiten Sie durchgehend nass und mit mäßigem Druck. Bei gefärbter Ware kommt hinzu, dass ein frisch angeschliffener Bereich farblich abweichen kann, weil die Färbung nicht überall gleich tief eingedrungen ist.

Häufige Fragen

Kann man Sardonyx facettieren?
Technisch ja, sinnvoll meistens nicht. Das Material ist durchscheinend bis undurchsichtig; ein Facettenschliff lebt aber von Lichtrückwurf im Inneren und braucht Transparenz. Facettiert wird deshalb allenfalls einfarbiger, besonders klarer Sard oder Karneol, und auch dort eher in flachen Treppenschliffen. Für gebänderten Sardonyx ist der flache Schliff die richtige Wahl, weil nur er die Lagenzeichnung als Fläche zeigt.
Warum ist die Ausbeute bei Kameenmaterial so gering?
Weil gleich mehrere Bedingungen zusammentreffen müssen. Die Lagen müssen gerade und parallel sein, die helle Lage muss dick genug für das Relief sein, die dunkle muss gleichmäßig genug für einen ruhigen Grund sein, und das Stück muss risslos und groß genug sein. In einer Mandel ist meist nur eine Zone von wenigen Millimetern brauchbar. Aus mehreren Kilogramm Rohachat entsteht daher oft nur eine Handvoll verwendbarer Platten.
Womit poliert man Sardonyx am besten?
Nach dem Vorschliff mit Diamant- oder Siliciumcarbid-Körnungen bis etwa 1200 hat sich Zinnoxid oder Ceroxid auf einer harten Unterlage bewährt. Wichtig ist, dass die Scheibe nicht nachgibt, sonst entsteht durch die unterschiedlich harten Lagen ein welliges Relief. Arbeiten Sie nass, mit wenig Druck und in wechselnder Richtung. Bei Kameen wird die Fläche des Grundes poliert, das Relief oft bewusst matter belassen, damit es sich absetzt.