Der Ural und der Orletz
Die für den Schmuckstein wichtigste historische Quelle liegt im mittleren Ural bei Jekaterinburg. Dort wird seit den 1790er Jahren Rhodonit gebrochen, russisch Orletz, zu Deutsch Adlerstein; einer Überlieferung nach sollen Adler den rosaroten Stein in ihre Horste getragen haben. Die beiden bedeutenden Lagerstätten heißen Maloje Sedelnikowo und Borodulskoje. Ihre Besonderheit war die Blockgröße: Anders als Malachit, der nur in kleinen Partien anfiel und aufwendig zusammengesetzt werden musste, ließ sich Uralrhodonit in großen, homogenen Massen gewinnen. Daraus entstanden monumentale Arbeiten. In der Eremitage steht eine Schale von etwa anderthalb Metern Durchmesser auf einem über einen Meter hohen Sockel, durchzogen von schwarzen Manganoxid-Adern. Das bekannteste Stück ist ein rund sieben Tonnen schwerer Sarkophag aus Uralrhodonit in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg, 1906 für Zarin Maria Alexandrowna fertiggestellt.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Maloje Sedelnikowo und Borodulskoje bei Jekaterinburg | Russland | Klassisches Orletz-Material seit den 1790er Jahren; große homogene Blöcke für monumentale Arbeiten |
| Broken Hill, New South Wales | Australien | 1883 entdeckt; tiefrote, durchsichtige Kristalle in Bleiglanz, Hauptquelle facettierbarer Ware |
| Minas Gerais | Brasilien | Feine durchsichtige Kristalle, selten chatoyantes Material |
| Grube Kaiser Franz, Schävenholz bei Elbingerode, Harz | Deutschland | Typlokalität der Erstbeschreibung von 1819 durch Jasche |
| Huanzalá und San Martín | Peru | Leistenförmige Kristalle in Rosetten; heute auch Lieferant derber Handelsware |
| Långban und Pajsberg | Schweden | Klassische Sammlerfundorte, Namensgeber des Synonyms Pajsbergit |
| Franklin und Sterling Hill, New Jersey | USA | Zinkhaltige Varietät Fowlerit sowie Bustamit in Kalzit |
| Massachusetts | USA | Offizieller Staatsedelstein; derbes Material |
Broken Hill: die Quelle der facettierbaren Kristalle
Die Lagerstätte von Broken Hill in New South Wales wurde 1883 von Charles Rasp entdeckt und ist eine der größten Blei-Zink-Silber-Lagerstätten der Welt. Für Gemmologen ist sie aus einem anderen Grund bedeutend: Sie lieferte dicke, tafelige bis prismatische, tiefrote und durchsichtige Rhodonitkristalle, die direkt in Bleiglanz eingewachsen sind. Wegen der vollkommenen Spaltbarkeit lassen sich diese Kristalle vergleichsweise leicht aus der Matrix lösen, was zugleich zeigt, wie empfindlich sie sind. Aus Broken Hill stammt ein großer Teil der weltweit vorhandenen facettierten Rhodonite, typischerweise im Bereich von zwei bis drei Karat. Die zweite Quelle für Facettenware ist Minas Gerais in Brasilien mit feinen durchsichtigen Kristallen, darunter selten auch chatoyantes Material. Japan hat ebenfalls facettierbare Kristalle geliefert. Alle drei Quellen liefern heute nur noch in kleinen Mengen.
Weitere Vorkommen und ihre Bedeutung
Rhodonit ist als Mineral keineswegs selten; weltweit sind über tausend Fundpunkte auf allen Kontinenten dokumentiert. Schmuckrelevant ist davon nur ein Bruchteil. Klassisch für Sammler sind Långban und Pajsberg in Schweden sowie Franklin und Sterling Hill in New Jersey, wo neben Rhodonit auch die zinkhaltige Varietät Fowlerit und das verwandte Bustamit vorkommen. Huanzalá in Peru lieferte besonders schöne leistenförmige Kristalle in rosettenartigen Gruppen, dazu kommt die San-Martín-Mine. British Columbia in Kanada liefert durchscheinendes, tief rosarotes Material. Weitere Vorkommen gibt es in Japan, Tansania, Mexiko, Argentinien und in Massachusetts, wo Rhodonit offizieller Staatsedelstein ist. Für den Massenmarkt an Cabochons und Perlen kommt derbes Material heute überwiegend aus Peru, Australien, Madagascar und Russland. Die Typlokalität im Harz ist dagegen nur noch historisch von Interesse.
