Blasenhohlräume in Laven als Bildungsraum
Sardonyx entsteht dort, wo Achat entsteht: in Hohlräumen basaltischer und andesitischer Laven. Beim Erstarren der Lava bleiben Gasblasen zurück, oft rundlich bis mandelförmig. Später zirkulieren kieselsäurereiche, niedrig temperierte Wässer durch das Gestein, lösen Silizium aus der Gesteinsmatrix und aus Vulkanglas und setzen es in diesen Blasen wieder ab. Zunächst bildet sich ein wasserreiches Kieselgel, das über lange Zeiträume zu faserigem Chalcedon kristallisiert. Die Bildungstemperaturen liegen niedrig, in der Regel deutlich unter 200 Grad Celsius; der Vorgang ist spätmagmatisch bis niedrigthermal. Die Bänderung entsteht rhythmisch, durch wechselnde Zusammensetzung der Lösung, schwankenden pH-Wert und periodische Übersättigung. Als Begleitmineralien in denselben Hohlräumen finden Sie Bergkristall und Amethyst als letzte Füllung im Zentrum, dazu Calcit, Zeolithe wie Heulandit und Stilbit sowie gelegentlich gediegen Kupfer. War Eisen in der Lösung verfügbar, fallen feinste Hämatitpartikel mit aus und färben die betreffende Lage braunrot bis orangebraun.
Warum gerade Lagen viel seltener sind als runde
Die meisten Achate zeigen wandparallele Bänder, die der Form des Hohlraums folgen und deshalb rund, nierig oder wellig verlaufen. Für Sardonyx ist dieses Material unbrauchbar. Gebraucht wird die zweite Bänderungsform: waagerechte, ebene Lagen, die sich unter Schwerkraft am Boden des Hohlraums absetzen, ähnlich einem Sediment. Der Handel nennt sie Uruguay-Bänderung oder Wasserwaagenachat, weil die Lagen tatsächlich horizontal liegen und in einem später verkippten Gestein noch die ursprüngliche Lage anzeigen. Nur aus solchen Partien lassen sich Platten sägen, in denen die Grenzflächen exakt parallel zur Sägefläche liegen. Das ist der Engpass des gesamten Materials. In einer Achatmandel von zehn Zentimetern Durchmesser findet sich oft nur eine Zone von wenigen Millimetern, in der Lagenfarbe, Lagendicke und Ebenheit gleichzeitig stimmen. Deshalb war schon in der Antike nicht der Stein an sich kostbar, sondern das seltene brauchbare Stück daraus, und genau deshalb greift der Handel so bereitwillig zur Färbung.
Ein antiker Name ohne mineralogische Erstbeschreibung
Sardonyx hat keine Erstbeschreibung im mineralogischen Sinn. Als Varietät des Chalcedons ist er kein eigenständiges Mineral und wird von der International Mineralogical Association nicht als solches geführt. Der Name ist mehr als zweitausend Jahre alt und damit älter als jede wissenschaftliche Systematik. Plinius der Ältere behandelt sardonyx und sarda im 37. Buch der Naturalis historia, erschienen um 77 nach Christus, und beschreibt dort auch bereits Verfahren, mit denen Steine eingefärbt wurden. Der Wortteil Sard wird traditionell auf Sardeis in Lydien zurückgeführt, den Hauptort des Lyderreiches im Westen der heutigen Türkei; die Herleitung ist alt, aber nicht gesichert. Onyx stammt vom griechischen Wort für Nagel oder Klaue und spielt auf die hellen, durchscheinenden Lagen an, die an einen Fingernagel erinnern. Mineralogisch fassbar wurde das Material erst im 19. Jahrhundert, als erkannt wurde, dass Chalcedon aus faserigem Quarz aufgebaut ist. Der zusätzliche Moganit-Anteil wurde sogar erst in den 1980er Jahren beschrieben.
