Die drei Spaltrichtungen als Hauptproblem
Rhodochrosit gehört zur Kalzitgruppe und erbt deren größte Schwäche: eine vollkommene Spaltbarkeit nach dem Rhomboeder, also in drei Richtungen gleichzeitig. Dazu kommt eine Absonderung nach einer weiteren Fläche. Praktisch heißt das, dass ein Schleifer an fast jeder Stelle des Steins auf eine Ebene trifft, an der das Material nachgibt. Beim Sägen reißt das Stück entlang dieser Ebenen aus, beim Aufkitten sprengt schon die Spannung durch Erwärmen das Rohstück, und beim Facettieren bricht die frisch geschliffene Kante weg. Zusätzlich ist der Stein mit Mohs 3,5 bis 4 so weich, dass er auf zu grober Körnung sofort Riefen bekommt. Ein erfahrener Schleifer arbeitet deshalb mit sehr feinen Körnungen, geringem Anpressdruck, viel Kühlung und Kaltkleber statt erwärmtem Dopwachs. Der Materialverlust ist entsprechend hoch.
Facettieren: kleine Steine, niedrige Ausbeute
Facettierter Rhodochrosit ist eine Meisterprüfung. Neben Spaltbarkeit und Weichheit spielt die extrem hohe Doppelbrechung von etwa 0,213 bis 0,220 hinein. Sie liegt in der Größenordnung von Calcit und führt dazu, dass Sie durch die Tafel hindurch alle hinteren Facettenkanten doppelt sehen. Ein guter Schleifer legt die Tafel deshalb senkrecht zur optischen Achse, um den Effekt zu mindern; ganz vermeiden lässt er sich nicht. Praktisch geschliffen werden überwiegend Stufenschliffe wie Smaragd- und Baguetteschliff, weil deren große, flache Facetten weniger anfällig für Kantenausbrüche sind als die spitzen Winkel eines Brillantschliffs. Die transparenten Zonen in einem Kristall sind meist klein, sodass fertige Steine überwiegend unter fünf Karat bleiben. Eine Ausbeute von wenigen Prozent des Rohgewichts ist normal, und Bruch während der Arbeit kommt regelmäßig vor.
Cabochons, Scheiben und Objekte aus Bänderware
Die Verarbeitung der argentinischen Bänderware ist deutlich unproblematischer, weil das dichte, feinkörnige Aggregat die Spaltbarkeit teilweise auffängt. Der Standard ist der flache Cabochon oder die plane Platte, die so aus dem Stalaktiten gesägt wird, dass die konzentrischen Ringe in der Ansicht liegen. Ein Schnitt quer zur Wachstumsachse ergibt das gesuchte Ringmuster, ein Längsschnitt dagegen ein Streifenmuster, das weniger gefragt ist. Poröse Lagen werden vor dem Schleifen mit Kunstharz stabilisiert. Poliert wird mit Zinnoxid oder Aluminiumoxid bei niedriger Drehzahl, denn Reibungswärme und Säurereste sind für ein Karbonat kritisch. Weil die Lagen unterschiedlich hart sind, neigt die Oberfläche zur Reliefbildung: Die weicheren Bänder schleifen sich stärker ab und lassen die Politur wellig wirken. Dagegen hilft nur Geduld mit einem harten Polierträger. Üblich sind Kalibermaße von 10 mal 14 bis 20 mal 30 Millimetern und Plattenstärken von drei bis sechs Millimetern; dünnere Platten biegen sich beim Fassen durch und brechen entlang der Schichtgrenzen.
