Mangan erzeugt die Farbe selbst
Rhodonit ist idiochromatisch: Farbträger ist das zweiwertige Mangan der Grundformel, nicht eine Beimengung. Deshalb ist die rosarote Farbe verlässlich und lichtstabil, und deshalb gibt es keinen farblosen Rhodonit im eigentlichen Sinn. Das Manganion absorbiert im grünen und blaugrünen Bereich des Spektrums, sodass Rot und Rosa übrig bleiben. Die Intensität hängt am Mangangehalt und an den Elementen, die Mangan ersetzen. Kalzium und Magnesium verdünnen den Farbeindruck und führen zu blassem Rosa; hohe Eisengehalte verschieben ihn ins Bräunliche und Trübe. Zink erzeugt die bräunlich-rosa Varietät Fowlerit. Sichtbar ist außerdem ein schwacher, aber deutlicher Pleochroismus zwischen gelblichem Rot, Rosarot und blassem gelblichem Rot; er tritt nur bei durchsichtigem Material in Erscheinung. Unter kurzwelligem UV-Licht zeigt Rhodonit ein stumpfes Rot oder bleibt inert. Zusätzlich ist das Mineral thermolumineszent, gibt also beim Erwärmen Licht ab. Für die Praxis hat das keine Bedeutung, ist aber ein Hinweis darauf, wie empfindlich der Stein auf Wärmezufuhr reagiert.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Orletz (Uralmaterial) | Kräftiges Rosarot mit schwarzem Adernetz | Russischer Handelsname, Abbau seit den 1790er Jahren; große homogene Blöcke |
| Transparenter Kristall, Broken Hill | Tiefes Karmin- bis Blutrot, durchsichtig | In Bleiglanz eingewachsen; Hauptquelle facettierbarer Ware |
| Transparenter Kristall, Minas Gerais | Rot bis rosarot, durchsichtig | Brasilianisches Facettenmaterial, selten auch chatoyant |
| Fowlerit | Bräunlich-rosa | Zinkhaltige Varietät aus Franklin und Sterling Hill, New Jersey |
| Derbe Handelsware | Rosa bis rosarot, teils graustichig | Massenware für Cabochons, Perlen und Trommelsteine |
| Oxidiertes Material | Braunrot, stumpf | Verwitterte Außenzonen, Manganoxidation; geringer Schmuckwert |
| Bustamit (anderes Mineral) | Blassrosa bis beige | Kalziumreiches Pyroxenoid, niedrigerer Brechungsindex; nicht als Rhodonit zu verkaufen |
Die schwarzen Adern und die braune Verwitterung
Das Schwarz im Rhodonit stammt nicht aus dem Mineral selbst, sondern aus seiner Umwandlung. Kommt Sauerstoff über Klüfte an das zweiwertige Mangan heran, entstehen höherwertige Manganoxide, meist Gemenge aus Pyrolusit und Psilomelan. Diese dringen in Risse, Korngrenzen und Spaltflächen ein und bilden dort die charakteristischen dendritischen und spinnennetzartigen Muster. In besonders stark umgewandeltem Material sind ganze Zonen schwarz. Ein zweiter Effekt der Oxidation ist die bräunliche Verfärbung: Rhodonit, der lange offen gelegen hat, verliert sein klares Rosarot und wird stumpf braunrot. Das betrifft vor allem Oberflächen und Risszonen, während das Innere frisch bleibt. Für Sie als Käufer heißt das: Beurteilen Sie Rhodonit an einer frisch polierten Fläche, nicht an einer gewachsenen Oberfläche, und rechnen Sie bei Rohsteinen mit einer braunen Außenzone.
Varietäten, Handelsnamen und Verwechslungen
Der wichtigste Handelsname ist Orletz für dichtes, kräftig gefärbtes Uralmaterial mit ausgeprägter schwarzer Aderung. Fowlerit bezeichnet die zinkhaltige Varietät aus New Jersey. In alten Sammlungsetiketten begegnen Ihnen Pajsbergit, Hermannit und Hydropit, allesamt überholte Synonyme. Ohne mineralogische Grundlage sind dagegen Marketingbezeichnungen wie Imperial Rhodonite oder Pink Jade; letztere ist irreführend, weil Jade ein völlig anderes Material ist. Die wichtigsten Verwechslungen: Rhodochrosit unterscheidet sich durch konzentrische Bänderung, geringe Härte und Säurereaktion. Bustamit ist blasser und hat einen niedrigeren Brechungsindex. Pyroxmangit lässt sich mit Standardgeräten praktisch nicht trennen und braucht Raman oder Röntgenbeugung. Thulit, eine rosa Varietät des Zoisits, kann derbem Rhodonit ähneln, hat aber keine schwarzen Manganoxid-Adern. Gefärbter Howlith und gefärbter Marmor sind erkennbar an Farbstoff in Poren und Rissen. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Verkäufer einen mineralogischen Namen nennt und nicht nur eine Farbbezeichnung; seriöse Anbieter geben zusätzlich an, ob das Material gewachst oder stabilisiert wurde.
