Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Rhodonit Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Rhodonit – Schliff & Bearbeitung

Rhodonit

Zwei Spaltrichtungen im rechten Winkel

Die entscheidende Schwierigkeit beim Rhodonit ist seine Spaltbarkeit. Sie ist vollkommen nach zwei Prismenflächen, die nahezu rechtwinklig zueinander stehen, dazu kommt eine gute Spaltbarkeit nach der Basis. Ein Schleifer trifft damit in fast jeder Arbeitsrichtung auf eine Ebene, an der das Material nachgibt. Bei derbem, feinkörnigem Rhodonit ist das beherrschbar, weil unzählige verschieden orientierte Körner verwachsen sind und sich gegenseitig stützen; das Aggregat verhält sich zäher als der Einkristall. Bei durchsichtigen Einkristallen dagegen wirkt die Spaltbarkeit ungebremst. In Broken Hill lassen sich die Kristalle allein deshalb so leicht aus dem Bleiglanz lösen, weil sie an diesen Ebenen ablösen. Was die Bergung erleichtert, macht das Schleifen zur Geduldsprobe: Jede Facettenkante kann entlang einer Spaltebene absplittern, auch noch im letzten Arbeitsschritt. Aus demselben Grund reißt Rohmaterial beim Trennschnitt leicht aus. Arbeiten Sie deshalb mit wenig Vorschub, reichlich Kühlwasser und einem dünnen Sägeblatt, und sägen Sie keine Platten unter drei Millimetern Stärke.

Facettieren als Meisterstück

Rhodonit gilt unter Schleifern als eines der schwierigsten Materialien überhaupt. Neben der Spaltbarkeit spielt die Sprödigkeit hinein, und die Kristalle sind meist klein: Facettierbares Material aus Australien und Japan ergibt typischerweise Steine von zwei bis drei Karat. Bewährt haben sich Stufenschliffe, also Smaragd-, Baguette- und Achteckschliff, weil ihre großen flachen Facetten und stumpfen Winkel weniger anfällig für Kantenausbrüche sind als die spitzen Winkel eines Brillantschliffs. Gearbeitet wird mit feinen Körnungen, geringem Anpressdruck, viel Kühlung und Kaltkleber statt erwärmtem Dopwachs, weil Wärmespannung den Stein entlang der Spaltebenen aufreißen lässt. Die Ausbeute liegt entsprechend niedrig, und Bruch während der Arbeit ist keine Ausnahme. Gut geschliffene facettierte Rhodonite sind deshalb unter Sammlern hoch geschätzt und werden mit 135 bis 900 Euro je Karat bezahlt.

Cabochons und Platten aus derbem Material

Die Verarbeitung derber Ware ist deutlich unproblematischer. Der Standard ist der flach bis mittelhoch gewölbte Cabochon in Oval, Rund oder Freiform, dazu kommen plane Platten für Intarsien und Inlays sowie Perlen, Trommelsteine und Objekte. Beim Zuschnitt achtet der Schleifer darauf, wie das Adernetz in der Fläche liegt: Ein Schnitt, der die Dendriten flächig erfasst, wirkt lebendiger als einer, der sie nur anschneidet. Kritisch sind weiche, pulvrige Manganoxidzonen. Sie schleifen sich schneller ab als der umgebende Rhodonit, wodurch die Oberfläche Relief bekommt, und sie brechen aus und hinterlassen Grübchen. Gegen beides hilft ein harter Polierträger, niedrige Drehzahl und gegebenenfalls eine vorherige Harzstabilisierung. Poliert wird mit Zinnoxid, Aluminiumoxid oder Diamantpaste. Mit Mohs 5,5 bis 6,5 nimmt derber Rhodonit eine sehr gute Politur an.

Häufige Fragen

Warum gilt Rhodonit als schwer zu schleifen?
Wegen der Kombination aus vollkommener Spaltbarkeit in zwei nahezu rechtwinkligen Richtungen und ausgeprägter Sprödigkeit. Ein Schleifer kann keine Orientierung wählen, in der er beide Ebenen gleichzeitig umgeht. Jede Facettenkante liegt damit potenziell auf einer Sollbruchstelle und kann absplittern, auch noch beim Polieren. Hinzu kommt, dass durchsichtiges Material fast immer einkristallin ist, sodass die Spaltbarkeit nicht wie bei derbem Aggregat durch verwachsene Körner abgefangen wird. Derben Rhodonit dagegen können auch weniger erfahrene Schleifer gut bearbeiten; er verhält sich ähnlich gutmütig wie ein feinkörniger Jaspis.
Welcher Schliff ist für Rhodonit richtig?
Für durchsichtiges Material der Stufenschliff, also Smaragd-, Baguette- oder Achteckschliff. Seine großen flachen Facetten und stumpfen Winkel verteilen die Belastung besser als die spitzen Spitzen eines Brillantschliffs und verringern das Risiko von Kantenausbrüchen. Zusätzlich zeigt er die Farbe ruhiger, was dem tiefen Karminrot entgegenkommt. Für derbes Material ist der Cabochon die richtige Form, flach bis mittelhoch gewölbt, oder die plane Platte für Intarsien. Bei Cabochons lohnt es sich, die Form nach dem Adernetz auszurichten, statt umgekehrt das Netz dem Kalibermaß unterzuordnen.
Kann ich Rhodonit selbst schleifen?
Derbes Material ja, ohne besondere Probleme. Mit Mohs 5,5 bis 6,5 verhält es sich ähnlich wie ein feinkörniger Jaspis, nur etwas spröder. Arbeiten Sie mit ausreichend Wasser, mäßigem Druck und einem harten Polierträger, um Reliefbildung an den weicheren Manganoxidzonen zu begrenzen. Poliert wird mit Zinnoxid, Aluminiumoxid oder Diamantpaste. Verwenden Sie Kaltkleber statt erwärmtem Dopwachs, weil Wärmespannung entlang der Spaltebenen Risse erzeugt. Vom Facettieren durchsichtiger Kristalle sollten Sie ohne Erfahrung mit stark spaltbaren Materialien absehen; die Verlustquote ist hoch.