Manganreiche Sedimente unter Druck
Rhodonit ist in erster Linie ein metamorphes Mineral. Er entsteht, wenn manganreiche Sedimente, etwa Manganknollenlagen oder manganhaltige Kieselschiefer, unter Druck und Temperatur umgewandelt werden. Dabei rekristallisiert das Mangan zusammen mit Silizium zum Mangansilikat. Typische Begleiter sind Spessartin, Rhodochrosit, Braunit, Tephroit, Quarz und Kalzit. Ein zweites wichtiges Milieu sind Skarne und metasomatisch überprägte Karbonatgesteine am Rand von Intrusionen; dort tritt Rhodonit mit Bustamit, Johannsenit und Manganoxiden auf. Drittens kommt er in hydrothermalen Erzgängen vor, oft eng verwachsen mit Sulfiden. Genau das ist die Situation in Broken Hill, wo Rhodonitkristalle in Bleiglanz eingebettet sind. Für die Qualität entscheidend ist der Sauerstoffzugang: Bleibt das Mangan zweiwertig, ist der Stein kräftig rosarot; dringt Sauerstoff in Klüfte ein, bilden sich die typischen schwarzen Manganoxide und an der Oberfläche braune Verfärbungen.
Ein Pyroxenoid mit fünfgliedriger Kette
Rhodonit gehört zu den Pyroxenoiden, einer Gruppe von Kettensilikaten, die den Pyroxenen chemisch nahestehen, deren Silikatketten aber anders aufgebaut sind. Bei einem echten Pyroxen wiederholt sich das Muster der Tetraeder nach zwei Gliedern, bei Rhodonit erst nach fünf. Ursache ist das im Vergleich zu Magnesium und Eisen größere Manganion, das die Kette verzerrt. Die Struktur ist triklin, Raumgruppe P-1. Aus dem Kettenbau folgt die vollkommene Spaltbarkeit nach zwei Prismenflächen, die nahezu rechtwinklig zueinander stehen; daneben gibt es eine gute Spaltbarkeit nach der Basisfläche. Chemisch ist Rhodonit eine Mischkristallreihe: Mangan kann durch Eisen, Magnesium, Kalzium und Zink ersetzt werden. Kalziumreiche Glieder führen zu Bustamit, zinkreiche zur Varietät Fowlerit. Ein Anstieg des Eisengehalts verschiebt die Farbe ins Bräunliche. Diese Mischbarkeit ist auch der Grund, weshalb die gemessenen Werte für Brechungsindex und Dichte bei Rhodonit über einen vergleichsweise weiten Bereich streuen und nicht als scharfe Einzelwerte angegeben werden können.
Jasche 1819 und die Typlokalität im Harz
Beschrieben wurde Rhodonit 1819 durch den deutschen Mineralogen Christoph Friedrich Jasche. Der Name leitet sich vom griechischen rhodon für Rose ab und beschreibt schlicht die Farbe. Typlokalität ist die Grube Kaiser Franz bei Schävenholz nahe Elbingerode im Harz. Damit liegt der Ursprung der wissenschaftlichen Benennung in Deutschland, während die wirtschaftliche Geschichte des Steins deutlich früher in Russland beginnt: Im mittleren Ural wurde rosaroter Rhodonit bereits seit den 1790er Jahren unter dem Namen Orletz gebrochen. In der älteren mineralogischen Literatur begegnen Ihnen noch die Synonyme Pajsbergit, Hermannit und Hydropit, die heute nicht mehr gültig sind. In der Gemmologie hat sich ausschließlich der Name Rhodonit durchgesetzt. Als Mineralart ist Rhodonit weit verbreitet: Weltweit sind über tausend Fundpunkte auf allen Kontinenten dokumentiert. Schmuckrelevant ist davon allerdings nur ein kleiner Teil, weil derbes Material in ausreichender Größe, Farbe und Dichte deutlich seltener ist als das Mineral selbst.
