Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Rhodonit Lexikon · Übersicht

Rhodonit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Rhodonit

Rhodonit ist ein Mangansilikat von rosaroter bis himbeerroter Farbe, das fast immer von schwarzen Manganoxid-Adern durchzogen ist. Als derber Schmuckstein ist er robust und günstig, als durchsichtiger facettierter Kristall gehört er zu den seltensten und am schwierigsten zu schleifenden Edelsteinen überhaupt.

Rhodonit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate), Pyroxenoid-Gruppe, Strunz 9.DK.05
Chemische Formel(Mn²⁺,Fe²⁺,Mg,Ca)SiO3, idealisiert MnSiO3
Kristallsystemtriklin, Raumgruppe P-1; tafelige bis prismatische Kristalle, meist derb, körnig und massig
Mohs-Härte5,5 bis 6,5
Dichte3,57 bis 3,76 g/cm³ bei derbem Material, etwa 3,67 g/cm³ bei Kristallen
Brechungsindex1,711 bis 1,752 (na 1,711 bis 1,738, ng 1,724 bis 1,751)
Doppelbrechung0,011 bis 0,014, optisch zweiachsig positiv; Pleochroismus schwach, aber deutlich in Gelblichrot, Rosarot und blassem Gelblichrot
GlanzGlasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig
Spaltbarkeitvollkommen nach {110} und {1-10}, die beiden Flächen stehen nahezu rechtwinklig zueinander; gut nach {001}
Bruchuneben bis muschelig, spröde
Transparenzundurchsichtig bis durchscheinend, in Ausnahmefällen durchsichtig
FarbenRosa, Rosarot, Himbeerrot bis tiefes Karminrot, durch Oxidation bräunlich; Oberflächen häufig schwarz von Manganoxiden
Wichtigste FundorteMaloje Sedelnikowo und Borodulskoje bei Jekaterinburg (Ural, Russland); Broken Hill, New South Wales (Australien); Minas Gerais (Brasilien); Huanzalá und San Martín (Peru); Långban und Pajsberg (Schweden); Franklin und Sterling Hill, New Jersey (USA)
Behandlungenüblicherweise keine; poröse Ware wird gelegentlich gewachst oder harzstabilisiert; als Imitat kursieren gefärbter Howlith, gefärbter Marmor und Glas
Erstbeschreibung1819 durch Christoph Friedrich Jasche; Typlokalität Grube Kaiser Franz bei Schävenholz nahe Elbingerode im Harz, Deutschland

Rosarot mit schwarzem Netz

Das auffälligste Merkmal des Rhodonits sind die schwarzen Adern, die sein Rosarot durchziehen. Sie bestehen aus Manganoxiden, die nachträglich in Risse und Korngrenzen eingedrungen sind, als das zweiwertige Mangan des Minerals an der Oberfläche oxidierte. Je nach Material bilden sie feine Dendriten, spinnennetzartige Geflechte oder breite, scharf abgesetzte Bänder. Für viele Käufer ist genau dieses Netz das Kaufargument, denn es macht jedes Stück unverwechselbar. Gemmologisch ist es ein nützliches Unterscheidungsmerkmal: Rhodochrosit, der zweite bekannte rosa Manganstein, zeigt keine solchen Adern, sondern konzentrische rosa-weiße Ringe. Verwechseln lässt sich Rhodonit dagegen leicht mit Pyroxmangit, einem Mineral gleicher Zusammensetzung und nahezu gleicher optischer Werte. Für die Praxis wichtig: Ein hoher Anteil schwarzer Adern senkt den Preis, wenn er die rote Fläche erdrückt, und hebt ihn, wenn er sie grafisch gliedert. Das Verhältnis entscheidet, nicht die Menge.

Rhodonit, Rhodochrosit, Pyroxmangit

Drei Minerale werden im Handel regelmäßig verwechselt. Rhodochrosit ist ein Karbonat, MnCO3, mit Mohs 3,5 bis 4, vollkommener rhomboedrischer Spaltbarkeit und konzentrischer Bänderung. Er braust mit verdünnter Säure auf. Rhodonit ist ein Silikat, (Mn,Fe,Mg,Ca)SiO3, mit Mohs 5,5 bis 6,5, deutlich robuster, säurebeständig und mit schwarzen Manganoxid-Adern statt Ringen. Sein Brechungsindex liegt bei 1,711 bis 1,752, weit über dem des Rhodochrosits. Pyroxmangit ist der schwierige Fall: chemisch dasselbe wie Rhodonit, aber mit anderer Kristallstruktur. Die Silikatketten wiederholen sich bei Pyroxmangit nach sieben, bei Rhodonit nach fünf Tetraedern. Brechungsindex und Dichte überlappen so stark, dass gewöhnliche gemmologische Messungen nicht ausreichen. Zur sicheren Trennung dienen der Kalziumgehalt, die Röntgenpulverdiffraktometrie und die Raman-Spektroskopie. Beide Minerale wachsen häufig als leistenförmige Verwachsung ineinander. Für den Alltag im Handel gilt deshalb eine pragmatische Regel: Was schwarz geädert, hart und säurebeständig ist, wird als Rhodonit verkauft, auch wenn ein Teil davon streng genommen Pyroxmangit sein kann.

Zwei Warengruppen, zwei Preisniveaus

Der weit überwiegende Teil des Handels betrifft derbes, undurchsichtiges Material. Es kommt als Cabochon, Trommelstein, Platte, Perle und Objekt in den Verkauf und kostet etwa 0,20 bis 2,20 Euro je Karat. Klassisch ist das russische Uralmaterial, dort seit den 1790er Jahren unter dem Namen Orletz abgebaut, das für Schalen, Säulen und Sarkophage verwendet wurde. Die zweite Gruppe sind durchsichtige Kristalle, wie sie vor allem Broken Hill in Australien und Minas Gerais in Brasilien geliefert haben. Facettierte Steine dieser Art liegen zwischen 1 und 10 Karat bei etwa 135 bis 450 Euro je Karat; über 10 Karat werden rund 450 bis 900 Euro je Karat aufgerufen. Der Grund für den Abstand ist nicht allein die Seltenheit, sondern die vollkommene, nahezu rechtwinklige Spaltbarkeit, die Rhodonit zu einem der am schwersten zu facettierenden Edelsteine macht.

Alltagstauglich, aber mit einer Schwachstelle

Mit einer Mohs-Härte von 5,5 bis 6,5 ist derber Rhodonit deutlich widerstandsfähiger als Rhodochrosit und liegt im Bereich von Feldspat bis knapp unter Quarz. Als Silikat ist er außerdem säurebeständig, was ihn für Ringe und Armbänder brauchbar macht. Die Schwachstelle ist die Spaltbarkeit: Sie ist vollkommen nach zwei Richtungen, die fast rechtwinklig aufeinanderstehen. Bei derbem, feinkörnigem Material fangen die vielen verwachsenen Körner diese Schwäche weitgehend auf, bei einkristallinen, durchsichtigen Steinen nicht. Ein facettierter Rhodonit ist deshalb ein Vitrinen- oder Anhängerstein, kein Ringstein. Für den Alltag empfehlen wir Ihnen derbe Ware in einer Zargenfassung. Reinigen Sie sie mit lauwarmem Wasser und milder Seife; Ultraschall und Dampfstrahler sollten Sie wegen der Spaltbarkeit meiden. Bewahren Sie Rhodonit getrennt von härteren Steinen auf, denn alles ab Quarzhärte hinterlässt Spuren in der Politur. Wird die Oberfläche nach Jahren stumpf, lässt sich ein Cabochon beim Schleifer nachpolieren, ohne dass die Zeichnung darunter leidet.

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Kurz gefasst

Für tragbaren Schmuck ist derber Rhodonit die vernünftige Wahl: Mit Mohs 5,5 bis 6,5 ist er säurebeständig und alltagstauglich, und für 0,20 bis 2,20 Euro je Karat bekommen Sie einen Stein mit unverwechselbarer Zeichnung. Achten Sie auf ein kräftiges, nicht bräunliches Rosarot, auf schwarze Adern, die die Fläche gliedern statt sie zu überdecken, und auf eine geschlossene Politur ohne ausgebröselte Aderzonen. Facettierte Rhodonite ab 135 Euro je Karat sind Sammlerstücke für die Vitrine oder einen geschonten Anhänger, nicht für den Ring.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Rhodonit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Rhodonit von Rhodochrosit?
Am schnellsten über Zeichnung und Härte. Rhodonit zeigt schwarze, dendritische Manganoxid-Adern auf rosarotem Grund, Rhodochrosit dagegen konzentrische rosa-weiße Ringe aus Tropfsteinwachstum. Rhodonit hat Mohs 5,5 bis 6,5 und lässt sich mit einer Stahlnadel nicht ritzen, Rhodochrosit mit Mohs 3,5 bis 4 dagegen mühelos. Der eindeutigste Test ist die Säurereaktion: Rhodochrosit ist ein Karbonat und braust mit verdünnter Salzsäure auf, Rhodonit als Silikat nicht. Führen Sie diesen Test nur an einer unauffälligen Stelle oder an einer Materialprobe durch, niemals an der Schauseite eines geschliffenen Steins.
Was sind die schwarzen Adern im Rhodonit?
Es sind Manganoxide, in der Regel Gemenge aus Pyrolusit, Psilomelan und verwandten Phasen. Sie entstehen, wenn das im Rhodonit enthaltene zweiwertige Mangan mit Sauerstoff in Kontakt kommt und zu höherwertigen, schwarzen Oxiden weiterreagiert. Diese wandern in Risse, Korngrenzen und Klüfte und bilden dort dendritische, spinnennetzartige Muster oder breitere Bänder. Sie sind kein Fehler, sondern gehören zum Erscheinungsbild und werden von vielen Käufern gezielt gesucht. Wertmindernd wirken sie nur, wenn sie so dominant sind, dass das Rot in den Hintergrund tritt, oder wenn sie pulvrig sind und sich beim Polieren ausbröseln.
Warum ist facettierter Rhodonit so selten?
Dafür gibt es drei Gründe. Erstens ist durchsichtiges Material an sich extrem selten; der weit überwiegende Teil aller Vorkommen liefert derbe, undurchsichtige Massen. Zweitens hat Rhodonit eine vollkommene Spaltbarkeit nach zwei Richtungen, die nahezu rechtwinklig aufeinanderstehen. Dadurch kann der Stein bei fast jeder Schleifrichtung entlang einer Ebene absplittern, was ihn zu einem der schwierigsten Materialien überhaupt macht. Drittens sind die durchsichtigen Kristalle klein: Facettierbare Steine aus Australien und Japan liegen typischerweise bei zwei bis drei Karat. Größere geschliffene Steine sind Sammlerware und werden entsprechend bezahlt.
Was ist Orletz?
Orletz ist der russische Handelsname für derben Rhodonit aus dem mittleren Ural. Er lässt sich als Adlerstein übersetzen; einer Überlieferung zufolge sollen Adler den rosaroten Stein in ihre Horste getragen haben. Belegt ist, dass der Abbau in der Gegend von Jekaterinburg seit den 1790er Jahren läuft, mit den Lagerstätten Maloje Sedelnikowo und Borodulskoje. Der Ural lieferte im Unterschied zu vielen anderen Fundorten sehr große, homogene Blöcke, aus denen monumentale Objekte gefertigt wurden. Im Handel steht Orletz heute für dichtes, kräftig rosarotes Material mit ausgeprägter schwarzer Aderung.