Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Rhodonit Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Rhodonit – Entstehung & Mineralogie

Rhodonit

Manganreiche Sedimente unter Druck

Rhodonit ist in erster Linie ein metamorphes Mineral. Er entsteht, wenn manganreiche Sedimente, etwa Manganknollenlagen oder manganhaltige Kieselschiefer, unter Druck und Temperatur umgewandelt werden. Dabei rekristallisiert das Mangan zusammen mit Silizium zum Mangansilikat. Typische Begleiter sind Spessartin, Rhodochrosit, Braunit, Tephroit, Quarz und Kalzit. Ein zweites wichtiges Milieu sind Skarne und metasomatisch überprägte Karbonatgesteine am Rand von Intrusionen; dort tritt Rhodonit mit Bustamit, Johannsenit und Manganoxiden auf. Drittens kommt er in hydrothermalen Erzgängen vor, oft eng verwachsen mit Sulfiden. Genau das ist die Situation in Broken Hill, wo Rhodonitkristalle in Bleiglanz eingebettet sind. Für die Qualität entscheidend ist der Sauerstoffzugang: Bleibt das Mangan zweiwertig, ist der Stein kräftig rosarot; dringt Sauerstoff in Klüfte ein, bilden sich die typischen schwarzen Manganoxide und an der Oberfläche braune Verfärbungen.

Ein Pyroxenoid mit fünfgliedriger Kette

Rhodonit gehört zu den Pyroxenoiden, einer Gruppe von Kettensilikaten, die den Pyroxenen chemisch nahestehen, deren Silikatketten aber anders aufgebaut sind. Bei einem echten Pyroxen wiederholt sich das Muster der Tetraeder nach zwei Gliedern, bei Rhodonit erst nach fünf. Ursache ist das im Vergleich zu Magnesium und Eisen größere Manganion, das die Kette verzerrt. Die Struktur ist triklin, Raumgruppe P-1. Aus dem Kettenbau folgt die vollkommene Spaltbarkeit nach zwei Prismenflächen, die nahezu rechtwinklig zueinander stehen; daneben gibt es eine gute Spaltbarkeit nach der Basisfläche. Chemisch ist Rhodonit eine Mischkristallreihe: Mangan kann durch Eisen, Magnesium, Kalzium und Zink ersetzt werden. Kalziumreiche Glieder führen zu Bustamit, zinkreiche zur Varietät Fowlerit. Ein Anstieg des Eisengehalts verschiebt die Farbe ins Bräunliche. Diese Mischbarkeit ist auch der Grund, weshalb die gemessenen Werte für Brechungsindex und Dichte bei Rhodonit über einen vergleichsweise weiten Bereich streuen und nicht als scharfe Einzelwerte angegeben werden können.

Jasche 1819 und die Typlokalität im Harz

Beschrieben wurde Rhodonit 1819 durch den deutschen Mineralogen Christoph Friedrich Jasche. Der Name leitet sich vom griechischen rhodon für Rose ab und beschreibt schlicht die Farbe. Typlokalität ist die Grube Kaiser Franz bei Schävenholz nahe Elbingerode im Harz. Damit liegt der Ursprung der wissenschaftlichen Benennung in Deutschland, während die wirtschaftliche Geschichte des Steins deutlich früher in Russland beginnt: Im mittleren Ural wurde rosaroter Rhodonit bereits seit den 1790er Jahren unter dem Namen Orletz gebrochen. In der älteren mineralogischen Literatur begegnen Ihnen noch die Synonyme Pajsbergit, Hermannit und Hydropit, die heute nicht mehr gültig sind. In der Gemmologie hat sich ausschließlich der Name Rhodonit durchgesetzt. Als Mineralart ist Rhodonit weit verbreitet: Weltweit sind über tausend Fundpunkte auf allen Kontinenten dokumentiert. Schmuckrelevant ist davon allerdings nur ein kleiner Teil, weil derbes Material in ausreichender Größe, Farbe und Dichte deutlich seltener ist als das Mineral selbst.

Häufige Fragen

In welchen Gesteinen findet man Rhodonit?
Am häufigsten in metamorph überprägten, manganreichen Sedimenten, also in Manganerzlagerstätten, die Druck und Temperatur ausgesetzt waren. Dort tritt er mit Spessartin, Braunit, Tephroit, Rhodochrosit und Quarz auf. Das zweite Milieu sind Skarne und metasomatisch veränderte Karbonatgesteine am Rand von Intrusionen, wo Bustamit, Johannsenit und Manganoxide dazukommen. Drittens findet er sich in hydrothermalen Sulfidgängen. Broken Hill in Australien ist dafür das bekannteste Beispiel: Dort stecken die durchsichtigen roten Kristalle direkt im Bleiglanz und lassen sich wegen der vollkommenen Spaltbarkeit vergleichsweise leicht aus der Matrix lösen.
Worin unterscheiden sich Rhodonit und Pyroxmangit strukturell?
Beide haben praktisch dieselbe chemische Zusammensetzung, aber einen unterschiedlichen Kettenbau. Bei Rhodonit wiederholt sich die Silikatkette parallel zur c-Achse nach fünf Tetraedereinheiten, bei Pyroxmangit erst nach sieben. Dieser Unterschied wirkt sich kaum auf Brechungsindex und Dichte aus: Beide liegen bei etwa 1,72 bis 1,74 und 3,40 bis 3,63 g/cm³, sodass die üblichen gemmologischen Messungen versagen. Zur sicheren Trennung dient erstens der Kalziumgehalt, der bei Rhodonit über 0,05 Gewichtsprozent liegt, zweitens die Röntgenpulverdiffraktometrie, drittens die Raman-Spektroskopie mit charakteristischen Pyroxmangit-Banden bei 185, 252 und 299 Wellenzahlen.
Was sind Fowlerit und Bustamit?
Fowlerit ist eine zinkhaltige Varietät des Rhodonits, bekannt vor allem aus den Zinklagerstätten von Franklin und Sterling Hill in New Jersey. Der Zinkeinbau verändert die Farbe leicht ins Bräunlich-Rosa. Bustamit ist dagegen ein eigenständiges Mineral derselben Pyroxenoid-Familie mit deutlich höherem Kalziumgehalt, bis etwa zwanzig Prozent Kalziumoxid. Es ist blasser, oft rosa-beige, und hat einen niedrigeren Brechungsindex als Rhodonit. Im Handel werden beide gelegentlich als Rhodonit angeboten. Fowlerit gilt dabei als zulässige Varietätsbezeichnung, Bustamit dagegen ist ein anderes Mineral und sollte auch so benannt werden.