Sardonyx ist Chalcedon mit geraden, zueinander parallelen Lagen: braunroter bis orangebrauner Sard im Wechsel mit weißem Onyx. Genau dieser Lagenbau machte ihn seit der Antike zum wichtigsten Material für Kameen, Gemmen und Siegelsteine – und er ist zugleich der Grund, warum heute ein sehr großer Teil der Handelsware gefärbter und gebrannter Achat ist.
Sardonyx – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Oxide und Hydroxide, Quarzgruppe. Sardonyx ist kein eigenständiges Mineral, sondern eine Varietät des Chalcedons, also von mikro- bis kryptokristallinem Quarz mit geringem Moganit-Anteil |
| Chemische Formel | SiO2, mit eingelagertem Wasser sowie fein verteilten Eisenoxidpartikeln (überwiegend Hämatit, Fe2O3) in den Sard-Lagen |
| Kristallsystem | trigonal (Quarz); der Moganit-Anteil ist monoklin. Das Aggregat selbst ist faserig aufgebaut und in geraden, parallelen Lagen geschichtet |
| Mohs-Härte | 6,5 bis 7; die eisenreichen und die poröseren Lagen liegen eher am unteren Rand dieser Spanne |
| Dichte | 2,58 bis 2,64 g/cm³, im Mittel etwa 2,60 g/cm³ |
| Brechungsindex | 1,530 bis 1,543, am Refraktometer nur als unscharfe Schattengrenze bei etwa 1,53 ablesbar |
| Doppelbrechung | etwa 0,004 bis 0,009 am Quarzanteil; am faserigen Aggregat praktisch nicht bestimmbar |
| Glanz | poliert glasartig bis wachsartig, auf dem Bruch matt bis fettig |
| Spaltbarkeit | keine |
| Bruch | muschelig bis splittrig, bei ungleich dichten Lagen gelegentlich stufig entlang einer Lagengrenze |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig; die Sard-Lagen sind an dünnen Kanten oft tief rot durchscheinend, die weißen Lagen bleiben trüb |
| Farben | braunrot, orangebraun, rotbraun bis fast schwarzbraun (Sard) im Wechsel mit weiß, milchig, grau, seltener schwarz oder bläulichgrau (Onyx) |
| Wichtigste Fundorte | Deccan-Trapp mit Ratanpur bei Rajpipla, Gujarat, und Schleifzentrum Khambhat, Indien; Salto do Jacuí und Soledade, Rio Grande do Sul, Brasilien; Artigas, Uruguay; Antsirabe, Madagaskar; historisch Steinkaulenberg bei Idar-Oberstein, Hunsrück, Deutschland |
| Behandlungen | sehr häufig. Färben mit Zuckerlösung und anschließender Schwefelsäure für schwarze Lagen, Tränken in Eisennitrat mit nachfolgendem Brand für rote und braunrote Lagen, einfaches Brennen zum Entwässern von Eisenhydroxid, selten Kunstharzverfestigung rissiger Partien |
| Erstbeschreibung | keine mineralogische Erstbeschreibung; der Name ist antik. Plinius der Ältere behandelt sardonyx und sarda im 37. Buch der Naturalis historia, erschienen um 77 nach Christus, und beschreibt dort bereits Färbeverfahren für Steine. Sard wird traditionell auf die lydische Stadt Sardeis zurückgeführt, Onyx auf das griechische Wort für Nagel |
Zwei Steine in einem: Sard und Onyx in Lagen
Sardonyx ist kein eigenständiges Mineral, sondern eine Varietät des Chalcedons und damit mikrokristalliner Quarz. Der Name setzt sich aus seinen beiden Bestandteilen zusammen: Sard heißt die braunrote bis orangebraune Lage, Onyx die weiße. Entscheidend ist dabei nicht die Farbe allein, sondern die Geometrie. Achat im Allgemeinen ist beliebig gebändert, häufig konzentrisch und der Hohlraumwand folgend. Als Sardonyx gilt nur Material mit geraden, zueinander parallelen Lagen. Diese Lagen haben sich waagerecht im Hohlraum abgesetzt, ähnlich einem Sediment, und liegen deshalb sauber übereinander statt um eine Wand herum. Genau diese Ordnung ist die Voraussetzung dafür, dass ein Steinschneider ein Relief herausarbeiten kann, das in der einen Farbe steht und vor der anderen. Chemisch sind alle Lagen dasselbe: Siliciumdioxid, ergänzt um wenig Moganit und eingelagertes Wasser. Der Unterschied liegt in winzigen Eisenoxidpartikeln, in der Faserdicke und in der Porosität. Mit einer Mohs-Härte von 6,5 bis 7 und fehlender Spaltbarkeit ist das Material zäh genug für Schmuck und zugleich fein genug für sehr feine Schnitte.
Warum Sard nicht Karneol ist und die Grenze trotzdem unscharf bleibt
Sard und Karneol sind dasselbe Material mit demselben Farbträger: fein verteilte Partikel von Eisenoxid, im Wesentlichen Hämatit, zwischen den Chalcedonfasern. Unterschieden werden beide allein über den Farbton. Karneol ist heller, reiner und deutlich rötlicher bis orange, Sard ist dunkler, bräunlicher und wirkt in dickeren Stücken fast schwarzbraun. Eine verbindliche Grenze gibt es nicht, weil die Farbe stufenlos übergeht. Wo Sie ein Stück einordnen, hängt von der Dicke der Lage, von der Beleuchtung und von der Gewohnheit des Händlers ab. Die Trennung ist historisch gewachsen: Plinius der Ältere führt sarda und sardonyx als getrennte Steine, und der Name geht auf die lydische Stadt Sardeis zurück. Für Sie als Käufer hat das eine praktische Folge. Ein als Sardonyx angebotener Stein mit leuchtend orangeroten statt braunroten Lagen ist deshalb keine Fälschung, wird aber bei manchen Händlern als Karneol-Onyx geführt. Verlassen Sie sich nicht auf den Namen, sondern auf das, was Sie im Gegenlicht sehen.
Der klassische Stein der Gemmenschneider
Seit dem Hellenismus ist Sardonyx das wichtigste Material für Kameen und Intaglios. Der Grund ist rein technisch: Nur ein Stein mit geraden Lagen erlaubt es, eine Figur in der hellen Schicht stehen zu lassen und den Grund in der dunklen freizulegen. Die Tazza Farnese im Nationalen Archäologischen Museum Neapel, eine Schale von 20 Zentimetern Durchmesser aus dem späten 2. bis 1. Jahrhundert vor Christus, ist aus mehrlagigem Sardonyx-Achat gearbeitet und gilt als größte erhaltene Kamee der Antike. Bei der Gemma Augustea in Wien lohnt dagegen ein genauer Blick: Sie wird in der Fachliteratur als zweilagiger arabischer Onyx geführt, weiß über blaubraun, ist also kein Sardonyx im engeren Sinn. Für Siegelringe kam ein zweiter Vorzug hinzu, den schon antike Quellen nennen: An der polierten Chalcedonfläche haftet erkaltendes Siegelwachs nicht. Diese Tradition lebt in Idar-Oberstein weiter, wo bis heute Steinkameen und Gemmen von Hand geschnitten werden.
Gefärbt ist die Regel, nicht die Ausnahme
Ein sehr großer Teil des als Sardonyx und als Onyx gehandelten Materials ist gefärbter und gebrannter Achat. Das ist kein Betrug, sondern eine seit den 1820er Jahren in Idar-Oberstein eingeführte Technik, sie muss aber offen deklariert werden. Zwei Verfahren dominieren. Für schwarze Lagen wird der Stein in Zucker- oder Honiglösung getränkt und anschließend in Schwefelsäure gelegt; der eingedrungene Zucker verkohlt dort zu Kohlenstoff. Das Prinzip beschreibt bereits Plinius. Für rote und braunrote Lagen dient eine Lösung von Eisennitrat, gefolgt von einem Brand, bei dem sich Eisenoxid bildet. Beide Verfahren funktionieren nur, weil die Lagen unterschiedlich porös sind: Die dichten weißen Bänder nehmen kaum Farbe auf, die durchlässigen umso mehr. Genau das erzeugt den scharfen Kontrast, den natürliche Ware selten in dieser Deutlichkeit zeigt. Fragen Sie beim Kauf ausdrücklich nach. Ein seriöser Händler nennt Ihnen die Behandlung ohne Umschweife, und der Preisunterschied zu unbehandeltem Material ist erheblich.
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Kurz gefasst
Sardonyx ist ein preiswerter Stein mit teurer Geschichte. Kaufen Sie nach dem Lagenbild, nicht nach der Größe: gerade, scharf abgesetzte Lagen, ein sattes Braunrot und ein wirklich weißes, nicht graues Gegenband. Rechnen Sie für einen guten gefärbten Cabochon mit 12 bis 35 Euro, für nachweislich unbehandeltes indisches Material mit 60 bis 200 Euro je Stück. Verlangen Sie in jedem Fall eine schriftliche Angabe zur Behandlung, denn der Großteil der Ware ist gefärbter Achat. Für Schmuck empfehlen wir eine Zargenfassung und eine flache, lagenparallele Platte.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Sardonyx stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
