Indien liefert seit Jahrtausenden das beste Material
Die älteste und bis heute wichtigste Quelle für feinen Sard und Sardonyx ist Indien. Das Material stammt aus den Basalten des Deccan-Trapps, vor allem aus den Geröllablagerungen an der Narmada. Klassisch ist die Region um Ratanpur bei Rajpipla im Bundesstaat Gujarat, wo die Achatmandeln seit Jahrhunderten aus Verwitterungsschutt und Flussschottern gewonnen werden. Verarbeitet wird traditionell in Khambhat, dem früheren Cambay, das seit dem Mittelalter das Schleif- und Handelszentrum der Region ist. Dort ist auch die Hitzebehandlung zu Hause: Die Rohsteine werden über Monate der Sonne ausgesetzt und anschließend in Tongefäßen gebrannt, wodurch sich gelbbraune Eisenhydroxide in rotes Eisenoxid umwandeln. Diese Praxis ist Jahrhunderte alt und gilt im Handel als üblich. Indisches Material hat den Ruf, besonders gleichmäßige, gerade Lagen und ein sattes, warmes Braunrot zu liefern. Wenn Ihnen ein Händler unbehandeltes Spitzenmaterial anbietet, stammt es mit hoher Wahrscheinlichkeit von dort.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Ratanpur bei Rajpipla, Gujarat, Deccan-Trapp | Indien | klassische Quelle für feinen Sard; Verarbeitung und Brennbehandlung in Khambhat |
| Salto do Jacuí und Soledade, Rio Grande do Sul | Brasilien | Mengenlieferant; Rohstoffbasis der Idar-Obersteiner Färbereien |
| Departamento Artigas | Uruguay | Namensgeber der Uruguay-Bänderung: waagerechte, gerade Lagen |
| Antsirabe und Umgebung | Madagaskar | Achate und Chalcedone, teils mit brauchbarem geradem Lagenbau |
| Steinkaulenberg, Idar-Oberstein, Hunsrück | Deutschland | historische Lagerstätte, seit dem 19. Jahrhundert erschöpft; heute Schleif- und Handelszentrum |
| Lake-Superior-Region, Michigan und Minnesota | USA | bekannte Achatvorkommen, nur selten sardonyxtauglich gerade gebändert |
| Sardeis (Sart), Lydien | Türkei | antiker Namensgeber für Sard; heute ohne wirtschaftliche Bedeutung |
Brasilien und Uruguay liefern die Masse
Mengenmäßig kommt der weitaus größte Teil des heute gehandelten Materials aus Südamerika, aus den mächtigen Flutbasalten der Paraná-Provinz. In Brasilien liegen die Hauptreviere im Bundesstaat Rio Grande do Sul, vor allem um Salto do Jacuí und Soledade, wo Achat im Tagebau und aus Flussgeröllen gewonnen und in großen Mengen aufbereitet wird. Direkt jenseits der Grenze, im uruguayischen Departamento Artigas, liegt das zweite große Revier. Von dort stammt der Materialtyp, dem die ebenen Lagen ihren Handelsnamen verdanken: Als Uruguay-Bänderung bezeichnet man die waagerecht abgesetzten, geraden Lagen, die für Sardonyx gebraucht werden. Südamerikanisches Material ist reichlich verfügbar und vergleichsweise preiswert, zeigt aber häufiger graue und blasse Zonen. Genau dieses Rohmaterial wird traditionell nach Idar-Oberstein geliefert, dort gesägt, gefärbt, gebrannt und als Onyx oder Sardonyx weiterverkauft.
Idar-Oberstein ist kein Fundort mehr, sondern der Umschlagplatz
Im Hunsrück wurden Achate aus den permischen Vulkaniten spätestens seit dem 14. Jahrhundert gewonnen und verarbeitet; Schleifmühlen an der Nahe sind schon um 1375 belegt. Die heimischen Vorkommen, bekannt vor allem vom Steinkaulenberg bei Idar-Oberstein, waren im frühen 19. Jahrhundert jedoch weitgehend erschöpft. Gerettet hat die Branche ein Zufall der Auswanderung: Hunsrücker Familien, die nach Rio Grande do Sul gegangen waren, erkannten die dortigen Achate und organisierten den Rücktransport nach Europa. Seither arbeitet Idar-Oberstein mit importiertem Rohmaterial. In derselben Zeit, in den 1820er Jahren, wurden dort die Färbeverfahren zur technischen Reife gebracht, die bis heute weltweit Standard sind. Für Sie als Käufer bedeutet das zweierlei: Erstens sagt die Herkunftsangabe Idar-Oberstein nichts über den Fundort des Steins, sondern etwas über die Verarbeitung. Zweitens finden Sie dort noch immer Werkstätten, die Kameen und Intaglios von Hand in Stein schneiden.
